Politik | Ausland 16.01.2012

Deutsche deckten Gaddafi-Sohn

Bayerns Justizministerium bestätigt: Im Umgang mit Diktatoren-Sohn Saif al-Arab Gaddafi wurden alle Augen zugedrückt.

Vor acht Monaten starb der jüngste Sohn des libyschen Ex-Diktators Gaddafi durch eine NATO-Bombe auf Tripolis. Doch der Name Saif al-Arab bleibt für die deutschen Behörden peinlich: Fünf Jahre lang hatte der Playboy und vermeintliche Medizinstudent in München gelebt – und das ohne die dafür notwendigen Papiere. Wie Bayern Justizministerin Beate Merk (CSU) nun auf Anfrage der Landtags-Grünen bestätigte und die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatten die bayerischen Behörden nie ein Visumverfahren gegen den Gaddafi-Spross eingeleitet. Dabei war der damals 24-Jährige mit einem Touristenvisum nach Deutschland eingereist und dann einfach geblieben. Der Grund: Das deutsche Außenministerium hatte die Bayern ersucht, wegen der „erheblichen außenpolitischen und außenwirtschaftlichen Interessen der Bundesrepublik in Libyen“ ein Auge zuzudrücken.

Später erhielt Gaddafi Aufenthaltsgenehmigungen, aber ohne die zwingend vorgeschriebenen sicherheitsrechtlichen Befragungen. Und auch sonst konnte sich der neureiche Wüstensohn problemlos leisten, wofür andere Ausländer schnell in ein Flugzeug Richtung Heimat verfrachtet worden wären: Er prügelte sich in Discos, bespuckte einen Polizisten, fuhr betrunken mit seinen Luxuskarossen und stand sogar im Verdacht, Waffen geschmuggelt zu haben.

Interventionen

Doch jedes Mal, wenn deutsche Polizisten ernsthaft ermitteln wollten – insgesamt elf Mal – soll der Bundesnachrichtendienst (BND) interveniert haben. Die Ermittler durften nicht einmal Gaddafis Telefone überwachen. Offenbar wollte man in Deutschland Tumulte vermeiden, wie sie die Verhaftung von Gaddafis Sohn Hannibal verursacht hatten. Dieser hatte sich in einem Hotel mit Angestellten geprügelt, worauf die Schweizer Polizei den Polternden einsperrten – sehr zum Ärger seines erbosten Vaters. Diktator Muammar Gaddafi zog seine Milliarden aus der Schweiz ab, forderte vor der UNO die Auflösung der Schweiz und nahm zwei Schweizer Geschäftsleute in Libyen in Geiselhaft. Zumindest in einem Fall wird nun der freundliche Umgang der deutschen Behörden mit Saif al-Arab Gaddafi untersucht: Die Nürnberger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Strafvereitelung.

Gaddafis Söhne: Unrühmlich prominent

Geflohen oder tot Hannibal, Mohammed und Aisha Gaddafi flohen nach Algerien, Saadi hat Exil im Niger erhalten. Zwei Diktatoren-Söhne, Motassim und Saif al-Arab, wurden bei den Kämpfen in Libyen bzw. bei NATO-Angriffen getötet.

Saif al-Islam Der auch in Österreich berühmt-berüchtigte Gaddafi-Sohn, einst ein Freund Jörg Haiders, ist in Libyen in Haft. Dem 39-Jährigen, der seinem Diktatoren-Vater nachfolgen wollte, soll in Libyen der Prozess gemacht werden.

( Kurier ) Erstellt am 16.01.2012