Politik | Ausland 08.11.2015

Donald Trump provozierte in US-Comedy-Show

Donald Trump bei "Saturday Night Live" © Bild: AP/Dana Edelson

Nicht lustig, schrieb die New York Times. Blass und Halbherzig, die Washington Post.

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump (69) hat als Gastmoderator bei der US-Kult-Comedy-Show "Saturday Night Live" viel Kritik einstecken müssen - sowohl von Latinos als auch von Medien. Der Auftritt sei gespreizt und an vielen Stellen überhaupt nicht lustig gewesen, schrieb die New York Times. Blass und halbherzig, beschied die Washington Post.

Manche Kommentatoren nannten Trump gar einen "Loser" (Versager): So bezeichnet er gern im Wahlkampf seine Rivalen. Der milliardenschwere Immobilienmogul liegt laut Umfragen im republikanischen Feld derzeit neben dem Ex-Kinderneurochirurgen Ben Carson an der Spitze.

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"Du bist ein Rassist!"

Latino-Gruppen hatten schon im Vorfeld massiv gegen Trumps TV-Auftritt in der Nacht zum Sonntag protestiert: Nach seiner Reihe fremdenfeindlicher Äußerungen im Wahlkampf dürfe ihm der Sender NBC kein Forum in der überaus populären TV-Show geben, forderten sie. Die Latino-Vereinigung DeportRacism.com hatte sogar eine Belohnung von 5.000 Dollar (rund 4.600 Euro) für attackierende Zwischenrufe aus dem Publikum angeboten.

Einen gab es auch, gleich am Anfang von Trumps Auftritt: "Du bist ein Rassist!" Aber das war inszeniert, ein Scherz. Der Ruf kam vom prominenten Komiker Larry David, der prompt auf die Belohnung verwies. "Als Geschäftsmann kann ich das völlig respektieren", konterte Trump.

Vision: Trump als Präsident

Proteste außerhalb des Studios
Demonstrators march to protest Donald Trump's views on immigration hours before he hosts "Saturday Night Live," Saturday, Nov. 7… © Bild: AP/Katie Park

Das war überhaupt das Konzept seines Blödelauftritts: Trump nahm sich selber auf die Schippe, ulkte über seine häufig extremen und bombastischen Wahlkampf-Äußerungen, die immer wieder für Wirbel gesorgt haben. Dazu zählen Prahlereien über seinen Reichtum, sein Aussehen, seine schonungslose Ehrlichkeit und allem voran sein politisches Talent, obwohl er noch nie ein politisches Amt bekleidet hat.

So zeigte der ehemalige TV-Reality-Star in dem wohl lustigsten Sketch der Show, wie das Jahr 2018 unter einem Präsidenten Trump aussehen würde. In der syrischen Hauptstadt Damaskus stände ein Trump-Hotelkasino, der russische Präsident Wladimir Putin hätte seine Aggression in der Ukraine beendet, weil er es leid wäre, von Trump als "Loser" bezeichnet zu werden. Und natürlich: Aus Mexiko käme ein fetter Scheck für die Kosten des Baus einer "schönen" Grenzmauer, die Trump ja im Fall eines Wahlsieges errichten will, um illegale Einwanderer fernzuhalten.

Stoff für Sonntagsfernsehen

Da gab es jede Menge Lacher, aber insgesamt wirkten die Späße flach, eben wie aus dem Drehbuch, nicht spontan. "Er beendete sogar seine Sätze", schrieb die Washington Post und stellte fest, dass Trump bei seinen Wahlkampfauftritten eine humorvollere Show liefere.

Aber kaum jemand glaubt, dass ihm der Auftritt geschadet habe - auch wenn während der Sendung draußen vor dem New Yorker NBC-Studio Latinos demonstrierten. So oder so lieferte Trump wieder reichlich Stoff für das Sonntagsfernsehen - eine kostenlose Wahlwerbung.

( Agenturen , jk ) Erstellt am 08.11.2015