Politik | Ausland
28.07.2017

"Du bist mein Lieblingspräsident": Trump lässt Fanpost verlesen

Briefe wie der eines Neunjährigen sollen den US-Staatschef sympathischer wirken lassen.

Die Beliebtheitswerte des Präsidenten sind auf einem Rekordtief, das Personal wechselt laufend, immer mehr Details über die Russland-Affäre werden öffentlich – eine schwierige Situation für Sarah Huckabee Sanders, die designierte Pressesprecherin von Donald Trump.

Dem Charme eines Kindes kann niemand widerstehen, dachte sich die Ex-Stellvertreterin des jüngst im Streit mit Trump zurückgetretenen Sean Spicer wohl und brachte just den Brief eines Buben an den Präsidenten mit zum Pressebriefing am Mittwoch. Handgeschrieben, mit Rechtschreibfehlern.

Lieblingspräsident

"Mein Name ist Dylan, aber jeder nennt mich ,Pickle‘". So beginnt der Brief des Neunjährigen. Und weiter: "Du bist mein Lieblingspräsident." Der Bub hatte sogar eine Geburtstagsparty mit Trump-Thema – "mein Kuchen hatte die Form deines Haares".

Dylan fragt außerdem, was viele wohl interessiert: "Wie viel Geld hast du?" Huckabee Sanders lacht. Sie sei nicht sicher, aber sie wisse, dass es viel sei.

Während die Reporter ungeduldig darauf warteten, Fragen über Trumps Plan, Transgender-Personen nicht mehr in die Armee aufzunehmen, sowie über die Zukunft von Justizminister Sessions zu stellen, setzt Huckabee Sanders das Schauspiel fort.

"Ich weiß nicht, wieso Leute dich nicht mögen", liest sie vor. "Ich auch nicht", ergänzt Sanders. Das rührige Ende: "Du wirkst sehr nett. Können wir Freunde sein?" Ja, der Präsident sei mehr als glücklich, Dylans Freund zu sein.

Inszenierungskünstler

In Zukunft werde sie zu Beginn von Pressebriefings "ab und zu" einen Brief vorlesen, so Huckabee Sanders. Briefe von "vergessenen Männern, Frauen und Kindern", für die der Präsident kämpfe.

Huckabee Sanders ist ein Profi: Bevor die 34-Jährige zu Trump wechselte, hatte sie für ihren Vater Mike Huckabee Wahlkämpfe organisiert. Zuletzt 2016, als dieser sich als republikanischer Präsidentschaftskandidat bewarb.

Ab September wird Huckabee Sanders unter dem neuen Kommunikationsdirektor Scaramucci ihr Amt ausüben. Auch er versucht, Charme zu versprühen, gibt sich aber auch hart: Bei seiner ersten Rede schickte er einen Luftkuss an die Journalisten, gestern sagte er mit Blick auf an Medien durchgestochene Regierungsinformationen: "Einige dieser Leaks sind so verräterisch, dass man vor 150 Jahren dafür gehängt worden wäre."

- Nadine Zeiler