Politik | Ausland
25.02.2015

Erdogan beleidigt: Ex-Miss Türkei droht Haft

Dem Model Merve Büyüksarac drohen wegen eines Gedichts bis zu zwei Jahre Haft.

Wegen Verunglimpfung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan drohen einer früheren türkischen Schönheitskönigin bis zu zwei Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft werfe Merve Büyüksarac vor, im vergangenen August ein beleidigendes Gedicht im Fotodienst Instagram veröffentlicht zu haben, berichtete die Zeitung Hürriyet.

In dem im Internet zugänglichen Text mit dem Titel "Ustanin Siiri" (Das Gedicht des Meisters) geht es um Bestechung. Im Dezember 2013 war gegen Vertraute des damaligen Ministerpräsidenten Erdogan wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt worden. Unter Verdacht geriet auch Erdogans Sohn Bilal Erdogan, der in dem Gedicht namentlich erwähnt wird.

Büyüksarac sagte nach Angaben von Hürriyet, sie habe den Text "lustig" gefunden. Das Gedicht wurde inzwischen aus dem Instagram-Profil des Models gelöscht. Büyüksarac war im Jahr 2006 zur Miss Turkey gewählt worden. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Ermittlungen wegen Beleidigung Erdogans eingeleitet.

Und auch in anderen pikanten Angelegenheiten wird ermittelt und verhaftet: Erneut sind dutzende Verdächtige unter dem Vorwurf regierungsfeindlicher Aktivitäten festgenommen worden. Ihnen werde vorgeworfen, in illegale Abhöraktionen gegen Erdogan verwickelt gewesen zu sein, berichteten türkische Medien am Mittwoch. Es gibt Haftbefehle für 54 Verdächtige, von ihnen seien 40 bereits festgenommen worden. Razzien gab es den Berichten zufolge im Morgengrauen außer in der Hauptstadt in 19 weiteren Städten, darunter im mehrheitlich kurdischen Diyarbakir im Südosten des Landes.

Seit Juli 2014 wurden im Zusammenhang mit der Affäre bereits mehrere dutzend Polizisten festgenommen. Einige ranghohe Beamte wurden unter anderem wegen Spionage und Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Den Festgenommenen wird zur Last gelegt, als Anhänger des islamistischen Predigers Fethullah Gülen parallele Strukturen im Staatsapparat gebildet und einen Sturz der Regierung angestrebt zu haben.

Erdogan hatte seinem ehemaligen Verbündeten und heutigen Erzfeind Gülen den Krieg erklärt, nachdem ihn im Dezember 2013 ein Korruptionsskandal in Bedrängnis brachte. Dabei geriet auch Erdogans Familie ins Visier der Ermittler. Der starke Mann der Türkei bezichtigte der seit Jahren in den USA lebenden Gülen, den Skandal über seine zahlreichen Anhänger in Polizei und Justiz angezettelt zu haben, um die Regierung zu stürzen.