Politik | Ausland
24.03.2017

Fillon: Hollande lässt Informationen durchsickern

Der in Affären verwickelte Konservative wirft dem amtierenden Präsidenten vor, unter anderem seine Präsidentschaftskandidatur zu untergraben.

Der politisch angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon hat Staatschef Francois Hollande vorgeworfen, gezielt vertrauliche Informationen durchsickern zu lassen und damit unter anderem auch seine Kandidatur zu untergraben. Hollande stehe an der Spitze eines "schwarzen Kabinetts", das den Medien gezielt Informationen zuspiele, sagte Fillon am Donnerstag im Sender France 2.

Enthüllungsbuch

Das Büro Hollandes widersprach den Darstellungen umgehend. Fillon bezog sich auf Druckfahnen eines Buches zweier Enthüllungsjournalisten, in die er vor dem Druck Einblick erhalten habe. Darin werde beschrieben, dass Hollande sich sämtliche ihm interessant erscheinenden Protokolle richterlicher Anhörungen in sein Büro schicken lasse. "Das ist ein vollkommener Gesetzesbruch", sagte Fillon. Er sprach von einem "Staatsskandal".

Das dieser Tage erscheinende Buch sei von Journalisten der Zeitung Le Canard Enchaine geschrieben worden. Diese Reporter seien "weit davon entfernt, meine Freunde zu sein", sagte Fillon. Die Zeitung hatte die Enthüllungen um die Affäre um mögliche Scheinbeschäftigungen von Fillons Frau und zwei seiner Kinder ins Rollen gebracht. Seitdem reißen die Enthüllungen über den Präsidentschaftskandidaten nicht ab. In den Umfragen ist Fillon inzwischen deutlich abgeschlagen.

Fillon sagte im TV-Interview, in eine Verschwörung gegen ihn verstrickt zu sein. Hollande persönlich habe zugestimmt, dass den Medien Informationen über seine Finanzangelegenheiten zugespielt werden. "Es gibt heutzutage Zeitungen, die 48 Stunden nach der Durchsuchung beispielsweise meines Büros in der Nationalversammlung beschlagnahmte Unterlagen zugespielt bekommen", sagte Fillon. "Wer gibt ihnen diese Dokumente? Die Regierung." Auf die Frage, ob dies mit Zustimmung von Politikern oder der Justiz geschehe, erklärte er: "Ich gehe viel weiter, ich mache den Präsidenten der Republik dafür verantwortlich."

Seit zwei Monaten überschütte ihn die Presse mit "Schmutz", sagte der konservative Politiker. Er müsse oft an den früheren sozialistischen Premier Pierre Beregovoy unter dem ehemaligen Präsidenten Francois Mitterrand denken, der in eine Affäre um einen Wohnungskredit verwickelt war und 1993 Suizid beging. "Ich verstehe, warum man dazu gebracht werden kann, bis zum Äußersten zu gehen", sagte Fillon.

Einen Fehler räumte Fillon bei den teuren Anzügen ein, die ihm ein befreundeter Anwalt geschenkt hatte und die ihm ebenfalls Kritik eingebracht hatten. Er habe falsch entschieden, sagte Fillon: "Ich habe sie zurückgegeben."

Hollande verurteilt "unwahre Vorwürfe"

Hollandes Büro erklärte, der Staatschef verurteile "mit größtem Nachdruck die unwahren Vorwürfe von Francois Fillon". Von Anbeginn der Präsidentschaft habe die "Exekutive niemals in ein juristisches Verfahren eingegriffen und immer streng die Unabhängigkeit des Gerichtswesens respektiert". Mit Blick auf die Affäre um Fillon hieß es in der Erklärung, der Staatschef habe seine Informationen dazu ausschließlich aus den Medien selbst bezogen. "Der einzige Skandal betrifft nicht den Staat, sondern eine Person, die sich vor der Justiz verantworten müssen wird."

Unterdessen widersprach einer der Autoren des Buchs Fillons Aussagen. "Das haben wir nie geschrieben", sagte Didier Hassoux dem Sender Franceinfo. Der Einzige, der an die Existenz eines schwarzen Kabinetts im Elysee glaube, sei Fillon. Das Buch werde instrumentalisiert.

Die Franzosen wählen am 23. April und 7. Mai in zwei Wahlrunden ihren nächsten Präsidenten. Hollande tritt nicht wieder an.