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"Das wird letztlich seiner Präsidentschaft ein Ende bereiten", sagt Autor Michael Wolff im Interview mit der BBC über US-Präsident Donald Trump und sein Enthüllungsbuch "Fire and Fury".

"Die Geschichte, die ich erzähle, scheint diese Präsidentschaft auf eine Weise darzustellen, die sagt, dass er nicht fähig ist, seinen Job zu machen - der Kaiser hat keine Kleider", sagt Wolff. Diese Einsicht werde sich letztlich verfestigen und Trump das Präsidentenamt kosten.

Das am Freitag vorzeitig erschienene Buch beschreibt auf rund 220 Seiten Vorgänge aus dem engsten Umfeld des US-Präsidenten und zeichnet ein erschreckend chaotisches Bild von dessen Amtsführung. Zumindest die nächsten Wochen wird "Fire and Fury" die Öffentlichkeit beschäftigen und womöglich bis zu den wichtigen Kongresswahlen im November Nachhall finden.

Trump selbst und einige seiner Mitstreiter taten das Buch als "Werk der Fiktion" und "voller Lügen" ab. Versuche, die Veröffentlichung gerichtlich zu unterbinden, weisen aber eher in die Richtung, dass Trump die Inhalte durchaus ernst nimmt.

Was sind die wichtigsten Punkte im Buch?

  • Niemand in der Trump-Kampagne glaubte an einen Sieg. Viele im Team waren daher nach dem Wahlsieg erschrocken. Melania Trump soll in der Wahlnacht sogar in Tränen aufgelöst gewesen sein.
  • Ivanka Trump und ihre Ehemann Jared Kushner, im Buch als "Jarvanka" bezeichnet, sollen einen Plan entwickelt haben, Ivanka zur ersten US-Präsidentin zu machen.
  • Trumps Stab wolle mit seiner Russland-Politik um Putins Anerkennung buhlen. Der russische Präsident habe nämlich bei einer Misswahl 2013 in Moskau ein Treffen mit dem damaligen Immobilien-Tycoon abgelehnt.
  • Trumps ehemals zentraler Berater Steve Bannon sagt, dessen ältester Sohn Donald Trump Jr. habe sich mit einem Treffen im Juni 2016 mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja "verräterisch" und "unpatriotisch" verhalten.
  • Trump könne nicht einmal eine Bilanz lesen, berichten ehemalige Geschäftspartner. Wolff zeichnet den Präsidenten als "funktionalen Halbanalphabeten", dessen Wortschatz sich über die Jahre signifikant verringert habe.
  • Trump zeige Anflüge von Verfolgungswahn. Die Bediensteten im Weißen Haus dürfen weder seine Bettdecke abziehen noch seine Zahnbürste berühren, weil er Angst vor Giftanschlägen habe. Die Angst vor Giftmischern erkläre auch die Vorliebe des Präsidenten für Fast Food.

Wenn Wolff schreibt, dass Trump um 6:30 Uhr morgens vor drei Fernsehern sitzt und einen Cheeseburger vertilgt, verfängt dies sofort. Es passt zu den jähzornigen, dummdreisten und chaotischen Botschaften, die Trump Tag für Tag via Twitter in die Öffentlichkeit bläst. Auch die Passage, in der Ivanka Trump die Frisur ihres Vaters beschreibt, ist ein gefundenes Fressen für hämische Zeitgenossen.

Wie ernst man alle Absurditäten, die Wolff aus rund 200 Interviews mit Leuten aus dem Umfeld von "The Donald" gewonnen haben will, nehmen kann, ist eine andere Frage.

Als Journalist hat Wolff, der sich davor unter anderem mit dem Medien-Mogul Rupert Murdoch beschäftigte, keinen tadellosen Ruf. Politico beschreibt ihn als eitlen Geck, rücksichtslos im Umgang mit Quellen. Er sei jemand, schreibt die New York Times, der zwar immer alles über sein Thema wisse, aber in der Umsetzung schludrig sei. So kritisieren Reporter der großen US-Zeitungen, Wolff habe Dinge geschrieben, die nicht für die Öffentlichkeit freigegeben wurden.

"Nie dagewesene Transparenz"

Wolff profitierte davon, dass Trump-Leute so viel durchsickern ließen wie noch kein Beraterstab eines Präsidenten zuvor. Das sorge im Weißen Haus immerhin für eine "nie dagewesene Transparenz", ätzt Wolff im Buch.

Es zeigt aber auch eine Schwäche von "Fire and Fury": Vieles davon ist bereits berichtet und breitgetreten worden, wirklich neu an Wolffs Buch ist die Dichte und Eloquenz, mit der es hier zusammengetragen und erzählt wird.

Mit Steve Bannon als wichtigstem Kronzeugen, zeichnet das Buch die Zustände in der Trump-Regierung, als noch das Dreieck Bannon – Reince Preibus - Jared Kushner das Sagen hatte. Davon ist allerdings nur noch Kushner übriggeblieben und das Wirken des neuen Stabschefs John F. Kelly wird im Buch noch nicht eingepreist. Zudem stützen die Ausflüge inTrumps Schürzenjägertumnicht gerade Wolffs Glaubwürdigkeit als politischer Autor.

An den Kernaussagen seiner Berichte aus dem Trump-Universum wird dennoch kaum zu zweifeln sein. Das atemlose Staunen, das die Welt beim Blick aufs Zentrum der wichtigsten westlichen Demokratie befängt, hat "Fire and Fury" teilweise beklemmend auf den Punkt gebracht.

Für wen Trump "dumm wie Scheiß" ist

Einige der pikanten Passagen aus dem Trump-Buch "Fire and Fury" .