Politik | Ausland
12.07.2017

Donald Trump Junior: Ein Hitzkopf wie sein Vater

Trump Jr. ähnelt in vielem dem Präsidenten – und bringt ihn genau deshalb in Bedrängnis.

Im Leben von US-Präsident Donald Trump und seinem gleichnamigen Sohn – Zusatz: Junior – gab es schon einmal eine lange Phase der Entfremdung. Als sich der damalige New Yorker Lebemann unter öffentlichen Tamtam Anfang der 90er Jahre von dem Model Ivana trennte, der Mutter von Donald, Eric und Ivanka Trump, floh der Erstgeborene aus Protest für ein Jahr in die Tschechoslowakei und lernte bei Großvater Miloš das Jagen. Jenes Rüstzeug, das ihm zuletzt nach allzu triumphalen Fotos als Großwildjäger den Zorn von Tierschützern einbrachte.

Nun wird sich zeigen, ob das Verhältnis zwischen Donald Trump Jr. ("Donny") und seinem "Daddy" abermals erkaltet. Durch sein konspiratives Treffen mit einer russischen Anwältin, die aus russischer Geheimdienst-Küche stammendes, belastendes Material gegen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verhieß, hat der 39-Jährige seinem Vater einen Bärendienst erwiesen.

Der durch eMails beglaubigte und von Trump Junior verblüffend offen eingestandene Akt ist der erste harte Beleg dafür, dass der Trump-Clan gegen alle anderslautenden Beteuerungen im bitterbösen Wahlkampf sehr wohl empfänglich für russische Hilfe war.

Wie reagiert Papa?

Während sich Juristen über die Frage beugen, ob Trumps Zögling gegen Wahlgesetze verstoßen oder Landesverrat begangen haben könnte, richten professionelle Beobachter den Blick auf den derzeit besonders wankelmütigen und reizbaren Präsidenten.

Wird er seinen Sohn, der seit Amtsantritt gemeinsam mit Bruder Eric das väterliche Milliarden-Unternehmen führt, zum eigenen Schutz aus dem Verkehr ziehen?

Trump Junior hat sich mit seiner Vorfreude auf Anti-Clinton-Material aus russischen Quellen ("Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich es") in hohem Maße "angreifbar" gemacht, sagen republikanische Abgeordnete. Auch wenn der Kreml und die russische Milliardärs-Familie Agalarow, die bei der Anbahnung des Kontaktes eine Rolle spielte, alle Vorwürfe vehement zurückweisen.

Aber noch ist Trump Senior nicht so weit. "Das ist die größte Hexenjagd in der politischen Geschichte. Traurig!", twitterte der Präsident und nahm seinen Sohn in Schutz. Intern soll der Präsident jedoch schäumen. Weil der neue Russland-Skandal alle innenpolitischen Debatten überlagert und die Geduld der Republikaner im Kongress strapaziert. Und weil Vize-Präsident Mike Pence auffällig auf Distanz gegangenen ist. Anstatt sich, wie erhofft, für Trump Junior in die Bresche zu werfen.

Trump, ab heute zu Besuch in Frankreich, wollte nach dem G-20-Gipfel in Hamburg daheim endlich als Staatsmann punkten. Sein eigener Sohn hat die Kalkulation durchkreuzt. Das Treffen mit der russischen Anwältin wird demnächst vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses landen.

Unsicher und reizbar

Dort will Trump Junior unter Eid aussagen, dass er sich keiner Regelbrüche bewusst ist. Schließlich hätten sich die 20 Minuten mit der Russin als "verschwendete Zeit" erwiesen. Dass er dem Gespräch zustimmte, ist für Trump Junior keine Sünde, sondern Alltag im politischen Grabenkampf.

Die mutmaßlich live im Fernsehen zu sehende Vernehmung des stets üppig gegelten Geschäftsmanns bereitet dem Weißen Haus Kopfzerbrechen. Anders als seine parkettsichere Schwester Ivanka steht Donald Trump Jr. unter Druck oft eine schwer zügelbare Streitlust im Weg. Und das Unvermögen, Fehler aufrichtig einzugestehen. Wie der Präsident, für den er als 13-Jähriger zum ersten Mal in einem Hotel-Kasino jobbte, sucht der fünffache Vater sein Heil in der aggressiven Vorwärtsverteidigung. Selbst Trump-freundliche Medien wie das Wall Street Journal sehen Ungemach auf den Präsidenten zukommen.