Politik | Ausland
15.03.2018

Flüchtlinge: AMS sieht Integration unerwartet erfolgreich

AMS-Vorstand Kopf: "Liegen bei den Integrationserfolgen bei den Flüchtlingen über den Erwartungen." Die Maßnahmen zu kürzen ergibt finanziell für ihn keinen Sinn. Am Ende koste das mehr, als die Leute zu unterstützen.

Der Vorstand des Arbeitsmarktservice, Johannes Kopf, zeigt sich mit der Integration von Geflüchteten am österreichischen Arbeitsmarkt grundsätzlich zufrieden. "Wir liegen bei den Integrationserfolgen bei den Flüchtlingen über den Erwartungen", sagte Kopf im Interview mit der APA. Es sei "ein langer Prozess und herausfordernd". Die gute Wirtschaftslage helfe aber bei der Arbeitsmarktintegration.

Im Februar 2018 waren 32.644 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte beim AMS als arbeitslos vorgemerkt oder in Schulungen - das entspricht zwar einem Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die absolute Zahl berücksichtigt jedoch nicht, dass jeden Monat kommen rund 800 bis 1.000 Geflüchtete neu zum AMS dazukommen.

Beschäftigung steigt deutlich an

Um den Arbeitsmarkterfolg von Flüchtlingen zu messen, beobachtet das Arbeitsmarktservice deshalb jene Personen, die im Jahr 2015 und 2016 Asyl oder subsidiären Schutz erhalten haben getrennt. Von den Geflüchteten, die im Jahr 2015 beim AMS registriert wurden, waren Ende Juni 2016 insgesamt 10,1 Prozent in Beschäftigung und im Oktober 2017 bereits 26,2 Prozent. Bei den Flüchtlingen aus dem Jahr 2016 lag der Wert Ende Oktober 2017 bei 16,8 Prozent. Aktuellere Zahlen liegen derzeit noch nicht vor.

Bei den 9.525 Flüchtlingen, die im Jahr 2015 auf den Arbeitsmarkt gekommen sind, erwartet der AMS-Vorstand, dass im Frühling bereits 30 Prozent in Beschäftigung sein werden. "Es ist nichts zum Jubeln. Es ist absolut im Plan, sogar leicht über Plan."

Zur Erklärung: Dass für 2015 nur 9.525 Flüchtlinge überhaupt auf den Arbeitsmarkt kamen, obwohl mit 88.340 doppelt so viele Asylanträge wie 2016 (42.285) gestellt wurden, liegt am langen Instanzenweg. Erst wenn ein positiver Asylbescheid (oder subsidiärer Schutz) vorliegt, dürfen Flüchtlinge überhaupt arbeiten. Während der Bearbeitung des Asylbescheids erhalten Flüchtlinge die Grundversorgung.

Ursprünglich habe man damit gerechnet, dass nach fünf Jahren, ungefähr die Hälfte der anerkannten Geflüchteten in Beschäftigung sein wird, sagt Kopf im APA-Interview. "Das werden wir wohl früher erreichen", erwartet Kopf. Auch eine andere Zahl stimmt den AMS-Vorstand zuversichtlich: Von allen im Jahr 2015 bis Mitte 2016 beim AMS registrierten Asylberechtigten und Personen mit subsidiären Schutz, die ihren Aufenthaltsstatus im Jahr 2015 erhielten, konnten 34,9 Prozent ein Beschäftigungsverhältnis aufnehmen, das zumindest 62 Tage gedauert hat, geht aus AMS-Daten bis Ende Dezember 2017 hervor.

Kürzen ist teurer als unterstützen

Die kolportierten Kürzungen der schwarz-blauen Regierung für Integrationsmaßnahmen sieht Kopf skeptisch. "Die Vorgaben zur Kürzung der Mittel für Integration beim AMS halte ich nicht für eine gute Idee", sagte der AMS-Vorstand. "Ich halte es deswegen nicht für eine gute Idee, weil es nicht ökonomisch sinnvoll ist." Wenn den Flüchtlingen niemand helfe am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, ausreichend Deutsch zu lernen und einen Job zu finden, dann würden sie länger in der Mindestsicherung bleiben und auch mehr kosten. "Der Großteil dieser Menschen wird da bleiben, damit ist es billiger sie zu integrieren, als sie nicht zu integrieren", so Kopf.

Zu den bisherigen Erfahrungen gehöre, dass die Arbeitsmarkt-Integration der Frauen unter den Flüchtlingen weitaus schlechter gehe als bei den Männern, sagte der AMS-Vorstand. Für geflüchtete Frauen gebe es einige spezielle Projekte, etwa vom ABZ. Die meisten Projekte seien in Wien, weil hier auch 60 Prozent aller Flüchtlinge sind. "Wenn man die Mittel für Integration so kürzt, wie es derzeit geplant ist, wird es vieles nicht mehr geben", warnt Kopf.

