Christliche Ministerin entmannt lieben Gott

14. Tag der offenen Tuer der Bundesregierung
Foto: AP/Michael Gottschalk Legte sich mit Gott, vor allem aber ihren konservativen Parteikollegen an: Familienministerin Christina Schröder.

Aufruhr um die deutsche Familienministerin Kristina Schröder, die von „das liebe Gott“ spricht und die Gebrüder Grimm sexistisch nennt.

Um Himmels willen, da wird es wohl zu Weihnachten von mancher bayerischen Kirchenkanzel herabdonnern. Ausgerechnet die CDU-Familienministerin bringt kurz vor den Feiertagen die göttliche Ordnung gehörig durcheinander. In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung Die Zeit wird Kristina Schröder gefragt, wie sie ihrer kleinen Tochter einmal erklären werde, warum man ausgerechnet zu „DEM lieben und nicht zu DER lieben Gott“ bete. Schröder, gegenüber dem liberalen Prestigeblatt offensichtlich um intellektuelle Brillanz bemüht, meint daraufhin: „Der Artikel hat nichts zu bedeuten. Man könnte auch sagen: ,DAS liebe Gott.‘“

Und ob der Artikel etwas zu bedeuten hat! Das machten im Handumdrehen einige von Schröders Regierungskollegen mehr als deutlich. „Der liebe Gott bleibt der liebe Gott“, beharrte etwa Staatssekretärin Katharina Reiche auf ihren Himmel-Vater. Ganz ähnlich auch Norbert Gneis vom tiefkatholischen Regierungspartner CSU: Schon Christus habe Gott als Vater offenbart, und so solle es auch bleiben. Die Ministerin, grantelte Gneis’ Parteikollege Mayer, solle lieber ihre Arbeit machen, anstatt immer wieder völlig sinnlose Debatten anzuzetteln. Schröder hat es sich etwa auch schon mit der Frauenbewegung angelegt, als sie meinte, der Feminismus habe wohl übersehen, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden würden.

Diesmal aber braut sich mehr zusammen als ein Sturm im Wasserglas. Niemand bis hin zu Kanzlerin Merkel will sich schützend vor die politisch eher erfolglose Ministerin stellen, während – so formuliert gewohnt knackig die Bild-Zeitung – ein „Christ-Storm“ über die 35-Jährige hereinbricht. Da hilft es wenig, dass Theologen und Kirchenvertreter sie verteidigen. Die Frage der Geschlechtlichkeit stelle sich bei Gott nicht, meint die deutsche Bischofskonferenz: „Es ist nur Gott.“

Märchen mit Makel

Zu all dem politischen Getöse muss sich Schröder auch jede Menge beißenden Spott gefallen lassen. Christen in aller Welt, witzelt etwa Manfred Lützer, Verfasser des Bestellers „Gott, eine kleine Geschichte des Größten“, würden „Ich glaube an Gott, den Vater“ beten: „Nur Kristina Schröder betet derzeit noch etwas anderes.“

Als wäre „das Gott“ nicht genug, hat es sich Schröder im selben Interview auch noch mit den Gralshütern der deutschen Literatur angelegt. Die Märchen der Gebrüder Grimm, plauderte sie munter drauflos, würde sie ihrer Tochter nicht so einfach vorlesen, die seien nämlich sexistisch: „Da gibt es selten eine positive Frauenfigur.“

(kurier) Erstellt am
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