Darsteller Ove Sprogoe, Morten Grunwald und Poul Bundgaard in einem der "Olsenbande-Filme"

© /Geert Bardrum

Dänemark
06/13/2016

Dänischer Einbürgerungstest: Kennen Sie die Olsenbande?

Verschärfter Test lässt Anwärter verzweifeln, manche Fragen wissen nicht einmal "persönlich Betroffene".

Was muss man über ein Land wissen, um Staatsbürger zu werden? Über diese Frage streitet ganz Dänemark, seit in der vergangenen Woche mehr als 2400 Anwärter über einem verschärften Einbürgerungstest brüteten - und verzweifelten.

„Es war wie “Wer wird Millionär?„ mit nur 250 000-Kronen-Fragen“, sagte der Franzose Luc de Visme, der seit über 40 Jahren in Dänemark lebt, nach der Prüfung der Zeitung „Politiken“. Seit Herbst gelten strengere Regeln für das Erlangen der dänischen Staatsbürgerschaft. Dazu gehört der neue Test.

Nicht einmal ein Darsteller der "Olsenbande" wusste es

Unter anderem sollten die Teilnehmer wissen, wann der erste Film der berühmten Olsenbanden-Reihe Premiere hatte: 1968, 1970 oder 1971? Mit der Frage erwischte der dänische Rundfunk sogar einen der Hauptdarsteller der Reihe auf dem falschen Fuß. „Daran kann ich mich noch nicht einmal selbst erinnern“, sagte Morten Grunwald, der in allen 14 Filmen den Ganoven „Benny“ verkörperte, dem Sender DR.

Worum geht es in dem Ballett „Sylfiden“? Wie viele Ständeversammlungen wurden 1834 eingerichtet? Welches dänische Restaurant hat seit Februar 2016 drei Michelin-Sterne? „Absurd“, urteilen Experten über diese und andere Fragen des Wissenstests. Sogar ein Sprecher der Sozialdemokraten räumt ein, einige Fragen seien „ein bisschen bescheuert“ gewesen. Und zahlreiche Dänen bekennen auf Facebook: „Ich hätte nie bestanden!“

Fachwissen oder Glück?

„Es sind 40 Fragen, und bei 10-15 davon fragt man sich: Was für ein Gedanke steckt da eigentlich dahinter?“, sagte der Vorsitzende der dänischen Sprachzentren, Poul Neergaard, der Nachrichtenagentur Ritzau. Dafür brauche es detailliertes Faktenwissen auf sehr hohem Niveau. Oder eine große Portion Glück.

Nach einer Stichprobe der Zeitung „Politiken“ dürften rund zwei Drittel der Teilnehmer bei dem aktuellen Test durchgefallen sein. Ihn zu bestehen ist aber eine von mehreren Voraussetzungen, um dänischer Staatsbürger zu werden. Von 40 Fragen müssen die Teilnehmer dafür 32 richtig beantworten.

Laut Medien könnten die erfolglosen Teilnehmer eine Chance bekommen, die Prüfung zu wiederholen. Das Integrationsministerium schwieg dazu am Montag. Sollte Ministerin Inger Støjberg - sonst für ihre harte Kante gegen Ausländer bekannt - nachgeben, könnte ihre liberale Minderheitsregierung Ärger mit den Rechtspopulisten bekommen.

Die Dansk Folkeparti wehrt sich strikt gegen eine Wiederholung. „Die Latte muss sehr hoch gehängt sein“, sagt deren integrationspolitischer Sprecher Martin Henriksen. „Wenn man Regeln verschärft, hat das auch zur Folge, dass man einige aussiebt.“

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