Politik | Ausland
07.08.2017

Fünf Gründe, warum die Venezuela-Krise international bedeutsam ist

Staatspleite könnte Ölpreisanstieg auslösen. Spannungen mit USA verstärken sich. Instabilität in Südamerika droht.

Das Land mit den größten Ölreserven steuert Richtung Diktatur, Russland und China stehen trotzdem zu Staatschef Nicolas Maduro. Eine Verschärfung der Krise kann weitreichende Folgen haben.

Ölpreis

Seit 2014 ist der Ölpreis von 100 auf 50 US-Dollar gefallen, wovon Unternehmen und Verbraucher im Ausland profitieren. Venezuela hat mit über 300 Milliarden Barrel die größten Reserven. Eine Staatspleite oder ein von den USA als größtem Abnehmer verhängter Importstopp könnte einen Preisanstieg auslösen.

Spannungen

China, der Iran und Russland halten zu Maduro. Peking soll Caracas von 2005 bis 2016 mit über 52 Milliarden Euro unterstützt haben. US-Präsident Donald Trump hat Sanktionen gegen Maduro verhängt - ihm kann die Hilfe der drei Mächte im "US-Hinterhof" nicht gefallen.

Flüchtlinge

140.000 Venezolaner sollen sich illegal in Kolumbien aufhalten, die Regierung will Sondervisa mit zwei Jahren Bleiberecht ausstellen. Auch in Brasilien kommen immer mehr verzweifelte Menschen an, die kaum versorgt werden können. Grenzstädte sind überfordert.

Instabilität

Gerade für die Beziehungen mit Kolumbien - durch den Friedensprozess zum neuen Hoffnungsland in der Region auch für europäische Unternehmen avanciert - könnte die Lage brenzlig werden. Es gab wiederholt Zwischenfälle an der Grenze; Maduro wirft Kolumbien zudem eine Unterstützung der Opposition vor.

Geschäfte

Für ausländische Unternehmen ist Venezuela zum großen Verlustbringer geworden. Einnahmen in Landeswährung sind durch die Inflation kaum etwas wert. Mehrere Dax-Unternehmen sind noch im Land. War Venezuela früher noch ein gutes Pflaster, so stehen sie jetzt vor der Frage: gehen oder bleiben.

Maduro: Zwei Angreifer bei Attacke auf Kaserne in Venezuela getötet

Bei der Niederschlagung eines Angriffs auf einen Militärstützpunkt in Venezuela sind Präsident Nicolas Maduro zufolge zwei Täter getötet worden. Rund 20 Bewaffnete seien in der Früh in den Stützpunkt Paramacay nahe der Stadt Valencia westlich von Caracas eingedrungen, sagte Maduro am Sonntag in seiner wöchentlichen TV-Sendung. Er bezeichnete die Angreifer als "Söldner".

Sie hätten sich Zugang zum Waffenlager verschafft. Bei einem Feuergefecht mit Soldaten seien zwei von ihnen getötet worden, sagte der Präsident. Es handelte sich scheinbar um den Versuch, einen Aufstand gegen Maduro auszulösen. Laut der sozialistischen Regierungspartei wurden acht Angreifer festgenommen. Darunter seien drei Angehörige des Militärs. Die übrigen Angreifer seien mit erbeuteten Waffen geflohen.

Der stellvertretende Sozialisten-Chef Diosdado Cabello sprach von einem "terroristischen Angriff". In einem Video, das zum Zeitpunkt des Angriffs im Internet kursierte, erklärten mehrere Männer in Militäruniformen, sie wollten das Land zurück zur Demokratie führen. Sie riefen zur landesweiten Erhebung gegen Maduro auf. Dies sei kein Staatsstreich, sondern eine bürgerliche und militärische Aktion, um die Verfassungsordnung wiederherzustellen, sagte ein Mann, der sich als Ex-Offizier der Nationalgarden vorstellte.

Venezuela steckt in einer schweren Krise. Seit Monaten protestieren zahlreiche Menschen gegen Maduro. Dabei wurden etwa 120 Menschen getötet. Die Opposition macht den Staatschef für die wirtschaftliche Misere des ölreichen Landes verantwortlich und wirft ihm vor, eine Diktatur anzustreben. Maduro setzte eine Verfassungsversammlung durch, die am Wochenende umgehend seine schärfste Kritikerin, Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, absetzte. Ihr soll der Prozess gemacht werden. In Lateinamerika löste das Vorgehen massiven Protest aus.

100.000 Mittagessen für geflüchtete Venezolaner in Kolumbien

Die katholische Kirche in Kolumbien hat bereits mehr als 100.000 Mittagessen für venezolanische Flüchtlinge ausgegeben. "Wir verzeichnen einen großen Anstieg von Venezolanern, die in die Stadt kommen", sagte der Bischof der Grenzstadt Cucuta, Bischof Manuel Ochoa, laut Kathpress dem Radiosender Caracol. Die Diözese stelle Nahrungsmittel und andere Hilfsmittel zur Verfügung.

Die Initiative sei auch von breiten Schichten der Bevölkerung getragen, so der Bischof weiter. Viele Pfarren beteiligten sich an den Hilfsaktionen. Laut Schätzungen sind bereits mehr als 200.000 Venezolaner nach Kolumbien geflohen.

Die schwere innenpolitischen Krise in Kolumbiens Nachbarland Venezuela setzt sich derweil am Wochenende fort. Trotz heftiger Kritik aus dem In- und Ausland nahm die von Staatspräsident Nicolas Maduro durchgesetzte verfassungsgebende Versammlung (ANC) am Samstag die Arbeit auf. Als Präsidentin wurde die ehemalige Außenministerin Delcy Rodriguez gewählt.

Mit Generalstaatsanwältin Luisa Ortega ersetzte die ANC in ihrer ersten regulären Sitzung auch eine der letzten noch im Amt befindlichen Gegenspielerinnen der Sozialisten durch Tarek William Saab. Der ehemalige Ombudsmann für das venezolanische Volk hat bei der Opposition einen schlechten Ruf, schmetterte er doch alle Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen ab. In Caracas spielten sich daraufhin dramatische Szenen ab. Die Generalstaatsanwaltschaft wurde von bewaffneten Sicherheitskräften umstellt.

Am Sonntag dann der nächste Machtkampf: In einer Kaserne kam es zu einem Aufstand, rebellierende Militärs stellten sich gegen die verfassungsgebende Versammlung und forderten ein Ende der "Tyrannei des Mörders Nicolas Maduro". Der Aufstand wurde nach Angaben von Staatspräsident Maduro niedergeschlagen.