Jerome Boateng

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Politik | Ausland
06/03/2016

Boateng: Nachdenken über "Negerkuss und Mohrenkopf"

Für den deutschen Nationalspieler wäre es an der Zeit, die Verwendung bestimmter Begriffe zu überdenken.

Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng (27) findet es richtig, althergebrachte Begriffe wie „Negerkuss“ oder „Mohrenkopf“ auf Rassismus zu überprüfen - und gegebenenfalls nicht mehr zu verwenden.

„Wenn man es gleich zu Beginn ersticken kann, damit speziell die ganz Jungen kein falsches Gefühl in der Sprache bekommen, warum nicht?“, sagte Boateng der deutschen Ausgabe des Magazins „L'Officiel Hommes“. „Es geht ja darum, Respekt vor jedem Menschen zu haben.“

Vorbild Dani Alves

Der in Berlin geborene Boateng ist Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters. Er selbst habe gelernt, sich von rassistischen Erfahrungen nicht provozieren zu lassen. „Dani Alves vom FC Barcelona hat es vorgemacht, als auf ihn eine Banane geworfen wurde und er die ganz cool geschält und gegessen hat.“

Deutschland zeichne sich für ihn durch Pünktlichkeit und Disziplin auf der einen und Weltoffenheit auf der anderen Seite aus, schreibt Boateng in einem Beitrag für die Bild-Zeitung vom Freitag. „Die WM 2006 hat das für mich auf eine hervorragende Art und Weise gezeigt. Es war alles perfekt organisiert, aber es wurde auch mit der ganzen Welt gemeinsam ein tolles Fußball-Fest gefeiert.“

Eine große Mehrheit der Deutschen hätte Boateng nach einer Umfrage gerne zum Nachbarn. 82 Prozent bejahten dies in der Erhebung des Instituts TNS Emnid für das Nachrichtenmagazin „Focus“. 11 Prozent verneinten. Für eine überwältigende Mehrheit der Deutschen ist die Hautfarbe eines Fußball-Nationalspielers nach einer Umfrage ohne Belang. Nur für sechs Prozent der 1556 Befragten wäre „keine helle Hautfarbe“ ein Ausschlusskriterium, ergab die Erhebung. Sie wurde von Wissenschaftlern zusammen mit dem Infratest-dimap-Institut geführt, wie der Gießener Sportsoziologie-Professor Michael Mutz am Dienstag mitteilte.

Gauland-Sager

Die Fragen wurden Mutz zufolge zwar in direktem Bezug zur anstehenden Fußball-Europameisterschaft gestellt, beziehen sich aber auf alle Sportarten. „Die Deutschen messen der Hautfarbe der DFB-Spieler überhaupt keine Bedeutung bei“, sagte der Sportsoziologe. Drei Viertel (76 Prozent) wären jedoch dagegen, einen Sportler mit extremen politischen Ansichten für das Nationalteam zu nominieren. Dies könne daran liegen, dass sie es ablehnten, Sport für politische Zwecke zu instrumentalisieren, erklärte Mutz.

Der AfD-Vizechef Alexander Gauland hatte zuvor Empörung ausgelöst mit der Aussage: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Freude über Merkel

Boateng zeigte sich erfreut über die klare Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Das hat mich natürlich gefreut. Vor allem, weil sie sich so klar und deutlich geäußert hat, was, glaube ich, auch wichtig ist. Nicht nur für mich, sondern auch für unser Land“, sagte Boateng den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.