Politik | Ausland
09.08.2017

Erste Unruhen nach Wahl in Kenia

In einer Oppositionshochburg kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Erste Abstimmungsergebnisse werden vom Odinga-Lager angezweifelt.

Nach den Wahlen in Kenia ist es am Mittwoch in einer Oppositionshochburg zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Wie AFP-Reporter berichteten, setzte die Polizei in der Stadt Kisumu im Westen des Landes Tränengas gegen Hunderte Demonstranten ein. Nach dem Gaseinsatz zerstreute sich die Menge.

Im Stadtbezirk Kondele brannten Barrikaden. Das Viertel war bereits 2007 nach einem umstrittenen Wahlausgang Brennpunkt der gewaltsamen Proteste. Damals wurden bei mehrwöchigen Unruhen landesweit mehr als 1.100 Menschen getötet.

Nach ersten Ergebnissen liegt Amtsinhaber Uhuru Kenyatta deutlich vor seinem Herausforderer Raila Odinga.

"Wenn Raila Odinga nicht Präsident ist, können wir keinen Frieden haben", sagte einer der Demonstranten in Kisumu. Die Wahlen am Dienstag waren ohne größere Zwischenfälle verlaufen, doch nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen hatte sich die Lage verschärft.

Odinga spricht von Betrug, ruft aber zur Ruhe auf

Dennoch rief Odinga seine Anhänger zur Ruhe auf. Zu diesen gehören Luo, die zweitgrößte Volksgruppe im Land. Sie fühlen sich schon lange von Kenyattas Politik vernachlässigt, der aus ihrer Sicht seine Kikuyu-Gemeinde bevorzuge. Kikuyu sind die größte Volksgruppe im Land – und sie waren es auch, die den Kampf um die Unabhängigkeit des Landes in den 1960er-Jahren vorantrieben. Und es war ein Kikuyu, nämlich der Vaters des heutigen Präsidenten, der zum ersten Staatschef wurde. Unter seiner Amtszeit besetzte er Regierungsposten mit Kikuyu – das schürte die ethnischen Konflikte, die bis heute andauern. Gewählt wird daher nach Herkunft und nicht nach Wahlprogramm. Ebenso am Dienstag: Die Kikuyu im Land gaben ihre Stimme Kenyatta, die Luo wählten Odinga.

Nach Auszählung von rund 85 Prozent der Stimmen führt Amtsinhaber Uhuru Kenyatta mit 55 Prozent. Odinga komme auf 44 Prozent, teilte die Wahlkommission mit. Odinga erkennt die Auszählung nicht an. Hacker seien in der Nacht in das Computersystem der Wahlkommission eingebrochen, was zu einem "massiven und umfassenden" Wahlbetrug geführt habe.

Schon vor der Abstimmung am Dienstag war befürchtet worden, dass es wie bei der Wahl vor zehn Jahren zu gewaltsamen Ausschreitungen in dem ostafrikanischen Land kommen könnte. Odinga erhob bereits 2007 nach seiner Niederlage den Vorwurf der Wahlfälschung.