Politik | Ausland 14.03.2014

Erdogan nennt toten Jugendlichen "Terrorist"

Elvan ist zum Symbol der brutalen Repression der Proteste gegen die islamisch-koservative Regierung vergangenen Sommer geworden. © Bild: APA/EPA/YANNIS KOLESIDIS

Zwei Millionen Menschen demonstrieren seit dem Tod Berkin Elvans. Der Premier gießt weiter Öl ins Feuer.

Drei Tage nach dem Tod eines 15-Jährigen, der infolge von Polizeigewalt neun Monate im Koma lag, sagt Recep Tayyip Erdogan am Freitag dieser sei ein "Terrorist" gewesen. Er hätte sein Gesicht mit einem Schal bedeckt, als er auf der Straße unterwegs gewesen sei, betont Erdogan im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung.

Anstatt sein Mitgefühl auszudrücken, stößt er die Familie des Buben und unzählige trauernde Menschen damit vor den Kopf und gießt weiter Öl ins Feuer: Seit Mittwoch sind bereits an die zwei Millionen Menschen auf die Straßen gegangen. Für sie ist Elvan zum Symbol der brutalen Repression der Proteste gegen die islamisch-koservative Regierung vergangenen Sommer geworden. Der Jugendliche wurde vergangenen Sommer von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen und fiel ins Koma. Sein Tod am Dienstag führte erneut zu Massendemonstrationen in der ganzen Türkei.

417 Festnahmen

Insgesamt habe es Proteste in 53 Städten gegeben, darunter Istanbul, Ankara und Izmir, berichtete Hürriyet Daily News am Freitag. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt, darunter 19 Polizisten. 417 Demonstranten wurden festgenommen. Zudem starb ein Polizist an einem Herzinfarkt nach dem Einatmen von Tränengas, ein junger Mann wurde bei einer Prügelei unter Demonstranten getötet. Die jüngste Protestwelle verdeutlicht die anhaltende Wut der Bevölkerung auf die Regierung Erdogans, die sich Ende März wichtigen Kommunalwahlen stellen muss.

Erstellt am 14.03.2014