Panzer vom Typ Leopard: Estland bestellte sechs Stück

© APA/EPA/FILIP SINGER

Ukraine-Krise
12/23/2014

Das Baltikum rüstet auf

Die Balten haben Angst vor dem russischen Bären und schaffen sich Kriegsgerät an.

Was tun, wenn der russische Hunger nach Territorium auch nach der Annexion der Krim noch nicht gestillt ist? Auch wenn es derzeit kaum Anzeichen für weitere Gebietsansprüche Moskaus gibt (in der Ukraine sind neue Friedensgespräche geplant), sind die ehemaligen Sowjetrepubliken in Alarmbereitschaft. Denn Russland gibt Anlass für Schrecken: Kaum ein Tag vergeht, an dem das russische Militär nicht nahe an Luft- und Seegrenzen anderer Länder herankommt. Die baltische Luftraumüberwachung der NATO hat nach eigenen Angaben allein Anfang Dezember täglich bis zu 30 russische Militärflugzeuge abgefangen, die über der Ostsee oder vor der Küste Norwegens mit ausgeschaltetem Transponder unterwegs waren. Litauen versetzte sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem auf See 22 russische Kriegsschiffe entdeckt wurden und eine schwerbewaffnete Korvette sich der Seegrenze auf fünf Kilometer näherte.

Auch die Meldungen, dass Russland am Dienstag eine neue Trägerrakete von Typ Angara-A5 erfolgreich testete, beruhigen da nicht gerade. "Angara" ist die erste Rakete, die nach dem Ende der Sowjetunion 1991 vollständig in Russland gebaut wird. Sie soll Forschungs- und Militärsatelliten ins Weltall schießen.

"Klimawandel"

Und das Baltikum reagiert: Seit der Einmischung Russlands in die Ukraine wurde ein sprunghafter Anstieg bei der Anschaffung von Kriegsgerät verzeichnet. "Die derzeitige Sicherheitslage wird uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Das ist nicht nur eine Schlechtwetterperiode, das ist ein Klimawandel", kommentierte der estnische Ministerpräsident Taavi Roivas die Entwicklungen an der nordöstlichen Grenze der EU.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion traten die baltischen Länder im Jahr 2004 sowohl der EU als auch der NATO bei. "Die Präsenz der NATO im Baltikum muss aufrechterhalten und erhöht werden", sagte Roivas bei einem Besuch in den USA, wo er insbesondere auf den Abschluss neuer Rüstungsverträge drängte.

So unterzeichnete der Verteidigungsminister Estlands Sven Mikser jüngst den größten Waffenlieferungsvertrag in der Geschichte des Landes. Für insgesamt 138 Millionen Euro schafft das 1,3 Millionen Einwohner zählende Estland nun 44 Panzer vom Typ CV90 und sechs vom Typ Leopard aus den Niederlanden an. Zuvor hatte es bereits in den USA für 40 Millionen Euro 40 Stinger-Raketensysteme bestellt.

Lettland kaufte Großbritannien im August für 48 Millionen Euro 123 Kriegsfahrzeuge ab und unterzeichnete im November mit Norwegen einen Vertrag über vier Millionen Euro, um 800 Panzerabwehrsysteme und 100 Lastwagen anzuschaffen.

Litauen wiederum kaufte im September von Polen ein Grom-Luftabwehrsystem für 34 Millionen Euro und kündigte an, für weitere 16 Millionen Euro Panzerabwehrraketen in den USA zu ordern.

Aufhalten, bis Hilfe kommt

Die Militär-Gesamtausgaben der drei baltischen Staaten betrugen somit in sechs Monaten rund 300 Millionen Euro. Die Politik habe ihre Einstellung zu Verteidigungsausgaben "entscheidend geändert", hieß es in einem Bericht des lettischen Instituts für Internationale Angelegenheiten. Entsprechend stockten alle drei Länder ihre Verteidigungsbudgets merklich auf. Doch das Gesamtbudget der Balten, der 2014 bei 1,2 Milliarden Euro lag, wirkt im Vergleich mit den Finanzmitteln der russischen Armee geradezu lächerlich gering: Russlands Militärhaushalt belief sich im selben Zeitraum auf umgerechnet 60 Milliarden Euro.

Zweifellos hätten die baltischen Armeen dem übermächtigen Moskau militärisch alleine kaum etwas entgegenzusetzen. Es ginge im Grunde darum, eine russische Offensive so lange aufzuhalten, bis Unterstützung durch die transatlantischen Partner einträfe, wie der litauische Militärexperte Aleksandras Matonis erläutert. "Im schlimmsten Fall, bei einer Aggression gegen die baltischen Staaten und dem Inkrafttreten der NATO-Verteidigungspläne, würde es noch etwas dauern, bis die Alliierten reagieren", sagt Matonis. Die Länder müssten daher "eine erste Welle der Aggression" selbst abwehren können.

Um diese Spanne zu verkürzen, wurde auf dem vergangenen NATO-Gipfel die Schaffung einer super-schnellen Eingreiftruppe beschlossen: Diese so genannte Speerspitze soll binnen weniger Tage einsatzbereit sein. Zudem sollen neue Stützpunkte der Allianz in Ost- und Mitteleuropa errichtet werden.

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