Politik | Ausland 23.02.2018

Extremismus in Bosnien geht zurück: "Wir bleiben wachsam"

Außenministerin Karin Kneissl und Großmufti Husein Kavadzovic © Bild: APA/BMEIA/ANGELIKA LAUBER

Außenministerin Kneissl traf in Sarajewo mit Großmufti Kavadzovic zusammen.

Terrordörfer und salafistische Parallelgesellschaften. Das Schreckgespenst gibt es in Bosnien immer noch.

Medien und Geheimdienste betonen die Gefahr, dass Bosnien eine Brutstätte des Islamismus sei. Unbestätigte Behauptungen auch von österreichischen Politikern, dass in Bosnien Frauen dafür bezahlt würden, sich zu verschleiern, tragen zu diesem Bild bei.

Südosteuropa-Experte Florian Bieber spricht von einer "Übertreibung der Radikalisierungstendenzen". Die Existenz einiger radikaler Gruppen sei unbestritten. Doch der Mainstream der Muslime sei eindeutig moderat. Ein Abdriften in die Radikalität junger Bosnier sei vor allem ein sozioökonomisches Problem.

"Wir bleiben wachsam"

"Wir nehmen Radikalisierung von einigen Muslimen sehr ernst", heißt es aus dem Büro des bosnischen Großmuftis Husein Kavadzovic.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IG) versuchte im Rahmen einer Strategie gegen den Extremismus, Gruppen anderer Islam-Strömungen unter ihr Dach zu bringen – und so zu kontrollieren.

Nur einige wenige blieben draußen und somit unter strenger Beobachtung des Innenministeriums. Zuletzt konnte man erkennen, dass radikale oder salafistische Gruppen mehr Schwierigkeiten hätten, neue Mitglieder anzuwerben. "Wir bleiben aber wachsam", sagt der Großmufti.

Eine Islamisierung in Bosnien und Herzegowina, wo rund 50 Prozent der Einwohner Muslime sind, soll sich auch in zunehmenden Investitionen aus den Golfstaaten widerspiegeln.

"Die Investitionen aus den Golfstaaten sind eben sehr sichtbar, allein weil sie anders aussehen. Aber sie erreichen nicht annähernd das Level von europäischen Investitionen", sagt Historiker Amir Duranovic. "Wir befinden uns in einem Wahljahr. Da werden solche Themen auch hochgekocht."

Finanzierungen für Moscheen jedenfalls werden von der IG genau kontrolliert, die Glaubensgemeinschaft sucht deren Imame selbst aus. Einflüsse, die nicht zum bosnischen Islam passen, haben kaum eine Chance.

Auch Außenministerin Karin Kneissl sind bei ihrem Besuch in Sarajewo arabische Einflüsse aufgefallen.

Eine Einschätzung darüber traute sie sich aber noch nicht zu. "Aus den Golfstaaten kommen vor allem Touristen auf Sommerfrische. In Bosnien – aber auch etwa in Serbien – kann man etwas erkennen, was ich eher als ,Dubaiisierung‘ bezeichnen würde."

( kurier.at ) Erstellt am 23.02.2018