Politik | Ausland
24.04.2017

Frankreich: Erste Le-Pen-Attacken auf Macron

Newcomer gegen Nationalistin: Emmanuel Macron liegt im ersten Wahlgang vorne und tritt in zwei Wochen gegen Marine Le Pen an.

Viel stand auf dem Spiel, ein politisches Erdbeben blieb gestern aber aus. Vorerst. Emmanuel Macron, moderater Kandidat und ehemaliger Wirtschaftsminister, hatte nach fast vollzähliger Auszählung der Stimmen mit fast 23,9 Prozent die Nase vorne. Rechtspopulistin Marine Le Pen erzielte 21,4 Prozent und landete auf Platz zwei. Die beiden setzten sich bei der ersten Wahlrunde gegen neun weitere Kandidaten durch und stehen nun in der Stichwahl am 7. Mai.

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Und dieses Finale wird auch zur Abstimmung über Europa: Führende Sozialisten und Konservative riefen daher zur Unterstützung Macrons auf, um Le Pen als Präsidentin zu verhindern. Er wolle mit einem System brechen, "das unfähig ist, auf Probleme zu reagieren", sagte Macron. Frankreich, nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, leidet seit Jahren unter einer hohen Arbeitslosigkeit und einer schwächelnden Wirtschaft.

"Verdorbene republikanische Front"

Le Pen verurteilte das parteiübergreifende Bündnis um Macron scharf. Sie sagte bei einem Wahlkampfauftritt in Nordfrankreich, nun schare sich "die alte verdorbene republikanische Front", die niemand mehr wolle, um den sozialliberalen Politiker. Sie selbst gehe "voller Hoffnung und Dynamik" in die Stichwahl. Le Pen konnte in der ersten Runde mehr als 7,6 Millionen Wähler mobilisieren, so viele wie noch nie. Zustimmung fand sie vor allem im Nordosten und Südosten des Landes, Macron punktete in großen Städten und im Westen.

Le Pen bleibt auf Kurs

Le Pen wird auch in den nächsten Wochen auf die EU-kritische Stimmung im Land setzen. Sie will raus aus dem Euro und die Bürger über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs abstimmen lassen. "Es gab noch nie so viele Stimmen für Kandidaten, die der Europäischen Union sehr kritisch gegenüberstehen", sagte ihr stellvertretender Parteichef Florian Philippot. Dazu zählte er auch den Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. "Ich glaube, das wird in der zweiten Runde eine Rolle spielen", so Philippot.

Polit-Jungstar Macron tritt hingegen für Europa ein und will die Eurozone gemeinsam mit Deutschland stärken. Der 39-Jährige sagte, er wolle "der Präsident der Patrioten angesichts der Bedrohung durch die Nationalisten" sein. Ob sein Ziel aufgeht, wird sich zeigen. Macrons Umfragen vom Wahlabend geben ihm einen klaren Vorsprung für die entscheidende zweite Runde.

Kommentar: Sieg des Mannes ohne Partei

Le-Pen-Lager attackiert Macron

Auch weitere Vertreter des Le-Pen-Lagers ritten bereits scharfe Attacken gegen Macron. Mit ihm gehe die "hemmungslose Globalisierung und massive Einwanderung" weiter, sagte Le Pens Kampagnenchef David Rachline am Montag dem Sender BFMTV.

Macron werde die Politik des unpopulären, scheidenden Präsidenten Francois Hollande beschleunigt fortsetzen. "Ich glaube, er steht für dieses System, das nicht funktioniert." Die Front National werde dieses System im weiteren Wahlkampf angreifen.

Beim Thema Einwanderung stehen sich die Positionen von Le Pen und Macron diametral gegenüber: Die Rechtspopulistin will die Bedingungen des Asylrechts einschränken. Macron will am aktuellen Flüchtlingskurs festhalten und mehr für Integration tun.

Pressestimmen: "Historisches Ergebnis"

Politologe: Wahl ist noch nicht gelaufen

Der deutsche Politologe Henrik Uterwedde warnte davor, Le Pen frühzeitig abzuschreiben. Dafür sei sie eine zu gute Wahlkämpferin. Eine Gefahr sei auch, dass manche Wähler in zwei Wochen zu Hause bleiben könnten.

"Macron darf sich nicht in Sicherheit wiegen." Er müsse beharrlich seinen Weg weiter gehen und wahlkämpfen. "Diese Wahl ist noch nicht gelaufen", sagte Uterwedde der Deutschen Presse-Agentur.