Politik | Ausland
18.04.2017

Donald Trump und die Latino-Gang

Der US-Präsident will nun eine einzelne Gang "entfernen", an deren Ausbreitung Barack Obama Schuld gewesen sein soll.

"Die schwache Einwanderungspolitik der Obama Administration hat es den böse MS 13 Gangs erlaubt, in allen Städten der USA Fuß zu fassen. Wir werden sie schnell entfernen!" Das verkündete US-Präsident Donald Trump am Dienstag via Twitter. Trump hat also nun vor, sich mit der Gangproblematik der USA zu beschäftigen - und nebenbei gegen Obama zu schießen. Zwar ist es wenig überraschend, dass er sich dafür gerade mit den sogenannten Mara Salvatrucha (eben auch als "MS-13" bekannt) eine Latino-Gang rauspickt, aber ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Eigentlich schon, denn laut dem FBI gibt es circa 33.000 gewalttätige Straßen-, Motorrad- und Gefängnisgangs mit 1,4 Millionen Mitglieder in den USA und Puerto Rico.

MS-13: Mara Salvatrucha

Wie viele davon zu Mara Salvatrucha gehören, lässt sich nicht so leicht sagen. Während der Boston Globe im vergangenen Jahr von 6.000 Mitgliedern in den USA und 30.000 weltweit berichtet, schreibt InsightCrime von 70.000 Mitglieder in der nördlichen Hemisphäre. Fakt ist, die Gang ist dem FBI eine eigene Task Force wert. Bereits 2012 erklärte das Finanziminsterium in Washington zu einer "internationalen kriminiellen Organisation".

Auf das Konto der "MS-13" gehen Drogenschmuggel, Entführungen, Menschenhandel, Morde, Anschläge und Erpressungen, hieß es damals in der Ministeriumsmitteilung. Und auch abgeschoben wurde und wird fleißig, laut InsightCrime werden wöchentlich etwa 100 Mitglieder nach Südamerika abgeschoben - wieviele davon illegal zurück in die USA reisten ist nicht bekannt. In Südamerika befindet sich auch das Zentrum der Gang, besonders in El Salvador, Guatemala und Honduras. Alleine in Honduras sind nach Angaben der Stiftung Compartir Honduras fast 34 000 Jugendliche in kriminellen Banden organisiert. Die beiden mächtigsten - Mara Salvatrucha und Mara 18 - kontrollieren weite Teile des Landes und haben Honduras nahe an den Staatskollaps gebracht.

Gegründet wurde die Gang allerdings in Los Angeles Anfang der 80er-Jahre, als südamerikanische Auswanderer dort mit den lokalen Gangs wie den Crips, Bloods oder der 18th Street Gang Erfahrung machten. Über die Jahrzehnte wuchs die Organisation bis heute - Trumps Schuß gegen Obama ist also unhaltbar, bereits lange vor dem Ex-US-Präsident war die Mara Salvatrucha fast in jedem US-Bundesstaat vorhanden. Recht hat Trump allerdings damit, dass die Gang "böse" ist. Alleine das Aufnahmeritual zeigt, wie brutal es vorgeht. In der Mara Salvatrucha prügelt die ganze Clika - wie die Untergruppen der multinationalen Bande genannt werden - 13 Sekunden auf den Anwärter ein. Weibliche Kandidaten werden häufig von allen Bandenmitgliedern vergewaltigt.

Gewalt in den USA

Es ist auch kein Geheimnis, dass Gangs für zahlreiche Gewaltakte in den USA verantwortlich sind. Als Beispiel sei Chicago genannt. In der Stadt gab es im vergangenen Jahr 762 Morde, 3550 Schießereien und 4331 Opfer von Schießereien. New York und Los Angeles kamen zusammen im gleichen Zeitraum auf 565 Morde. Gegenüber der Times erklärte Gangexperte John Hagedorn von der University of Illinois: Zwar seien sehr viele Hispanics in Gangs organisiert, aber drei Viertel aller Bandenkonflikte in Chicago geschähen unter Schwarzen. Unter diesen wiederum werde die Gewalt spontaner, affektiver, werde sozusagen die Lunte immer kürzer.

Wie New York hat auch Chicago eine vielfältige Bevölkerung: Weiße, Schwarze, Hispanics, der Bogen der Einkommen spannt sich zwischen null Dollar und unfassbarem Reichtum. Viele sagen, die Zustände an Chicagos South und West Side seien der eigentliche Grund für die Gewalt.

Was hilft gegen die Ganggewalt?

"Man kann die Herkunft der Gangs und ihre Gewalt nicht trennen von der Armut extrem segregierter Nachbarschaften", schreibt der Harvardprofessor Robert Sampson in einem Buch über Viertel amerikanischer Großstädte. "Hochkonzentrierte Armut Schwarzer erzeugt Gewalt Schwarzer."

Auf einer Gedenkveranstaltung in Chicago sagte der Pastor Ira Acree: "Die beste Möglichkeit, eine Patrone aufzuhalten, ist ein Job." Nur: Für Schwarze in Chicago herrschen die gleichen miserablen Bedingungen bei Ausbildung und Arbeitsmarkt wie in weiten Teilen des Landes generell.

Polizeichef Eddie Johnson sagte kürzlich vor Medien: "Das ist keine Polizeiangelegenheit, sondern eine der Gesellschaft. Zeigen Sie mir einen Mann ohne Hoffnung, und ich zeige Ihnen jemanden, der eine Waffe in die Hand nehmen und etwas damit anstellen wird."

Eine ganze Gang abschieben?

Trumps Plan, die Gang "schnell zu entfernen" kann also nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Selbst wenn er es schafft alle Mara-Salvatrucha-Mitglieder abzuschieben, bleiben noch 32.999 Gangs übrig. Die sich, was das Gewaltpotential betrifft, kaum von "MS-13" unterscheiden. Aber US-Amerikaner kann Trump nicht abschieben, ob er auch für sie "Jobs! Jobs! Jobs!" (Trump) schaffen wird, ist derzeit mehr als fraglich.

Mehr zu "MS-13" (englisch)

Mit Material der APA und der dpa.