Breivik zeigt am Tatort keinerlei Reue

Breivik zeigt sich kooperativ. Gewissensbisse lässt er auch bei der Rückkehr zum Tatort vermissen.
Foto: RTS/SCANPIX NORWAY

Zur Tatrekonstruktion wurde der Attentäter auf die Insel Utöya gebracht und gefilmt. Das beklemmende Video wird im Prozess verwendet.

Der Attentäter von Norwegen, Anders Behring Breivik (32), ist am Wochenende auf die Ferieninsel Utöya gebracht worden, wo er im Juli 69 Menschen ermordet hatte. Reue zeigte Breivik bei der Tatortbegehung keine. Er habe bei der achtstündigen Rekonstruierung von Details aber gut mit den Ermittlern zusammengearbeitet, sagte Polizeisprecher Pål Hjort.

Die norwegische Zeitung VG zeigte am Sonntag exklusive Fotos und Videoaufnahmen der Inselbegehung, die aus der Luft sowie von der anderen Uferseite aufgenommen worden waren. Darauf ist Breivik zunächst in einem langärmligen roten Pullover zu sehen, wie er ihn bereits in Polizeigewahrsam getragen hatte. Später führt er seine Begleiter in Jeans und rotem T-Shirt über die Insel. Die Handschellen und Fußfesseln, die er nach Polizeiangaben auf der Überfahrt zur Insel trug, wurden ihm abgenommen.

Videoaufzeichnungen

Breivik zeigt sich kooperativ. Gewissensbisse lässt er auch bei der Rückkehr zum Tatort vermissen. Foto: RTS/SCANPIX NORWAY Breivik zeigt sich kooperativ. Gewissensbisse lässt er auch bei der Rückkehr zum Tatort vermissen.

Ziel der Inselbegehung war die kriminalistische Rekonstruktion des Verbrechens. Breiviks Anwalt Geir Lippestad sagte, sein Mandant habe sich an viele Ereignisse erinnern können. Polizisten filmten die Rekonstruktion und nahmen Breiviks Aussagen auf Tonband auf. Die Videos werden wahrscheinlich im Prozess verwendet werden.

Auf den ersten Blick wirken die Aufnahmen so, als inspiziere ein Filmteam mit seinem Hauptdarsteller einen Drehort - wäre da nicht der Großaufdruck "Politi" (Polizei) auf den schwarzen Westen der ihn umgebenden Sonnenbrillen-Männer. Auch Breivik trägt eine Weste und mehrere Gurte am Leib, die der Ausrüstung eines Bungee-Springers gleichen.
Die Ausrüstung trage er, um eine Flucht zu verhindern, aber auch, damit er sich selbst keinen Schaden zufügt, erläuterte der Polizeisprecher.

Täter an der Leine

Zusätzlich ist Breivik in einigen Szenen an einer etwa 10 Meter langen Leine, die ein Polizist im Hintergrund hält. Auf anderen Aufnahmen kann sich der Häftling dagegen relativ frei bewegen. Am Ufer ahmt er mit angelegtem rechten Arm das Zielen mit einem Gewehr Richtung Wasser nach. Danach steckt er seine Hände wieder lässig in die Hosentaschen.

Das sei eine der Stellen gewesen, kommentieren norwegische Medien, wo Breivik auf seine Opfer geschossen hatte, die - teilweise schon getroffen - versucht hatten, schwimmend dem Mörder zu entkommen.

Am 22. Juli hatte Breivik insgesamt 69 Teilnehmer eines Jugendlagers auf Utøya erschossen. Zudem tötete eine zuvor von ihm im Zentrum von Oslo gezündete Autobombe 8 Menschen. In der Isolationshaft hatte Breivik bereits angekündigt, den Ablauf seiner Bluttaten im Detail zu erklären.
Während der Polizeiaktion war die Insel hermetisch abgeriegelt. Sechs Polizeiboote umkreisten die Insel, ein Hubschrauber schwebte darüber.

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(apa, dpa / aho) Erstellt am
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