Politik | Ausland
19.07.2016

"Die Türkei ist ein sicheres Land"

Der türkische Botschafter, Hasan Gögus, über den Putsch.

KURIER: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Hasan Gögus: Gegenwärtig ist alles unter Kontrolle. Aber wir hatten es mit einem ernsthaften Problem zu tun.

Es gibt Gerüchte, dass es sich bei diesem Putsch nur um eine Inszenierung gehandelt hätte.

Das sind dumme Gerüchte. Der Präsident hat bei diesem Putschversuch sehr enge Mitarbeiter verloren. Rund 150 Zivilisten wurden getötet, welche Regierung würde den Tod von Unschuldigen in Kauf nehmen?

Von wem ging der Putsch aus?

Das sind terroristische Gruppen, die auch die Regierung infiltriert haben. Aber alle Parteien, auch die Opposition und auch die kritische Presse haben sich gegen diesen Militärcoup ausgesprochen. Die Menschen sind auf die Straße gegangen. Das ist ein Sieg der Demokratie.

Der Westen kritisiert Erdogan derzeit heftig. Es heißt, er nutze den Putsch für gröbere Säuberungswellen. Unter anderem wurden fast 3000 Richter entlassen. Das sind doch bedenk- liche Entwicklungen?

Der Staat, die Regierung und das Militär wurden von staatsfeindlichen Gruppen infiltriert, das Resultat ist der versuchte Putsch. Keine Regierung kann einen Staat innerhalb des Staates tolerieren, der Staat muss sich schützen. Die gegenwärtigen Maßnahmen der Regierung sind alle im Rahmen unserer Gesetze. Und alle Beschuldigten werden ordentliche Gerichtsverfahren haben.

Aber die Geschwindigkeit wie die Säuberungen durchgeführt werden, ist doch überraschend.

Aber die Namen waren bekannt, auch im Militär. Deswegen gab es ja den Putsch auch, weil sie wussten, dass gegen sie vorgegangen wird.

Der Westen befürchtet, dass die Türkei künftig noch autoritärer regiert werden wird und dass sich das Land Richtung Diktatur entwickeln wird.

Das sind immer die gleichen Vorwürfe. Aber Sie haben doch Korrespondenten in der Türkei, die kritisch aus dem Land berichten, in keiner Diktatur wäre das möglich.

In Österreich gab es auch Demonstrationen gegen den Putsch. Mehrere Tausend Türken sind auf die Straße gegangen. Irritierend war, dass viele "Allahu Akbar " gerufen haben.

Das hat es gegeben. Die Demonstranten verschiedener Gruppen haben aber auch andere Parolen gerufen.

Also kein Problem für Sie?

Hier darf jeder rufen was er will, Österreich ist ein demokratisches Land. Die PKK darf vor der türkischen Botschaft demonstrieren, und die PKK wird als terroristische Organisation eingestuft.

Aber eine Islamisierung der Türkei ist nicht abzustreiten?

Die Türkei ist ein demokratisches Land, aber wir respektieren den Willen der Menschen. Man braucht sich also keine Sorgen machen.

Wird die Türkei auch in Zukunft ein verlässlicher Partner der EU sein?

Daran hat sich nichts geändert. Wir wollen ein Teil von Europa sein. Aber wir erwarten von unseren europäischen Partnern auch ein Bekenntnis dafür. Wir klopfen seit fast 50 Jahren an die europäische Tür. Wir sind ein verlässlicher Partner, auch hinsichtlich der Flüchtlingsfrage. Und vergessen Sie nicht, wir kämpfen derzeit gegen drei terroristische Vereinigungen.

Ist die Türkei ein sicheres Land?

Das Land ist sicher, ich lade alle ein, die Türkei zu besuchen. Die terroristischen Attacken gibt es auch in Nizza, Paris oder Brüssel. Sollte in der Türkei die Todesstrafe eingeführt werden?

Es gibt diese Forderungen des Volkes. Und der Premierminister hat das artikuliert. Aber dafür müsste die Verfassung geändert werden.