Politik | Ausland
15.03.2018

Erdogan weist Forderung nach Ende von Afrin-Offensive zurück

Das "EU-Parlament kann uns nichts sagen", meinte der türkische Staatschef.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat Forderungen des EU-Parlaments nach einem Ende der Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien zurückgewiesen. "Es gibt nichts, was das Europaparlament der Türkei sagen könnte", sagte Erdogan am Donnerstag bei einer Preisverleihung in Ankara.

"Für uns gehen diese Worte zum einen Ohr herein und zum anderen wieder heraus." Das EU-Parlament hatte in einer Resolution ein Ende der Militäroffensive in Afrin gefordert. Erdogan sagte weiter, "solange unsere Arbeit nicht erledigt ist, werden wir dort nicht weggehen". Der türkische Europaminister Ömer Celik nannte die Aufforderung des EU-Parlaments "visionslos und dumm".

30.000 Zivilisten auf der Flucht

Aus der überwiegend kurdischen Stadt Afrin in Nordsyrien flüchteten nach Angaben von Aktivisten binnen eines Tages mehr als 30.000 Zivilisten vor den türkischen Angriffen. Die Menschen seien seit Mittwoch vor den Bombardierungen in Richtung der Orte Nubul und Zahra geflüchtet, die in einem von syrischen Regierungseinheiten kontrollierten Gebiet liegen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mitteilte.

Das türkische Militär hatte die Offensive gegen die YPG am 20. Jänner begonnen. Inzwischen ist die Stadt Afrin von türkischem Militär und verbündeten Rebellen eingekesselt. Aus Kreisen der YPG hieß es, Randbezirke von Afrin seien auch am Donnerstag heftig von der türkischen Luftwaffe bombardiert worden. Dabei seien mindestens drei Menschen gestorben, darunter Kinder.

Krankenhäuser voll

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in den letzten 24 Stunden 60 Zivilisten durch türkischen Beschuss verletzt oder getötet. Aus kurdischen Quellen hieß es, 56 Zivilisten seien verletzt und 10 getötet worden.

Der Chef des Krankenhauses in Afrin, Joan Schitika, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Unsere Mitarbeiter machen, was sie können, aber unsere Räume sind voll mit weinenden Verletzten und Menschen voller Schmerzen, weil medizinischer Nachschub fehlt."

Die türkischen Streitkräfte dagegen teilten am Donnerstag mit, im Zuge der Bodenoffensive und durch Luftschläge seien 80 gegnerische Kämpfer "außer Gefecht" gesetzt worden. Das kann getötet, gefangen genommen oder verletzt bedeuten.