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24.09.2017

Deutschland-Wahl: AfD drittstärkste Kraft, CDU mit historischem Verlust

Die Bundestagswahl live - CDU kommt auf rund 33 Prozent, die SPD auf 20 und will in Opposition gehen. AfD schafft Sensationsergebnis - Gauland: "Wir werden sie jagen."

Vorne Merkel, hinter ihr die Sintflut. Dass die CDU heute als stimmenstärkste Partei aus der Bundestagswahl hervorgehen würde, war absehbar. Da Frage war nur: Zu welchem Preis?

Um 18.00 gab es eine erste Antwort. Die CDU verlor laut ersten Prognosen beinahe neun Prozentpunkte. 33 Prozent bedeuten ein historisch schlechtes Ergebnis, die CSU in Bayern schnitt so schwach ab wie seit 1949 nicht mehr. Die AfD holte 13,1 Prozent und schaffte damit fast eine Verdreifachung der Stimmen. Ein politisches Erdbeben, das keinen Stein auf dem anderen lässt.

Die SPD kündigte unmittelbar nach der ersten Prognose an, in Opposition gehen zu wollen. Spitzenkandidat Schulz will SPD-Chef bleiben. Angela Merkel räumte zwar ein, ein positiveres Ergebnis erwartet zu haben. Aber man habe alle strategischen Ziele erreicht. "Wir sind stärkste Kraft und gegen uns kann keine Regierung gebildet werden."

Das Problem: Nach der Absage der SPD bleibt Merkel als einzige Option eine ungeliebte Jamaika-Koalition. Grüne und FDP zeigten sich zwar grundsätzlich gesprächsbereit, werden sich eine Regierungs-Beteiligung aber teuer abkaufen lassen.


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Die AfD gab sich in einer ersten Reaktion kampfeslustig. "Da wir jetzt drittstärkste Partei sind, kann sich die Regierung warm anziehen", sagte Spitzenkandidat Alexander Gauland auf der Wahlparty seiner Partei. "Wir werden sie jagen. Und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen."

Deutschland-Wahl: AfD drittstärkste Kraft, CDU mit historischem Verlust

  • 20:04

    Und damit beenden wir die Live-Berichterstattung für heute. Vielen Dank für Ihr Interesse. Hier finden Sie eine Analyse Wahl in Deutschland. Lesen Sie morgen, wo auf Angela Merkel nun die größten Baustellen warten und welche Posten der AfD nun zustehen.

  • 20:02

    Merkel: Regierungsbildung bis Weihnachten möglich

    Angela Merkel hält es für möglich, dass eine neue Regierung trotz schwieriger Koalitionsverhandlungen bis Weihnachten im Amt ist. "Ich bin generell immer zuversichtlich. Und außerdem: Seit vielen Jahren habe ich das Motto: in der Ruhe liegt die Kraft", sagte sie am Sonntagabend auf eine entsprechende Frage im deutschen Fernsehen.

  • 19:56

    Und Sandra Lumetsberger hat die Stimmung in der SPD-Parteizentrale eingefangen. Dort wollte Martin Schulz die SPD noch einmal erlösen - diesmal will der krachend gescheiterte Kanzlerkandidat sein Heil in der Opposition finden.

  • 19:54

    Eine Million Menschen. Gut, das ist nur ein Sechzigstel aller Wähler, kann man sich denken. Aber das sind auch knapp neun Prozentpunkte weniger Wähler als 2013. Das ist ganz schön viel.  Aber macht nix. Besser lächeln, lächeln, lächeln. Angela Merkel macht das Gleiche wie immer – sie macht weiter. Evelyn Peternel war bei der Wahlparty der CDU vor Ort.

  • 19:17

    OGM-Chef Wolfgang Bachmayer analysiert für den KURIER, welche Auswirkungen die deutsche Wahl auf Österreich haben könnte - und erklärt, wie die Parteien in der jüngsten OGM-Umfrage liegen.

  • 19:15

    CSU grenzt sich nach Wahlschock von Merkel ab

    Nach Parteichef Horst Seehofer, sagte nun auch Spitzenkandidat Joachim Herrmann, die Begrenzung des Flüchtlingszugangs sei elementar für die CSU. Die CDU lehnt eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen dagegen ab. Herrmann war vor der Wahl als künftiger deutscher Innenminister positioniert worden.

