Politik | Ausland
03.08.2017

Flucht aus Syrien: Video zeigt Odyssee nach Wien

Die 20-jährige Rania floh aus den Trümmern von Kobane bis nach Österreich. In einem Video dokumentierte sie ihre gefährliche Flucht.

Rania Mustafa Ali geht durch das zerbombte Kobane. Für Europäer ist Syrien ein Kriegsgebiet, für sie ist es ihre Heimat. "Ich will eine Zukunft haben. Ich bin 20 Jahre alt und hatte noch nichts vom Leben", sagt sie in einem aufsehenerregenden Video, das nun von der britischen Zeitung Guardian veröffentlicht wurde. Es zeigt eine Odyssee, die viele Flüchtlinge auf sich genommen haben. Abhängig von betrügerischen Schleppern und von der Migrationspolitik Europas.

Rania flüchtete aus Raqqa, das vom IS überrannt worden ist, in den kurdischen Teil Syriens. Dort lernte sie den norwegischen Regisseur Anders Hammer kennen. Er konnte sie dazu überreden, ihre geplante Flucht nach Europa mit der Kamera zu dokumentieren.

Nicht ohne "Game of Thrones"

"Obwohl das Meer furchteinflößend ist, hier ist es noch furchterregender", sagt Rania in dem zwanzigminütigen Film. Sie zeigt, was sie in ihren kleinen Rucksack packt: Neben Ersatzkleidung ein verschließbarer Kaffeebecher, Nagelclipser, Zahnbürste, Notizbuch, Bücher und Fotos ihrer Mutter. Und: "Ich gehe nicht ohne meine 'Game of Thrones'-DVDs", sagt Rania. Ein Stück Normalität muss sein.

300 Dollar kostet der Transfer in die Türkei. Wenig später sieht man Bilder von der gefährlichen Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland. "Wie üblich ist der Schlepper ein Bastard, 52 Menschen mit Kindern auf einem 15 Personen-Schlauchboot", sagt Ayman. Er begleitet Rania auf ihrer Flucht und bedient hin und wieder die Kamera.

Tränengas vor Mazedonien

Von Lesbos aus über Athen erreichen Rania und Ayman schließlich die mazedonische Grenze. Die Bilder aus dem überfüllten Flüchtlingslager Idomeni werden in Erinnerung gerufen.

Nach einem ersten Versuch, die grüne Grenze zu passieren, werden die Flüchtlinge von der Polizei wieder zurück nach Griechenland geschickt.

Als sie sich später dem massiven Grenzzaun nähern wollen, werden sie von Mazedonien aus mit Tränengasgranaten beschossen. Es ist wohl die Erinnerung an den Krieg in ihrer Heimat, der Rania zusätzlich zum Reizstoff zu schaffen macht.

Teurer Flug nach Wien

Die Flucht nach Wien gelingt schließlich im Mai 2016 auf dem Luftweg. 7.000 Dollar müssen Rania und Ayman auftreiben, um gefälschte bulgarische Pässe zu bekommen. Als Touristen getarnt, gelingt es ihnen, ins Flugzeug zu kommen.

Im Flieger nach Wien endet die Dokumentation mit dem Hinweis, dass Rania und Ayman in Österreich als Flüchtlinge registriert wurden und um Asyl angesucht haben.