Politik | Ausland
05.12.2011

Gaddafi-Söhne widersprechen einander

Während Al-Saadi weiteres Blutvergießen verhindern will, ruft Saif zum Kampf auf und verspricht den baldigen Sieg.

Alles nur Taktik oder droht der Familie Gaddafi tatsächlich die Spaltung? Während der Rest der Welt ab dem heutigen Donnerstag in Paris über mögliche Hilfestellungen für Libyen in der Post-Gaddafi-Ära berät, treten die Gaddafi Söhne Saif und Al-Saadi mit widersprüchlichen Botschaften an die Öffentlichkeit.

Al-Saadi Gaddafi tritt dabei für ein Ende der Kampfhandlungen ein, will weiteres Blutvergießen verhindern und verhandelt nach Angaben der Rebellen bereits über mögliche Sicherheitsgarantien im Austausch für eine vollständige Kapitulation.

Ganz anders dagegensein Bruder Saif. Er rief die Anhänger des Regimes mit Durchhalteparolen zum Kampf auf und versprach den baldigen Sieg. Beide gaben an, im Namen ihres Vaters Muammar Gaddafi zu sprechen.

Regimegegner als "Ratten"

"Greift die Feinde an, wo immer sie sind", appellierte Saif Gaddafi am Mittwochabend in einer vom arabischen Sender Al Rai TV ausgestrahlten Botschaft. "Der Sieg ist nah", versprach der zweitälteste Sohn Gaddafis. Die Gegner des Regimes nannte er "Verräter und Ratten."

Seinen aktuellen Aufenthaltsort konkretisierte Saif nicht, gab aber zu sich in einem Vorort von Tripolis zu befinden. Vater Muammer gehe es gut, bekräftigte Saif: "Wir trinken Tee und Kaffee."

Kampfesmüde

Sein jüngerer Bruder Al-Saadi Gaddafi wandte sich dagegen arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera. In einem Interview mit einem arabischen TV-Sender gab er - wie zuvor schon Saif - an, im Namen seines Vaters Muammar zu handeln. Er sei autorisiert, mit dem Übergangsrat über ein Ende des Blutvergießens in Libyen zu sprechen, so der 38-jährige Al-Saadi.

Ultimatum

Indes hat die Übergangsregierung den Truppen des alten Regimes ein Ultimatum gestellt, bis Samstag die Waffen niederzulegen. Ansonsten werde Sirte, die Geburtsstadt des Diktators, angegriffen.

Die Bevölkerung in der rund 75.000 Einwohner zählenden Küstenstadt sei gespalten, berichtete Al-Jazeera. Eine Hälfte plädiere für Kampf, die andere Hälfte für Kapitulation. Stammesälteste versuchten, die Gaddafi-Truppen wenigstens davon zu überzeugen, dass im Fall einer Entscheidungsschlacht Frauen und Kinder zuvor die Stadt verlassen könnten.

Die Rebellen verfügen nach eigenen Angaben über unbestätigte Informationen, wo sich Gaddafi aufhält. Arabische Medien spekulierten, dass der 69-Jährige in Bani Walid südlich von Tripolis untergetaucht sei. Die Stadt stehe unter dem Schutz der Warfalla, des größten libyschen Stammes, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija. Dagegen behauptete ein ehemaliger Leibwächter von Gaddafis Sohn Khamis, dass sich der Ex-Diktator in die 770 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Garnisonsstadt Sebha abgesetzt habe.

Hilfe

Um schnell eine Verbesserung der humanitären Lage in Libyen zu erreichen, will die Staatengemeinschaft an diesem Donnerstag in Paris die Milliardenhilfe für das Land koordinieren.

Gastgeber der Konferenz sind der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron. Dabei geht es unter anderem darum, die in mehreren Ländern eingefrorenen Reichtümer Gaddafis für Investitionen in Libyen zur Verfügung zu stellen.

Nach einem entsprechenden Beschluss der UN gab Großbritannien am Mittwoch libysche Banknoten im Wert von 1,1 Milliarden Euro an die Übergangsregierung frei. Die in einer britischen Druckerei gedruckten libyschen Dinars waren wegen der UN-Sanktionen eingefroren worden. Wie die britische BBC berichtete, brachte ein Flugzeug der Royal Airforce bereits in der Nacht zum Donnerstag eine erste Tranche in Höhe von 158 Millionen Euro nach Bengasi.

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