Unter den entwurzelten Menschen seien sehr viele Kinder

© EPA/ALI ALI

Jeder zweite Syrer ist auf der Flucht
08/29/2014

Jeder zweite Syrer ist auf der Flucht

Erschreckende Zahlen der UNO zur humanitären Krise in Syrien: Rund 6,5 Millionen Menschen seien auf der Suche nach Sicherheit.

Die Situation der Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien spitzt sich laut Vereinten Nationen dramatisch zu. Inzwischen sei fast die Hälfte aller Syrer wegen der Gewalt auf der Flucht oder aus den Heimatorten vertrieben worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR geht nach neuesten Zahlen von drei Millionen Flüchtlingen aus. Rund 6,5 Millionen Menschen seien innerhalb Syriens auf der Suche nach Sicherheit. Unter den entwurzelten Menschen seien sehr viele Kinder, teilte das Flüchtlingshilfswerk am Freitag in Genf mit.

Immer öfter versuchen die Bürgerkriegsflüchtlinge ihr Glück auf dem Seeweg Richtung Europa - eine Reise, die allzu oft tödlich endet. Ein Beispiel hat sich erneut am Freitag ereignet: Griechenlands Küstenwache griff 138 Migranten auf der Insel Symi auf. Schlepper aus der Türkei hätten sie dort an einem einsamen felsigen Küstenabschnitt an Land gelassen, teilte die Küstenwache am Freitag mit.

In den vergangenen 48 Stunden seien weitere 243 Migranten vor und auf den Ägäisinseln Lesbos, Samos, Farmakonisi, Kos und Rhodos aufgegriffen worden. Die meisten von ihnen stammen den Angaben zufolge aus Syrien und Afghanistan.

"Die Krise in Syrien ist zum größten humanitären Notfall unserer Zeit geworden, aber die Welt versagt dabei, den Menschen und den Ländern, in die sie flüchten, zu helfen", sagte UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. Selbst großzügige Angebote reichten nicht aus. "Die bittere Wahrheit ist, es ist zu wenig", sagte Guterres. Zu den bisher gespendeten 3,1 Milliarden Euro würden bis zum Jahresende noch einmal 1,5 Milliarden Euro gebraucht, um die Flüchtlinge über den Winter zu bringen.

Laut UNHCR passieren die Menschen die Grenzen immer öfter total erschöpft, im Schockzustand, völlig verängstigt und ohne Ersparnisse. Die meisten seien seit mindestens einem Jahr auf einer Odyssee von Dorf zu Dorf gewesen, bevor sie sich endgültig zur Flucht entschlossen. Die Flucht selbst werde immer schwieriger. Die Familien würden gezwungen, die Grenzposten zu bestechen oder Menschenschmuggler zu bezahlen.

Inzwischen lebten im Libanon 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge, in der Türkei 815.000, in Jordanien 600.000. Dort explodierten in einigen Regionen die Lebensmittelpreise. So koste ein Brot mehr als zehnmal so viel wie vor einem Jahr, berichteten die UN weiter. Die Hilfsoperation sei inzwischen das größte Projekt in der 64-jährigen Geschichte des Flüchtlingshilfswerks.

Die Hilfsorganisation Oxfam forderte am Freitag westliche und andere reiche Länder auf, verstärkt syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Nachbarländer Syriens seien "auf Dauer überfordert" mit der steigenden Flüchtlingszahl. Die internationale Gemeinschaft müsse "ihren Teil zur Aufnahme und zum Schutz der Flüchtlinge beitragen".

Kinder auf der Flucht

Syrian refugee children watch Martin Keown, a form

Four-month-old Omar, a baby of the Syrian communit…

Children play with water from a burst water pipe i

File photo shows a Free Syrian Army fighter aiming

A boy, affected by what activists say was a gas at

A girl feeding from bottle, as man affected by wha

SYRIA UNREST BOMB BLAST

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A member of the Free Syrian Army interacts with ch

File picture of a Free Syrian Army fighter taking

Syrian children stand in front of a UNICEF school

Flüchtlingsstrom in Zahlen

Syrien-Krieg: Kinder werden schwer misshandelt

Ein Bericht der UNO zeigt unglaubliche Gräueltaten gegen Minderjährige in den syrischen Kriegsgebieten auf. So würden Regierungstruppen Kinder foltern und sexuell misshandeln. Die Rede ist auch von willkürlichen Festnahmen und die "Verwendung" von Kindern als "menschliche Schutzschilder". Dem Bericht zufolge waren hauptsächlich Kinder von Regimegegnern Opfer von Misshandlungen. Ebenso werden schwere Vorwürfe gegen die Rebellen erhoben: Minderjährige Flüchtlinge würden in den Nachbarländern mit Messern und Gewehren ausgerüstet und als Kämpfer eingesetzt. "Das Leid der Kinder in Syrien seit Beginn des Konflikts ist unaussprechlich und inakzeptabel", sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Dabei spiele die vom Westen gestützte Opposition eine unrühmliche Rolle. Sie setze Jugendliche auch als Kämpfer ein. Aus Mangel an Bildung und Arbeitsmöglichkeiten entschieden sich Minderjährige in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern, zu den Waffen zu greifen. "Viele Burschen geben an, dass sie es als ihre Pflicht empfunden haben, sich der Opposition anzuschließen", sagte Ban.

Schläge und Elektroschocks

Regierungstruppen und regierungstreue Milizen würden immer wieder Jugendliche an Kontrollpunkten einschüchtern und drängten sie dazu, sich ihnen anzuschließen, heißt es in dem Bericht. Zum Instrumentarium der Folterer gehörten auch Schläge, Elektroschocks auch an den Genitalien, das Ausreißen von Finger- und Zehennägeln, Vergewaltigung, Scheinhinrichtungen oder Konfrontation mit der Folter Angehöriger.

Bericht mit vielen Details

Es ist nicht das erste Mal, dass die Vereinten Nationen Syriens Konfliktparteien Misshandlung von Kindern vorwerfen, noch nie aber wurden so viele Details genannt. In dem Bericht werden Vorkommnisse seit Beginn des Aufstandes gegen Syriens Präsidenten Bashar al-Assad aufgelistet. Was im März 2011 mit Demonstrationen begonnen hatte, hat sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg mit deutlich mehr als 100.000 Toten entwickelt, darunter über 10.000 Kinder. Mehr als zwei Millionen Menschen haben sich bisher in Nachbarländern in Sicherheit gebracht, zumeist Frauen und Kinder.

Die dramatische humanitäre Situation wirkt sich auch auf die Flüchtlingsströme nach Europa aus. Im vergangenen Jahr landeten über 11.000 Syrer in Italien. Im Jahr zuvor waren es lediglich 582 gewesen. Mehr dazu hier.

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