    Der frühere Parteivorsitzende Erwin Huber sprach von einer "Schaukelpolitik" im Verhältnis zur CDU von Kanzlerin Angela Merkel. Das hätten die Wähler der CSU übelgenommen. Das Ergebnis sei "eine Katastrophe". Die CSU müsse ihre Positionen infrage stellen. "Ich glaube, dass wir der AfD viel zu viel Spielraum gegeben haben." Die Alternative für Deutschland (AfD) war auch in Bayern mit 12,5 (2013: 4,3) Prozent drittstärkste Kraft geworden, nur knapp hinter der SPD. Sie hatte deutlich auf CSU-Wähler abgezielt: "Die AfD hält, was die CSU verspricht", stand auf ihren Wahlplakaten, und: "Franz Josef Strauß würde AfD wählen".

  • 18:55

    Vor vier Jahren, da war es gespenstisch. Sprachlos und irritiert stand Guido Westerwelle da auf der Bühne, Spitzenkandidat Rainer Brüderle konnte es gar nicht fassen. Der Ton der TV-Übertragung, der erklären sollte, warum die FDP nur auf 4,7 Prozent kam und aus dem Bundestag flog, blieb abgedreht.

    Damals war Christian Lindner der erste, der etwas sagen musste. Heute ist er der einzige, der etwas sagen darf: Der Posterboy der FDP, noch gern belächelt, hat die Partei vier Jahre nach ihrer größten Niederlage mit einem Ergebnis von 10,4 Prozent reanimiert – die Freidemokraten, seit 1949 ganze 45 Jahre lang in der Regierung vertreten, können wieder auf eine Kabinettsbeteiligung spekulieren. "Die Menschen haben uns ein Comeback ermöglicht", freute sich Lindner. Wie ihm die Reanimation der FDP gelang, lesen Sie hier.

  • 18:55

    Europas Liberale jubeln über FDP-Ergebnis

    Die Liberalen im Europaparlament haben sich euphorisch über den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag gezeigt. "Die deutschen Liberalen feiern heute Abend ein großartiges Comeback", erklärte der Fraktionsvorsitzende Guy Verhofstadt am Sonntagabend. "Nach Jahren in der Wildnis ist die FDP nun zurück."

    "Die letzten vier Jahre waren wie ein langer Gang durch die Wüste", meinte der FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff. Der Wiedereinzug sei ein historischer Moment und das Ergebnis harter Arbeit.

  • 18:47

    Riesenjubel bei der Feier im Nachtclub Traffic, Entsetzen bei den Demonstranten vor der Tür - die Reportage von der AfD-Wahlparty lesen Sie hier.

  • 18:06

    Heftige Reaktionen: "Neonazis im Bundestag

    Sowohl in Deutschland, als auch international fallen die Reaktionen auf den Wahlerfolg der AfD teils heftig aus. SPD und Grüne sprachen von Rechtsextremisten, die nun in den Bundestag Einzug halten würden, noch drastischer wurde Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn: "70 Jahre nach Kriegsende sitzen wieder Neonazis im Bundestag", sagte Asselborn der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend.

    In vielen europäischen Staaten hätten Rechte in der jüngeren Vergangenheit wieder Fuß gefasst. "Wenn es in Deutschland passiert, ruft es wegen der Geschichte aber besonders Angst hervor." Asselborn forderte: "Alle demokratischen Parteien in Deutschland müssen nun zusammenstehen, egal ob sie in der Regierung oder der Opposition sind."

  • 18:12

    Die Proteste am Alexanderplatz vor dem Traffic, wo die AfD ihre Wahlparty feiert, werden mehr. Es ist mehr Polizei aufgefahren, und die Demonstranten werden aggressiver, es fliegen erste Flaschen. Aber bislang hat die Polizei alles im Griff.

  • 18:05

    So kommentiert die linke Tageszeitung taz das Wahlergebnis:

  • 18:04

    FDP und Grüne nennen Koalitionsbedingungen

    Nach dem historischen Debakel der Großen Koalition und der Oppositionsansage der Sozialdemokraten haben die verbliebenen potenziellen Koalitionspartner FDP und Grüne ihre Bedingungen für einen Eintritt in die künftige deutsche Regierung genannt. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sagte, seine Partei werde keinen "anti-europäischen Populismus" mitmachen.

    FDP-Chef Christian Lindner bekräftigte seine Forderung nach zehn "Trendwenden für Deutschland". "Es gilt in der Sache alles das, was wir vor der Wahl gesagt haben", sagte Lindner

    Zum Knackpunkt einer Zusammenarbeit mit den Grünen könnte die Umweltpolitik werden: Während die Ökopartei ein Ende des Verbrennungsmotors bis 2030 fordert, lehnen die Liberalen Verbote von Dieselautos und Benzinern strikt ab.

