Die Verdächtigen sollen sich in einer Druckerei verschanzen.

© APA/EPA/YOAN VALAT

Frankreich
01/09/2015

Einsatz gegen Attentäter von Paris

Der Einsatz gegen die beiden Verdächtigen läuft am Freitag auf Hochtouren - IS loben "heroische Tat".

Nach dem Terroranschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" haben sich die Polizei und die beiden Tatverdächtigen am Freitagmorgen nördlich von Paris eine Verfolgungsjagd geliefert. Es seien auch Schüsse gefallen, ersten Meldungen zufolge wurden zwei Menschen getötet - das wurde allerdings kurz darauf von der Staatsanwalschaft dementiert. Nach Informationen der Zeitung Le Parisien gibt es 20 Verletzte.

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Die Nachrichtenagentur AFP berichtete außerdem von einer Geiselnahme und bezog sich dabei auf Polizeikreise. Laut RTL ereignete sich die Geiselnahme in einem Betrieb in Dammartin-en-Goele. NTV berichten von ein bis zehn Geiseln, die sich in der Gewalt der Attentäter befinden sollen.

Dammartin-en-Goele befindet sich in der Nähe des Flughafens Charles de Gaulle. Wie Le Monde und der Sender RTL berichteten, sollen zwei Männer, deren Beschreibung auf die Hauptverdächtigen des Anschlags passt, zuvor weiter nördlich ein Auto gestohlen haben. Die Bewohner des Ortes in der Nähe des Flughafens seien angewiesen worden, ihre Häuser nicht zu verlassen. Hubschrauber kreisen um das Gebiet. Der französische Präsident Francois Hollande unterbrach laut Medienberichten eine Krisensitzung.

Frankreichs Innenminister Bernhard Cazeneuve hat unterdessen bestätigt, dass eine Operation von "Elite-Einheiten" im Gang sei. Ziel sei es, die "Verantwortlichen" für den Terroranschlag gegen die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" "zu neutralisieren", zitierte die Nachrichtenagentur AFP Cazeneuve.

IS lobt "heroische Jihadisten"

Die radikale Miliz Islamischer Staat hat die Täter unterdessen für deren Anschlag auf die Redaktion als Helden gewürdigt. "Heroische Jihadisten" hätten die Tat verübt, hieß es laut dem Beobachtungsdienst Site in einer im Internet veröffentlichten Audio-Botschaft der Islamisten. Mit der Tötung der Journalisten sei der Prophet Mohammed unterstützt worden. Die Aufnahme wurde am Donnerstag über Twitter und Jihadisten-Foren verbreitet, wie Site am Freitag mitteilte. Der Dienst beobachtet islamistische Webseiten.

US-Liste

Die beiden mutmaßlichen Attentäter von Paris standen nach Angaben aus Washington als Verdächtige auf einer Terrorliste der USA. Ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte am Donnerstag, Cherif und Said Kouachi seien "seit Jahren" auf den Überwachungslisten des Landes gestanden. Sie seien dort als Terrorverdächtige geführt worden und ihre Namen seien auch auf der Flugverbotsliste gestanden. Damit war es den Brüdern verboten, in die USA zu fliegen. Die Brüder sind die Hauptverdächtigen des schweren Anschlags auf "Charlie Hebdo" vom Mittwoch in Paris. Dabei wurden zwölf Menschen getötet. Das Magazin ist unter anderem für seine Mohammed-Karikaturen bekannt.

Terrortraining in Jemen

Einer der beiden hat nach Informationen von US-Medien auch ein Terrotraining im Jemen absolviert. Said Kouachi (34), der ältere der beiden Brüder, habe in dem Land im Jahr 2011 "ein paar Monate" an der Ausbildung lokaler El-Kaida-Einheiten teilgenommen. Er sei im Umgang mit Schusswaffen geschult worden, berichtete die New York Times. Die Zeitung berief sich auf einen namentlich nicht genannten hohen Regierungsbeamten. Im Jemen beherrscht die El-Kaida auf der Arabischen Halbinsel ganze Landstriche und verübt immer wieder schwere Anschläge, zuletzt vor allem auf die schiitischen Houthi-Rebellen. Zudem soll einer der beiden auch in Syrien gewesen sein.

US-Geheimdienste untersuchten derzeit auch, ob der El-Kaida-Ableger den Anschlag von Paris ausdrücklich angeordnet habe. Bisher gebe es aber keine Hinweise, dass die beiden Attentäter einen solchen Auftrag bekommen hätten oder einer El-Kaida-Zelle in Frankreich angehörten.

KURIER vor Ort: Unser Reporter Philipp Hacker-Walton berichtet, wie die Stimmung in Paris nach dem Attentat ist.

