Politik | Ausland
20.12.2012

„Sie machen einen beinharten Job“

Verteidigungsminister Darabos bei den Österreichern im UNO-Friedenseinsatz im Nahen Osten.

Weihnachtsbesuch bei österreichischen UNO-Soldaten im Nahen Osten: Das ist in Zeiten des Bürgerkrieges in Syrien mit Hunderttausenden Flüchtlingen und dem immer noch bestehenden Kriegszustand zwischen dem Libanon und Israel keine einfache Sache. Verteidigungsminister Norbert Darabos war in den vergangenen zwei Tagen bei der rot-weiß-roten Truppe in Naqura, dem UNIFIL-Hauptquartier. 157 österreichische Soldaten sind hier stationiert. „Sie machen einen harten Job, die Mission ist extrem herausfordernd“, sagte Darabos. Er lobte die Arbeit der Österreicher, die für Transport, Logistik und für die Feuerwehr von 11.600 UNIFIL-Soldaten zuständig sind.

"Wie sind eingedeckt mit Aufträgen"

Mehr als 30 Nationen sind hier tätig, davon 13 aus EU-Staaten. „Unsere Friedenseinsätze können sich sehen lassen“, schildert stolz ein niederösterreichischer Milizsoldat. Österreich zählt zum drittgrößten Truppensteller der EU für internationale Friedensmissionen, ihre Arbeit wird bei UNO, EU und NATO sehr geschätzt. Um 155 Soldaten und zwei Soldatinnen den Dienst über Weihnachten zu erleichtern, gab es Geschenke aus der Heimat. Kulinarische Schmankerln, Salami, Speck, Vollkornbrot – und einen neuen Billardtisch. Am 24. Dezember müssen die Österreicher das Kontingent aus Sri Lanka zum Flughafen nach Beirut bringen und die neue Mannschaft zurück nach Naqura. „Wir sind eingedeckt mit Aufträgen“, so Kommandant Hans-Peter Hohlweg.

Militärsuperintendent Oskar Sakrausky weiß, dass die Feiertage für manche Soldaten schwer zu ertragen sind. Fern von Familie und Freunden suchen viele ein Gespräch mit dem Seelsorger. Sicherheitspolitisch ist die Lage im Dreieck von Syrien, Libanon und Israel „absolut fragil“. Darabos hatte vom UNIFIL-Hauptquartier auch eine Videokonferenz mit den Militärs auf den Golan-Höhen, wo österreichische Soldaten besonders gefährdet sind. Patrouillen in bestimmten Bereichen sind ihnen derzeit untersagt, die Transporte über Damaskus verboten. Ein- und Ausreisen erfolgen nur noch über Israel. Dass der UN-Sicherheitsrat das Mandat am Golan oder für die UNIFIL-Truppe verschärft, ist nicht oder noch nicht geplant, betonen der Minister und hohe Offiziere. „Wir sind auf alle Optionen bestens vorbereitet“, erklärt Oberstleutnant Hohlweg.

Syrien-Krise

Eine Massenflucht von Syrern in den Libanon wird nicht ausgeschlossen, dann heißt es humanitäre Hilfe zu leisten. Bis jetzt suchten 150.000 Flüchtlinge aus Syrien Schutz im Libanon. Sie sind nicht in Lagern untergebracht, sondern leben bei Verwandten, auf der Straße oder in aufgelassen, kalten Ziegenställen. Klagen über mangelnde internationale Hilfe sind unüberhörbar. Leicht möglich, dass auf die UNIFIL-Truppe schon bald neue Aufgaben zukommen. Die Annahme, er werde nach einer möglichen verlorenen Volksbefragung zur Wehrpflicht zurücktreten, versuchte Darabos im KURIER-Gespräch zu widerlegen: „Das ist nicht mein letzter Truppenbesuch.“