  • 17:56

    Umfrage: "Jamaika"-Bündnis bei Wählern unbeliebt

    Ein sogenanntes Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen hat bei den Anhängern aller drei Parteien laut einer ARD-Befragung wenig Sympathien. Bei den Unions-Anhängern halten demnach 31 Prozent, bei der FDP 42 Prozent und bei den Grünen 38 Prozent dies für ein gutes Regierungsbündnis. Unter allen Wählern findet die Allianz nur bei 23 Prozent der Wählern Zustimmung.

  • 17:55

    Wahlforscher: Union profitierte von Kanzlerin-Bonus

    Die Unionsparteien CDU und CSU verdanken ihren mit massiven Verlusten erkauften Sieg bei der deutschen Bundestagswahl laut Forschungsgruppe Wahlen vor allem dem Ansehen von Kanzlerin Angela Merkel.

    Die CDU-Chefin habe in einem ökonomisch starken Deutschland und global fragilen Umfeld Stabilität und Führungsstärke vermittelt, schrieben die Wahlforscher in einer ersten Analyse am Sonntagabend. 73 Prozent der Deutschen hätten ihr als Kanzlerin gute Arbeit bescheinigt.

    Merkel punktete demnach im direkten Vergleich mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz: 57 Prozent wollten nach Erkenntnissen der Forschungsgruppe Merkel weiter als Kanzlerin sehen - nur jeder Dritte Schulz. Sie gelte als sympathischer und glaubwürdiger, die Wähler trauten ihr zudem mehr Sachverstand zu.

  • 17:45

    Weidel will "Untersuchungsausschuss Angela Merkel

    AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel bedankte sich bei ihrer Partei "für das fulminante Wahlergebnis". Damit habe sie nicht gerechnet, sagte sie vor ihren Anhängern. "Wir haben einen Wählerauftrag bekommen. Diesen Auftrag werden wir mit Demut annehmen. Millionen von Wählern haben uns ihr Vertrauen geschenkt. Wir werden liefern. " Weidel versprach eine "vernünftige Oppositionsarbeit"  und kündigte an: "Das erste, was wir tun werden: Wir werden den Untersuchungsausschuss Angela Merkel initiieren, der sich ganz dezidiert mit den Rechtsbrüchen dieser Dame beschäftigt", sagte sie vor Parteimitgliedern. "Wir sind gekommen um zu bleiben."

  • 17:31

    In der SPD kündigen sich erste personelle Veränderungen an. Arbeitsministerin Andrea Nahles will laut Informationen der ARD den Fraktionsvorsitz im Bundestag übernehmen.

  • 17:29

    Was geht bei Jamaika?

    Außer einer erneuten Großen Koalition von Union und SPD ist nach den ersten Hochrechnungen zur Bundestagswahl rechnerisch und politisch nur ein Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen möglich. Die Erfahrungen mit einer solchen Jamaika-Koalition auf höheren politischen Ebenen sind begrenzt. In Schleswig-Holstein regiert derzeit die zweite Koalition dieser Art, auf Bundesebene wäre dies Neuland. Wieso Schwarz-Gelb-Grün so viel Sprengstoff birgt, lesen Sie hier.

  • 17:28

    "Das Ergebnis der Union ist für Merkel gerade noch erträglich", schreibt KURIER-Chefredakteur Helmut Brandstätter in seinem Leitartikel zur heutigen Wahl. Ihr Problem jetzt: "Zwei unmögliche Koalitionen sind möglich." - den gesamten Leitartikel finden Sie hier.

  • 17:19

    Seehofer kündigt Härte in Flüchtlingspolitik an

    Die CSU will nach der Bundestagswahl mit einem harten Kurs in der Flüchtlingsfrage der AfD den Wind aus den Segeln nehmen. "Wir hatten eine Flanke auf der rechten Seite, eine offene Flanke", sagte Parteichef Horst Seehofer in München. Diese Flanke gelte es nun zu schließen, "mit klarer Kante und klaren politischen Positionen".

    Die CSU werde bei Verhandlungen in Berlin "keine falschen Kompromisse eingehen". Grundlage sei der "Bayernplan", in dem die Partei ihre abweichenden Positionen zur CDU formuliert hatte - darunter eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. "Mit etwas anderem kann kein Parteivorsitzender aus Berlin zurückkommen", sagte Seehofer. Der 68-Jährige versuchte, eine Personaldebatte in der Partei angesichts des schlechten Ergebnisses zu ersticken. Es gehe jetzt um die Sache.