Trauerfeiern rund um den Globus

ITALY FRANCE HEBDO

FRANCE PARIS HEBDO

ATTACKE IN PARIS: MAHNWACHE IN SALZBURG

ATTACKE IN PARIS: MAHNWACHE IN SALZBURG

NETHERLANDS FRANCE CHARLIE HEBDO ATTACK

Rome's Capitol Hill, designed by Renaissance artis…

ITALY FRANCE HEBDO

TURKEY FRANCE CHARLIE HEBDO ATTACK

Candles, flowers and signs of support for Charlie …

Employees of German news magazine "Der Spiegel" ho…

A woman with 'I am Charlie' written on her face p…

People light candles as they pay tribute to victim…

Warnung vor weiteren Anschlägen

Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 hat unterdessen vor Terroranschlägen mit einer großen Opferzahl in westlichen Ländern gewarnt. Eine Kerngruppe militanter Islamisten in Syrien, die dem Terrornetzwerk El-Kaida nahestehe, plane derzeit umfangreiche "Angriffe gegen den Westen", sagte Andrew Parker in London. Gemeinsam mit seinen Partnern tue Großbritannien alles, um derartige Anschläge zu verhindern. "Wir wissen jedoch, dass wir nicht darauf hoffen können, alles zu stoppen."

Besonders von Kämpfern, die aus Syrien in ihre Länder zurückkehrten und eine "verdrehte Ideologie mitbringen", gehe eine Gefahr aus, sagte Parker. Zwar sei die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die derzeit offensichtlichste Bedrohung, allerdings seien auch Kämpfer, die El-Kaida nahestünden, weiterhin eine Gefahr, sagte er.

Am Sonntag findet in Paris ein internationales Treffen zum Kampf gegen den Terrorismus statt. Der französische Innenminister Cazeneuve sagte am Donnerstagabend, er habe seine Kollegen "der am meisten vom Terrorismus betroffenen europäischen Länder" ebenso eingeladen wie US-Justizminister Eric Holder und US-Heimatschutzminister Jeh Johnson. Auch EU-Vertreter sollen kommen.

Schüsse und Flucht nach dem Anschlag

"Charlie Hebdo": Satire ohne Kompromiss

Die Satirezeitung Charlie Hebdo wurde 1970 gegründet und ging aus dem verbotenen Blatt L'hebdo Hara-Kiri hervor. Der Name „Charlie“ wurde von der Comicfigur Charlie Brown übernommen und verweist auf die Ursprünge im Bereich der Comic-Magazine, „Hebdo“ ist im Französischen eine Abkürzung für „hebdomadaire“ was so viel bedeutet wie Wochenzeitschrift. 1981 wurde das Blatt nach 560 Ausgaben eingestellt, 1992 jedoch wieder belebt.

Von Anfang an gab es für Charlie Hebdo keine Grenzen, Mächtige aus Politik und Wirtschaft wurden genauso aufs Korn genommen wie Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer – egal welcher Glaubensrichtung. Damit handelte sich das Blatt auch einige Klagen ein, unter anderem nach einer bitterbösen Papst-Sonderausgabe.

Hinweis: Magazincover und Karikaturen finden Sie hier auf der Homepage von Charlie Hebdo.

Stéphane Charbonnier

Herausgeber, kreativer Chef und Aushängeschild vonCharlie Hebdowar Stéphane Charbonnier, genannt Charb - auch er starb beim Terroranschlag inParis. Seine Karikaturen polarisierten meistens, teilweise überschritten sie auch deutlich die Grenzen zur Geschmacklosigkeit.

Schon der Stil seiner Zeichnungen und Comics wirkt hart. Charb setzte kräftige Farben ein, seine Figuren waren nur sehr grob gezeichnet, hatten fast immer giftgelbe Haut mit drei picklig wirkenden Punkten auf hässlichen Knollennasen. Auffällig große weiße Augen unterstrichen die insgesamt unsympathische Wirkung der kleinen Männchen.

Islam-Kritik

Die Redaktion mit rund 20 Mitarbeitern (bei einer wöchentlichen Auflage von 140.000 Stück) veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. 2011 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris, Stéphane Charbonnier erhielt Morddrohungen. Zuvor hatte Charlie Hebdo zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit dem Titel „Charia Hebdo“ herausgebracht.

Im September 2012 sorgte das Blatt erneut mit Mohammed-Karikaturen für Aufsehen. Nach der Veröffentlichung mussten französische Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Die Internet-Seite war tagelang von Hackern gestört.

Vor gut zwei Jahren, am 2. Jänner 2013, veröffentlichte Charlie Hebdo dann eine Comic-Biographie von Mohammed ("La Vie De Mahomet"). Islamische Länder, allen voran der Iran, protestierten dagegen.

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