Ehrenhauser schläft heute in Linz

EU-WAHL: PK WAHLALLIANZ "EUROPA ANDERS" "WEITERER
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER Ehrenhauser plant nun eine Bundesländer-Tour 

Der EU-Kandidat wechselt nun die Schauplätze: "Kein Mensch ist vorbeigekommen".

Mit dem Schlafsack durch die Bundesländer: Das, was so mancher Maturant in den Sommerferien plant, ist für Martin Ehrenhauser Wahlkampf. Der Kandidat fürs Europäische Parlament will bis zum Wahltag am 25. Mai keine einzige Nacht mehr zu Hause schlafen. Das verkündete er bei einer Pressekonferenz anlässlich des Abschieds von Europa anders vom Ballhausplatz. Nächtigen wird der Spitzenkandidat künftig an zentralen Orten in den Bundesländern. Erster Stopp ist am Mittwochnachmittag Linz. Für Ehrenhauser, der seit Sonntag vergangener Woche neben Bundeskanzleramt und Hofburg campiert hatte, zahlt sich dieser Protestort nicht mehr aus: "Kein Mensch ist vorbeigekommen", beklagte der Europa anders-Listenerste und meinte damit die Regierung.

Selbst am Mittwoch beim Ministerrat bekam Ehrenhauser die Regierungsmitglieder nur vorbeifahrend in deren Dienstautos zu sehen. Damit ergab sich für ihn auch keine Gelegenheit, Ministern und Staatssekretärinnen die vorbereiteten Formulare für die Unterstützung seines Hypo-Haftungsboykott-Volksbegehrens in die Hand zu drücken.

Straßenluft

Selbst in der Hand hatte Ehrenhauser ein Schild im Design des Kanzleramts, mit dem er das Regierungsgebäude umtaufte. "Europäischer Bankenverband" sollte das Gebäude künftig heißen, ätzte Ehrenhauser und hielt die Tafel direkt unter das eigentliche Kanzleramtsschild. Wähler sucht Ehrenhauser nunmehr in den Ländern. Sein Heimatbundesland Oberösterreich wird vom neo-prominenten Straßenschläfer als erstes beehrt. Direkt vom Kanzleramt aus machte sich Ehrenhauser mit einem klapprigen Bus auf in Richtung Linz, wo er sich beim Neptunbrunnen niederlassen will.

Sonntag geht es dann zurück nach Wien, wo vor dem Parlament genächtigt wird, um am Montag vor dem Hohen Haus den offiziellen Wahlkampf-Auftakt zu inszenieren. Im Anschluss führt die Europa anders-Reise nach Graz. Sämtliche weitere Landeshauptstädte folgen bis zum Wahltag. Schaden wird ihm der Freiluft-Schlaf nicht, meint Ehrenhauser. Es tue der Politik gut, wieder Straßenluft zu schnuppern.

Die österreichischen Spitzenkandidaten:

Am Sonntag wird gewählt  - die folgenden Persönlichkeiten stehen am Wahlzettel. Die ÖVP-Liste wird bekanntermaßen vom alten EU-Hasen Othmar Karas angeführt. Wahlziel ist Platz eins. Nach vielen innerparteilichen Differenzen.... ...schienen Partei und Kandidat aber nicht gemeinsam auf den Wahlplakaten auf. Die ÖVP hatte beim letzten EU-Wahlgang noch auf Ernst Strasser gesetzt. Auf Platz zwei kandidiert die Kärntnerin Elisabeth Köstinger (Bauernbund). Dahinter kommt der Oberösterreicher Paul Rübig (Wirtschaftsbund).
  Neu ins Europaparlament einziehen könnte die Salzburgerin Claudia Schmidt (ÖAAB) auf Listenplatz vier. Um seine Wiederwahl zittern muss Seniorenbund-Kandidat Heinz Becker auf Platz fünf ... ... und kaum Chancen werden der Steirerin Beatrix Karl auf Listenplatz sechs eingeräumt.
  Hubert Pirker und Richard Seeber hören auf. Im Bild (v.l.n.r.): Heinz Becker, Richard Seeber, Hubert Pirker, Paul Rubig, Othmar Karas und Elisabeth Köstinger. Einen Coup wollte die SPÖ mit ihrem neuen EU-Frontmann, dem ehemaligen ORF-Moderator Eugen Freund machen. Zumindest der Wahlkampfstart ging durch Freunds unbedachte Aussagen aber eher nach hinten los. Derzeit verfügt die SPÖ über fünf Mandate im Europaparlament. Im Bild: Eugen Freund, Karin Kadenbach, Evelyn Regner und Jörg Leichtfried. Evelyn Regner ist auf Platz zwei der Liste, ...
  ...dahinter Jörg Leichtfried. Hannes Swoboda tritt nicht mehr an. Nachdem sich Andreas Mölzer selbst ins Abseits geschossen hat, tritt für die FPÖ Harald Vilimsky an. Vilimsky ist seit 2006 FP-Nationalratsabgeordneter. Der Strache-Getreue begann seine Karriere als Presserefernt. 2004 bis 2006 war er Wiener Landesparteisekretär. Nach der Abspaltung des BZÖ nahm ihn Heinz-Christian Strache 2006 als Generalsekretär in die Bundespartei mit. Aufsehen erregte er 2008, als er mit einem Selbstversuch für die Einführung der umstrittenen Taser-Waffe warb (Video dazu hier). Die alte Hasin der europäisch-österreichischen Grünen heißt Ulrike Lunacek. Seit 2009 im EU-Parlament, zum zweiten Mal Spitzenkandidatin. Listenzweiter ist Michel Reimon aus dem Burgenland. Eva Lichtenberger (links) kandidiert nach zehn Jahren nicht mehr.
  Nach einer Vorwahl bei den NEOS geht Angelika Mlinar für die Pinken ins Rennen.
Mlinar war die letzte Parteichefin des Liberalen Forums, mit dem die NEOS inzwischen fusionierten. Stefan Windberger ist Listenzweiter. EU-Abgeordneter Ewald Stadler (Ex-BZÖ) tritt für die neue rechtskonservative Partei REKOS an. Stadler - seit 2011 EU-Abgeordneter - war zuvor bei der FPÖ, dann beim BZÖ. Auch Martin Ehrenhauser probiert es: Er ist EU-Parlamentarier seit 2009 und kandidert jetzt für das "Europa anders"-Wahlbündnis von KPÖ, Piraten und "Wandel". Im Wahlkampf konnte sich Ehrenhauser durch überraschende Coups ins Bewusstsein der Wähler bringen. Ehrenhauser ging 2007 als Büroleiter Hans-Peter Martins nach Brüssel, der ihn 2009 auf die Liste setze. 2011 zerstritt er sich mit Martin, dem er missbräuchliche Verwendung von Wahlkampfgeldern vorwarf. Martin tritt dieses Jahr nicht mehr an. Angelika Werthmann versucht es für das BZÖ. Die studierte Philologin zog gemeinsam mit Ehrenhauser 2009 für die Liste Hans-Peter Martin ins EU-Parlament ein, aus der sie ein Jahr später wieder austrat. Jörg Haiders Tochter Ulrike Haider-Quercia holte sie als Listenzweite für das BZÖ, nach deren Rückzug übernahm Werthmann die Spitzenkandidatur.
(apa / csm) Erstellt am
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