Politik | Ausland
07.07.2017

G-20-Chronologie: Proteste, Gewalt, Verletzte und Tote

Demonstrationen gegen Gipfeltreffen liefen immer wieder aus dem Ruder.

Der G-20-Gipfel in der norddeutschen Hamburg wird von heftigen Protesten und Krawallen begleitet. In der Nacht auf Freitag wurden dabei 111 Polizisiten verletzt. Anti-Globalisierungs-Proteste dieser Art gibt es seit beinahe 20 Jahren. Die Chronologie einer zweifelhaften Tradition:

1999: Beginn der Anti-Globalisierungs-Proteste
Ein Ministertreffen der Welthandelsorganisation WHO in Seattle im US-Bundesstaat Oregon im Dezember wird von heftigen Protesten mit hunderttausenden Teilnehmern begleitet. Randalierer ziehen durch die Straßen, die Behörden erklären den Ausnahmezustand und verhängen eine Ausgangssperre im Stadtzentrum. In der Stadt werden Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Rund 600 Menschen werden festgenommen.

2000: Gewaltsame Zusammenstöße
Während des Jahrestreffens von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Prag im September enden Proteste von Globalisierungsgegnern in Straßenkämpfen mit der Polizei. Fast 900 Menschen werden festgenommen, hunderte verletzt.

Während des EU-Gipfels im Dezember in Nizza liefern sich tausende Globalisierungsgegner Zusammenstöße mit Sicherheitskräften. 24 Polizisten werden verletzt, rund 40 Demonstranten festgenommen.

2001: Das erste Todesopfer
Im Juli tagt die Gruppe der acht wichtigsten Industriestaaten (G-8) im italienischen Genua. Bei gewalttätigen Protesten gegen das Gipfeltreffen schießt ein Polizist einem jungen italienischen Demonstranten in den Kopf. Mehr als 500 Menschen werden verletzt, es gibt hohen Sachschaden, mehr als 200 Menschen werden festgenommen.

In den vorangegangenen Monaten wurden bereits mehrere Gipfeltreffen von Gewalt begleitet, darunter das Weltwirtschaftsforum in Davos und der EU-Gipfel im schwedischen Göteborg.

2007: Tausend Verletzte in Rostock
In Rostock demonstrieren tausende Menschen gegen den G-8-Gipfel im nahen Heiligendamm. Bei den Protesten werden rund tausend Menschen verletzt, darunter 430 Polizisten.

2009: Ein Toter in London
Am Rande von Protesten gegen den G-20-Gipfel im April greifen Demonstranten eine Bank an. Ein Passant wird von einem Polizisten geschlagen und zu Boden gestoßen und stirbt an inneren Blutungen.

Drei Tage später mischen sich maskierte und mit Eisenstangen bewaffnete Protestierende unter friedliche Demonstranten am Rande des NATO-Gipfels in Straßburg und setzen mehrere Gebäude in Brand. Rund 100 Polizisten werden verletzt, 330 Menschen werden festgenommen.

Im Dezember gibt es während des Klimagipfels in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen nahezu täglich Demonstrationen. Am 12. Dezember ziehen rund 300 schwarz gekleidete Demonstranten durch die Stadt, werfen Fensterscheiben ein und attackieren Autos mit Hämmern. Rund 1800 Menschen werden festgenommen.

2017: Konfrontation zwischen tausenden Demonstranten und Polizisten
Schon vor dem G-20-Gipfel in Hamburg setzt eine große Konfrontation zwischen tausenden Demonstranten und Polizisten ein. Die Polizei spricht am Freitagmorgen von 111 verletzten Polizisten, die linksradikalen Organisatoren nennen die Zahl von mehr als hundert verletzten Demonstranten.

Die Polizei wird mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern und Latten angegriffen. Am Protestmarsch "Welcome to hell" (Willkommen in der Hölle) beteiligen sich 12.000 Demonstranten.

Als die Einsatzkräfte einen "Schwarzen Block" von der Kundgebung trennen wollen, eskaliert die Lage. Die Polizei setzt Wasserwerfer und Pfefferspray ein, seitens der Demonstranten ist von "Polizeiterror" die Rede. Es gibt mehr als 60 Brände.

Am Freitagmorgen werden in Hamburg Barrikaden errichtet, Mülltonnen, Holzpaletten und Autos angezündet. Demonstranten blockieren mehrere Straßenkreuzungen, die Polizei setzt Wasserwerfer ein. Laut Polizei wurden 29 G-20-Gegner festgenommen.