"Integration braucht Zeit. Es ist nicht immer die schnellste Integration die beste, weil sie eben nicht nachhaltig ist", appelliert der AMS-Vorstand. Etwa sollten Flüchtlinge mit längerer Arbeitserfahrung in ihren Heimatländern lieber einen Lehrabschluss nachholen und die Sprache besser lernen, anstatt als Hilfsarbeiter zu arbeiten. Für Erwachsene, die eine Lehre machen, gebe es eine spezielle AMS-Förderung - die jeder, Inländer oder Ausländer, in Anspruch nehmen könne.

Arbeitslosigkeit in Österreich wird sinken

Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird laut der jüngsten AMS-Prognose in den Jahren 2018 und 2019 weiter sinken, 2020 und 2021 dann eher gleich bleiben. Verantwortlich für den Rückgang ist die gute Konjunkturlage, verbunden mit einer geringeren Zuwanderung nach Österreich, erläuterte Kopf im Gespräch mit der APA.

"Die Zuwanderung ist noch immer stark, aber nicht so stark wie sie war." Konkret lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2017 bei 8,5 Prozent (österreichische Berechnung), heuer soll sie auf 7,9 Prozent und im Jahr 2019 auf 7,5 Prozent sinken. Im Jahr 2020 wird eine Stagnation bei 7,5 Prozent erwartet. Das Arbeitskräfteangebot soll nach plus 51.000 im Vorjahr heuer um 43.700 Personen, 2019 um ca. 40.000 und 2020 um ca. 37.600 steigen. Dass das Arbeitskräfteangebot im Jahr 2016 trotz geringerem Wachstum stärker gestiegen sei als 2017, sei auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich, aber eine Folge der geringeren Zuwanderung im Vorjahr. Die AMS-Prognose basiert auf Berechnungen des Wifo (2018) und von Synthesis (2019 und 2020).

Die Zuwanderung sinkt, weil in jenen Ländern, von denen bisher viele Arbeitskräfte nach Österreich kommen, die Arbeitslosigkeit großteils deutlich niedriger ist als in Österreich. Tschechien hat die niedrigste Arbeitslosigkeit in der ganzen EU, auch in Deutschland, Ungarn, Polen und Rumänien liegt die Quote unter der österreichischen von 5,5 Prozent (EU-Methode, Jänner 2018). Die in der Arbeitslosigkeits-Statistik "gute Situation" der Tschechen, Polen und Rumänen habe auch viel damit zu tun, dass sehr viele ihren heimischen Arbeitsmarkt verlassen haben. Deren demografische Situation sei durch diesen "Exodus" der "Jungen und gut Qualifizierten" daher ungleich schlimmer als die österreichische.

Zuwanderer entlasten bei Demografieproblem

In Österreich sei das demografische Problem durch die Zuwanderung "massiv entschärft" worden. Das Arbeitskräfteangebot zwischen 2010 und 2017 sei um fast 400.000 Personen gestiegen, der Großteil davon waren Ausländer. "Das gestiegene Arbeitskräfteangebot hat den österreichischen Wirtschaftsstandort im Hinblick auf seine demografische Dimension massiv gestärkt", erklärt Kopf. Das Qualifikationsniveau von zugewanderten Deutschen und Ungarn sei höher als jenes der Österreicher.

"Da kommen schon die richtigen Leute", meint der AMS-Vorstand in Bezug auf die Zuwanderung aus der EU auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Diese Zuwanderung sei zwar nicht gesteuert, aber "die kommen dann, wenn es Jobs gibt". Die Deutschen kämen oft auch, weil sie in Österreich studieren und dann aus beruflichen und privaten Gründen hierbleiben. Die Arbeitslosenquote der Deutschen und Ungarn in Österreich sei niedriger als die der Inländer.

Regierung kürzt AMS-Budget drastisch

Bei noch von der vorigen rot-schwarzen Regierung fixierten Arbeitsmarkt-Vorhaben will die neue schwarz-blaue Regierung den Sparstift ansetzen und Programme kürzen oder ganz einsparen. Das Förderbudget des AMS wird vom FPÖ-geführten Sozialministerium massiv eingeschränkt. So wird etwa die "sistierte" Aktion 20.000, die 20.000 Langzeitarbeitslosen über 50 Jahren Arbeit im gemeinnützigen Bereich verschaffen sollte, nun zu einer "Aktion 4.000", denn bisher haben 4.000 Personen entweder einen Job oder eine Zusage in dem Programm bekommen. Für diese 4.000 gebe es auch ein Budget, versichert Kopf.

Das AMS-Budget muss aufgrund der Kürzungen neu aufgesetzt werden, viele Verträge mit Schulungsanbietern oder Verpflichtungen sind aber schon vereinbart. "Die Verträge werden auf jeden Fall eingehalten", betont Kopf: "Das Bestellte wird von uns bezahlt". Näheres über die Auswirkungen der Budgetkürzung auf Kurse oder Fördermaßnahmen könne er noch nicht sagen.