Politik | Ausland
02.07.2017

Faustkampf gegen CNN: Trumps Twitter-Wahn soll "modern präsidial" sein

Eine Moderatorin als "verrückt" zu bezeichnen und ein Video online stellen, in dem er selbst handgreiflich wird, ist gar nicht präsidial? Schon, findet Donald Trump. Es sei eben die moderne Interpretation eines alten Amtsverständnisses. Wohin soll das noch führen?

Vergangene Woche, Donald Trump hatte gerade wieder einmal eine Journalistin beleidigt, war es dann sogar seiner eigenen Partei zu viel. "Das war in meinen Augen ganz offensichtlich kein angemessener Kommentar", meinte Paul Ryan, der republikanische Sprecher im Repräsentantenhaus bei einer Pressekonferenz zur Gesundheitsreform. "Wir versuchen unsere Debatten zivilisiert zu führen. Und so etwas hilft uns dabei nicht."

Donald Trump reagierte darauf auf seine Art. "Der verrückte Joe Scarborough und die strohdumme Mika sind keine schlechten Leute, aber ihre Sendung mit den niedrigen Einschaltquoten wird von ihren NBC-Bossen dominiert. Zu schade!", schrieb der 45. Präsident der Vereinigten Staaten am Samstag auf Twitter. Was vielleicht als kleine Relativierung gedacht war - immerhin sind die beiden Moderatoren, nachdem Trump sie zuvor bereits als "Psycho-Joe" und "verrückte Mia" bezeichnet hatte, nunmehr "keine schlechten Leute" mehr - artete also in die nächste Beschimpfung aus.

"Modern präsidial"

An eine Entschuldigung dachte Trump auch nach der Kritik von Paul Ryan ohnehin nicht. Wieso auch? Sein Stil sei zwar nicht "präsidial", wie seine Kritiker monieren - dafür eben "modern präsidial", meinte Trump. Die "betrügerischen Fake-News-Medien" arbeiteten hart daran, die Republikaner und andere davon zu überzeugen, dass er keine sozialen Medien nutzen solle, schrieb Trump in einem weiteren Tweet. Er habe die Präsidentschaftswahl aber "mit Interviews, Reden und den sozialen Medien gewonnen". Dabei habe er auch gegen die "Fake-News-Medien" gewinnen müssen. "Wir werden weiter gewinnen!", fügte der Präsident hinzu.

Der rüde Umgangston, gespickt mit Beleidigungen gegen einzelne Journalisten und das Mediensystem im Allgemeinen, sind also offenbar lediglich Teil einer ausgeklügelten Online-Strategie. Und weil Beleidigungen zu Twitter gehören wie Smileys zu Whatsapp, sind diese Ausdruck einer neuen, modernen Art der Kommunikation. Eine bestechende Logik, die am Sonntag ihren vorläufigen Höhepunkt in diesem Tweet fand:

CNN reagiert am Sonntag umgehend. "Es ist ein trauriger Tag, wenn der Präsident der USA zu Gewalt gegen Reporter ermutigt", hieß es auf Twitter.

Nach Angaben des Washington Examiner stammt das Video aus dem Jahr 2007, als sich Trump bei der Veranstaltung Wrestlemania 23 einem Match unter dem Motto "Battle of theBillionaires" (Schlacht der Milliardäre) stellte. Dabei sei es am Rande des Ringes zu der - scherzhaften - Faustattacke auf McMahon gekommen. Es sei unklar, ob jemand im Weißen Haus das Video produziert habe oder ob es ein Trump-Fan gewesen sei. Video-Montagen wie diese sind in den sozialen Medien durchaus beliebt. Und dennoch: Dass auf die verbale Eskalation jetzt die körperliche folgte, überrascht angesichts der vergangenen Wochen nicht.

Trump liefert sich seit Monaten Wortgefechte mit CNN. Vor der Verbreitung des Videos hatte er getwittert, er denke daran, den von ihm bisher verwendeten Namen "#FakeNewsCNN in #FraudNewsCNN umzuwandeln". Fraud heißt übersetzt Betrug. Trump bezog sich anscheinend darauf, dass CNN kürzlich einen Bericht auf seiner Webseite zurückgezogen und sich dafür entschuldigt hatte. In dem Text hatte es geheißen, ein Senatsausschuss untersuche Verbindungen zwischen einer russischen Bank und einem engen Trump-Verbündeten.

Der Präsident wertete den Rückzieher als Beweis dafür, dass CNN wie auch andere Medien erfundene Nachrichten verbreite, um ihm zu schaden. Seit Tagen reitet er immer wieder auf dem Thema herum.