Diktatoren am Ende

Muammar al-Gaddafi ist noch auf der Flucht. Ein Blick zurück auf ähnliche Tyrannen zeigt, was ihn erwarten könnte .

Idi Amin (Uganda) 
1971 bis 1979 herrschte der „Schlächter von Afrika“ über Uganda und ließ 400.000 Menschen ermorden. Intellektuelle, Offiziere, Richter verschwanden, Gegner wurden Krokodilen vorgeworfen, ganze Dörfer ausgelöscht. Amin wurde von tansanischen Truppen gestürzt und starb 2003 im saudischen Exil. Jean-Bedel Bokassa (Zentralafrikanische Republik)  
Er kam 1966 an die Macht, schaffte Verfassung und Parlament ab und ließ mithilfe der französischen Fremdenlegion seine Gegner beseitigen. Nach einem Putsch 1979 floh er nach Frankreich, kam 1986 zurück in die Heimat, wo er bis 1993 in Haft war. 1996 starb er in Freiheit an einem Herzinfarkt. Nicolae Ceaucescu (Rumänien) Als Staatspräsident führte er von 1967 bis 1989 das kommunistische Land, das er in einen bitterarmen Polizeistaat verwandelte. Verantwortlich für die brutale Unterdrückung der Opposition und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, wurde Ceauşescu 1989 mit Ehefrau Elena hingerichtet. Saddam Hussein (Irak) Fast ein viertel Jahrhundert lang, von 1979 bis 2003, regierte er das Zweistromland mit stählerner Hand. Er ließ irakische Kurden mit Giftgas angreifen und die schiitische Bevölkerungsmehrheit brutal unterdrücken. Einen extremen Blutzoll forderten auch die beiden Golfkriege gegen den Iran und gegen Kuwait.
2003 griff eine US-geführte Allianz mit der Begründung, Saddam habe Massenvernichtungswaffen und unterstütze El-Kaida-Terroristen, den Irak an. Beides stellte sich als falsch heraus, Saddam Hussein aber wurde gestürzt. Im Dezember 2003 zerrten US-Soldaten den Diktator aus einem Erdloch in der Nähe seines Heimatortes Tikrit. Er wurde vor ein irakisches Sondertribunal gestellt und zum Tode verurteilt. Am 30. 12. 2006 starb er durch den Strang. Ferdinand Marcos (Philippinen) 
Ab 1972 regierte der philippinische Präsident sein Land diktatorisch, indem er das Kriegsrecht verhängte. Die alte Elite wurde entmachtet, Verwandte Marcos’ bereicherten sich schamlos. Kritiker wurden mundtot gemacht. Nach einem Volksaufstand 1986 musste Marcos in die USA fliehen, wo er 1989 starb. Pol Pot (Kambodscha)
Der kommunistische Diktator und Anführer der „Roten Khmer“ wollte in den 70er-Jahren einen Bauernstaat errichten, Intellektuelle galten als überflüssig. Während seiner Herrschaft kamen fast zwei Millionen Kambodschaner um. 1997 wurde er als Volksverräter verurteilt und beging ein Jahr später Selbstmord. Hosni Mubarak (Ägypten) 
Nach 30 Amtsjahren wich er im Februar dem Druck der Straße. Jetzt steht er in Kairo vor Gericht – wegen des Todes von 800 Demonstranten und Machtmissbrauchs. Radovan Karadzic (Republika Srpska) Der Kinderbuchautor und Ex-Präsident der bosnisch-serbischen Teilrepublik zeichnet für das Massaker von Srebrenica verantwortlich. Er wurde 2008 verhaftet und steht seither vor dem Haager Tribunal. Alexander Lukaschenko (Weißrussland) Der noch amtierende Präsident ließ die Verfassung ändern um länger im Amt bleiben zu können. Jegliche Versuche die Situation in seinem Land demokratischer zu gestalten wurde blutig niedergeschlagen. 2011 ist er bereits 17 Jahre im Amt. Manuel Noriega (Panama) Unterstützt von den USA, war er ab 1983 de facto Machthaber. Schnell wurde Noriega wegen Verbindungen zu Drogenhandel und Organisiertem Verbrechen für die USA untragbar. Nach der Invasion in Panama stellte er sich und wurde verurteilt. Bis 2017 sitzt der heute 77-Jährige in Frankreich eine weitere Strafe ab. Augusto Pinochet (Chile) 
Nach dem Militärputsch gegen Präsident Allende 1973 regierte er bis zu seiner demokratischen Abwahl 1990 diktatorisch. Tausende Menschen wurden ermordet, gefoltert oder verschwanden. Ein Prozess gegen ihn kam aus gesundheitlichen Gründen nie zustande. Er starb 2006. Erich Honecker (DDR) 
Er regierte von 1971 bis zu seinem Rücktritt 1989. Ein Verfahren gegen ihn wurde wegen Krankheit eingestellt. Honecker floh mit seiner Familie nach Chile, wo er 1994 starb. Charles Taylor (Liberia) 
Er unterstützte als Staatschef blutrünstige Rebellen in Nachbarländern. 2006 wurde er verhaftet und muss sich in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Slobodan Milosevic (Serbien, hier links im Bild)
Er war der erste Präsident, der noch während seiner Amtszeit wegen Völkermords und Kriegsverbrechen angeklagt wurde. 2001 wurde er festgenommen und an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert. 2006 starb er dort während des Prozesses. Zine el-Abidine Ben Ali (Tunesien)
Der 74-Jährige regierte seit 1987 mit harter Hand. Nach langen Protesten floh er im Jänner 2011 nach Saudi-Arabien. Er wurde in Abwesenheit zu Haftstrafen verurteilt. Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier (Haiti)
1971 folgte er mit nur 19 Jahren Vater François ("Papa Doc") als Diktator nach. 1985 brachen Unruhen aus, er floh nach Frankreich. Ein Jahr nach dem Erdbeben 2010 kam er zurück, "um zu helfen". Er ist auf freiem Fuß, die Justiz ermittelt aber.
(KURIER.at / lm) Erstellt am
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