In der Nacht auf Montag kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen.

© REUTERS/PHILIPPE WOJAZER

Frankreich
10/24/2016

Calais: Räumung des "Dschungels" läuft an

Erneut gewaltsame Zusammenstöße im französichen Flüchtlingslager in der Nacht auf Montag.

Kurz vor Beginn der Räumung des Flüchtlingslagers im französischen Calais haben sich die ersten Flüchtlinge zur Abreise eingefunden: Vor dem von den Behörden eingerichteten Versammlungspunkt in dem "Dschungel" genannten Lager warteten am frühen Montagmorgen rund 60 Flüchtlinge auf Einlass, wie eine AFP-Journalistin berichtete.

Von dem Versammlungspunkt aus sollen die Flüchtlinge in Aufnahmezentren in anderen Teilen Frankreichs gebracht werden. Manche Bewohner lehnen es allerdings ab, das Lager in der Nähe des Ärmelkanals zu verlassen. Sie befürchten, dass sie dann keine Chance mehr auf die gewünschte Weiterreise nach Großbritannien haben.

Steine und Tränengas

In der Nacht hatte es erneut gewaltsame Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und der Polizei gegeben. Polizisten feuerten Tränengasgranaten an einer Umgehungsstraße des Hafens und im Lager ab, wo sie dutzenden Steine werfenden Flüchtlingen gegenüber standen.

Tausende Flüchtlinge

Die französischen Behörden wollten das Lager schon seit geraumer Zeit auflösen. Hilfsorganisationen versuchten dies mit juristischen Mitteln zu verhindern, doch ein Verwaltungsgericht gab am Dienstag Grünes Licht für die Räumung. Betroffen sind Schätzungen zufolge 6.000 bis 8.000 Bewohner. Fast 200 minderjährige Flüchtlinge wurden vor der Räumung nach Großbritannien gebracht.

Der "Dschungel" soll verschwinden

Dezember 2002 Ein Flüchtlingslager in Sangatte bei Calais wird auf Beschluss der französischen und britischen Regierung geschlossen und abgerissen. In dem Hangar hatte das Rote Kreuz seit 1999 mehr als 60.000 Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie dem Irak, dem Iran oder Afghanistan betreut, die nach Großbritannien gelangen wollten.

Februar 2003 Frankreich und Großbritannien unterzeichnen den Vertrag von Le Touquet in dem gleichnamigen nordfranzösischen Badeort. Der Vertrag und weitere Vereinbarungen führen faktisch dazu, dass die Grenzkontrollen für Großbritannien in Frankreich stattfinden. London finanziert im Gegenzug Kontrolleinrichtungen etwa im Hafen von Calais oder am Zugang zum Eurotunnel.

Ab 2003 Auch nach der Schließung von Sangatte lagern Flüchtlinge in der Umgebung von Calais und versuchen, über den Ärmelkanal zu gelangen. Die Behörden vertreiben sie regelmäßig.

September 2009 Die französische Polizei löst den ersten "Dschungel" von Calais auf - eine improvisierte Zeltstadt in einem Industriegebiet, in der sich nach Schätzungen rund 2.000 Flüchtlinge aufhielten. Wieder entstehen kleinere wilde Camps, manche Flüchtlinge schlagen sich auch im Stadtzentrum durch.

Frühjahr 2015 Östlich von Calais entsteht ein neues Flüchtlingslager, der "Neue Dschungel", der bald nur noch "Dschungel" genannt wird.

Jänner 2016 Am Rande des Lagers stellen die französischen Behörden Wohncontainer mit Platz für 1.500 Flüchtlinge auf.

März 2016 Begleitet von teils heftigen Ausschreitungen wird der südliche Teil des Flüchtlingslagers aufgelöst. Die meisten Bewohner weichen einfach in den nördlichen Abschnitt aus.

September 2016 Die französische Regierung kündigt die endgültige Schließung des Flüchtlingslagers vor Jahresende an.

24. Oktober 2016 Die Räumung des "Dschungels" beginnt. Zwischen 6.000 und 8.000 Flüchtlinge sollen in rund 450 Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt werden.

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