Politik | Ausland
27.03.2012

Der Winkelzug wird den Despoten nicht retten

Dass Syriens Machthaber jetzt einem Friedensplan zustimmt, ist pure Taktik.

Dieser Mann lässt wirklich keine Gelegenheit aus, mit seinen arabischen Brüdern und der Welt Katz und Maus zu spielen. Ein Jahr lang lässt Syriens Machthaber Bashar al-Assad die Protestbewegung in seiner Heimat mit der tödlichen Feuerkraft seines Sicherheitsapparates niederwalzen, Beobachtern der Arabischen Liga (AL) zeigt er Potemkin’sche Dörfer und damit den Stinkefinger. Doch jetzt, genau zum Beginn des AL-Gipfels in Bagdad, präsentierte sich der Despot zu Damaskus am Dienstag handzahm: Laut Auskunft von UN-Sondervermittler Kofi Annan ist Assad zur Annahme des Friedensplanes bereit.

Das Kalkül des Diktators ist klar. Er will einen Keil zwischen die 22 Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga treiben. Denn deren Front gegen Syrien ist keinesfalls geschlossen. Zwar kurbeln allen voran die sunnitisch-religiösen Eiferer in Saudi-Arabien und das an Geld und Einfluss reiche Emirat Katar massiv, um Assad zu stürzen – auch um den schiitischen Regional-Rivalen Iran als Verbündeten Syriens zu schwächen. Doch die schiitisch dominierten Regierungen im Irak und im Libanon stützen das Regime in Damaskus weiterhin.

Der Winkelzug wird den Tyrannen aber nicht retten. Selbst wenn er sein Angebot ernst meinte und tatsächlich alle schweren Waffen wieder in die Kasernen beorderte – am Ende der Verhandlungen kann nur sein Abschied von der Macht stehen. Mit ihm und seinen Günstlingen, an deren Händen das Blut von mindestens 9000 toten Syrern klebt, ist kein Staat zu machen. Wenn er Glück hat, darf er ins (iranische) Exil gehen. Gerecht wäre das nicht. Denn Leute wie er verdienen nur einen Platz – vor dem Internationalen Strafgerichtshof.

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