Politik | Ausland
13.12.2017

"Ein wissenschaftlicher Türöffner" für Chancen in Lateinamerika

TU Graz leitet Schulungsprogramme für Eisenbahnwesen an der Uni in Cochabamba, Präsident Morales reiste deshalb eigens an.

Evo Morales brachte alles und alle durcheinander, weil er zwei Stunden früher an der Universität eintraf als geplant: Ein Kniff seiner Sicherheitsleute, wie es hieß.

Alt-Bundespräsident Heinz Fischer fiel so allerdings um das Frühstück mit dem bolivianischen Gast um. Ein Mitarbeiter des Bürgermeisterbüros schleppte das einige Kilogramm schwere "Goldene Buch" der Stadt Graz zur Technischen Uni, weil der Staatspräsident die Unterzeichnung im Rathaus platzen ließ. Und an der Universität selbst musste ein Raum noch rasch behübscht werden: Die Aula, für die kleine Zeremonie mit Morales vorgesehen, war mit einer Sponsion belegt.

Wissenstransfer

Mittendrin in der Hektik am Mittwoch wirkte nur einer so richtig entspannt - Morales. Fröhlich lachend applaudierte er, als sein Bautenminister Milton Claros Hinojosa und Rektor Harald Kainz eine Kooperationsvereinbarung formell unterzeichneten: TU Graz und Universidad Mayor de San Simon in Cochabamba arbeiten im Bereich rund um Eisenbahnbau und -technik künftig zusammen. Die TU wird nicht nur Studierende in Sommerkursen ausbilden, sondern auch aktive Bahn-Ingenieure.

Es ist die erste Zusammenarbeit der TU mit Südamerika in diesem Stil, bisher gab es nur Studierenden-Austauschprogramme. "Unsere Intention ist es, international sichtbarer zu werden", begründete Rektor Kainz. "Wenn wir ein Vorzeigeprojekt in Südamerika haben, dann ist unser Standing dort langfristig gesichert." Er betrachtet das auf mehrere Jahre angelegte Projekt auch als "wissenschaftlichen Türöffner" für österreichische Firmen: "Die Investitionen dort sprengen Dimensionen, die wir in Europa nicht kennen."

Tatsächlich ist Boliviens Wirtschaft die am stärksten wachsende Lateinamerikas, wie Morales stolz erwähnte. Das macht Geld für Investitionen frei. So sind ehrgeizige Bauvorhaben im Bahnbereich geplant, eine S-Bahn in Cochabamba etwa oder der Lückenschluss der 3750 Kilometer langen Bahnstrecke von Brasilien bis Peru.

Sogwirkung

Doch gerade in Bolivien fehlen wichtige Abschnitte. Um den Korridor errichten zu können, werde es Spezialisten brauchen, wie sie Österreich besitze, betonte Morales. "Im Sog unserer Kooperation können sich da österreichische Betriebe etablieren", hoffte TU-Rektor Kainz. Einige Firmen haben bereits Fuß gefasst, Doppelmayr aus Vorarlberg etwa: 15 Kilometer Seilbahn betreibt der Seilbahn-Bauer bereits in La Paz, bis 2019 sollen es 30 sein.

Punkt 10 Uhr verließ Morales die TU wieder, eine Stunde, bevor er sie laut Plan überhaupt betreten hätte sollen. Besonders herzlich verabschiedeten sich Alt-Bundespräsident Fischer und Morales: "Alles Gute und Gesundheit", wünschte Fischer, und Morales strahlte. Die beiden kennen einander seit Jahren. 2013 saß Morales 13 Stunden in Wien fest, weil die USA Whistleblower Ed Snowden in dessen Flugzeug vermuteten, Fischer vermittelte.