Politik | Ausland
30.01.2013

Brüderle lehnt Entschuldigung ab

Der Fraktionschef der FDP äußerte sich in Berlin erstmals zur Debatte um Sexismus.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle denkt nicht an eine Entschuldigung. Der 67-jährige deutsche Spitzenpolitiker hat nicht die Absicht, Stern-Reporterin Laura Himmelreich, die ihm Sexismus vorwirft, um Verzeihung zu bitten. Auch eine öffentliche Klarstellung lehnt Brüderle ab: „Ich bitte einfach, meine persönliche Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen. Sie müssen sie ja nicht teilen“, sagte er gestern, Mittwoch, bei einem Pressetermin in Berlin, bei dem auch Himmelreich anwesend war.

Der Liberale hielt wie gewohnt sein Pressefrühstück ab, das regelmäßig in Sitzungswochen des Bundestages stattfindet. Laura Himmelreich betrat etwa eine Viertelstunde vor Rainer Brüderle den Raum; Kollegen begleiteten die 29-Jährige.

Treffen mit Distanz

Anders als sonst verzichtete Brüderle darauf, die Teilnehmer persönlich mit Händeschütteln zu begrüßen. Zu einer direkten Begegnung zwischen dem Fraktionschef und der Journalistin kam es daher nicht. Doch es war das erste Aufeinandertreffen der beiden seit dem Erscheinen von Himmelreichs Artikel über Rainer Brüderle.

Ihr Porträt über den Liberalen hatte die Sexismus-Debatte in Deutschland ausgelöst, die auch in Österreich zum Thema wurde. Laura Himmelreich hatte darin geschrieben, Brüderle habe sich ihr am Vorabend des Dreikönigstreffens in Stuttgart am 5. Jänner 2012 an einer Hotelbar auf anzügliche Weise genähert. Er habe ihr auf den Busen geschaut und zu ihr gesagt: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Und: „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen.“

Himmelreichs Brüderle-Porträt erschien unter dem Titel „Der Herrenwitz“ vor rund einer Woche im Stern. Knapp zwei Wochen zuvor waren die Reporterin und der Politiker einander bei einem Betriebsbesuch in Osnabrück begegnet. Zu diesem Aufeinandertreffen gab es keine Stellungnahme.

Bei dem Pressefrühstück in Berlin nahm Brüderle jedenfalls erstmals zu der heftig geführten gesellschaftlichen Diskussion Stellung. „ Sexismus ist eine Debatte, die läuft, die eine gesellschaftliche Relevanz hat“, sagte er. Als ein Reporter auf Himmelreichs Anwesenheit im Saal hinwies und fragte, ob er sich privat bei ihr entschuldigen wolle, entgegnete der Politiker: „Ich werde weiterhin keinen Kommentar abgeben.“ Laura Himmelreich saß auf einem Sessel im Hintergrund, machte sich Notizen und stellte keine Fragen.

Als Belastung für die Liberalen sieht sich Brüderle nicht: „Ich sehe das so, dass ich sehr wohl der Partei nütze.“ Sonst hätte sie ihn ja nicht aufgefordert, Spitzenmann im Wahlkampf zu werden. Die Nominierung fand vor Bekanntwerden der Vorwürfe statt. In den eigenen Reihen wird Brüderle weiter rückhaltlos unterstützt.

Die SPD erhöhte den Druck auf den FDP-Fraktionschef und verlangte eine öffentliche Erklärung. „Herr Brüderle muss die Vorwürfe klarstellen, er muss sich endlich erklären“, sagte Generalsekretärin Andrea Nahles zu Spiegel online. „Wenn alles wirklich so passiert ist wie beschrieben, hat Herr Brüderle eine deutliche Grenze überschritten.“