Triste Lage in Bosnien: Admira Spahic (l.) und Nejira Nalic.

© /Oikocredit

BOSNIEN
10/08/2014

Wahlen ohne Hoffnung: "Alle Politiker sind Diebe"

Am Sonntag wird in Bosnien gewählt. Die Zeiten sind hart.

von Ingrid Steiner-Gashi

Allem hat Admira Spahic getrotzt: dem Krieg, der ihr den Mann genommen hat. Der politischen Stagnation in ihrer Heimat Bosnien. Der Wirtschaftskrise. Dennoch hat die agile Bosnierin aus Gradacac kein Risiko gescheut, wieder einen Neustart zu versuchen. Sie gründete ein kleines Textilhandelsgeschäft und lebte passabel davon – bis im Frühling die Fluten kamen. Die Hochwasserkatastrophe vernichtete die bosnische Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres.

Seither hängt auch Admira durch: "Das Geschäft läuft gar nicht gut. Keiner hat Geld." Und in ihrer Nachbarschaft, erzählt die zweifache Mutter dem KURIER, seien nach wie vor fast alle Häuser kaputt. "Hilfe ist hier keine angekommen." Die Politiker und ihre Versprechen? Der Geschäftsfrau, derzeit auf Einladung der Genossenschaftsbank Oikocredit (vergibt Mikrokredite) in Wien, lacht bitter: "Alle Politiker haben gelogen, das sind alles nur Diebe." Die Wahlen am Sonntag will sie denn auch boykottieren.

Jugend ohne Jobs

Viele der 3,6 Millionen Einwohner Bosniens werden es ihr gleichtun. Fast zwanzig Jahre nach Kriegsende könnte die Lage im Balkanland kaum trister sein: Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist arbeitslos, unter Jugendlichen beträgt die Arbeitslosigkeit gar 72 Prozent. "Fast alle Jungen, besonders die mit einer guten Ausbildung, wollen das Land verlassen", erzählt Nejira Nalic, Direktorin des Mikrofinanzinstitutes MI-BOSPO. Der Sohn ihrer Klientin Admira zählt zu den wenigen Glücklichen mit einem Job. Für 180 Euro Monatslohn arbeitet er in einer Stahlfabrik. "Er will bleiben", sagt seine Mutter, "aber ich würde ihn sofort losschicken."

Geld für Investitionen, der dringend benötigte Schub für Bosnien – all dies versickert in einem Bürokratiemonster namens Regierung und Verwaltung. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Ethnien – Kroaten, Serben, bosnische Muslime – leistet sich das Land in zwei Entitäten 155 Minister. Zwei Drittel der gesamten Staatseinnahmen fließen in den Staatsapparat. Der Frust über den Stillstand, der sich im Frühling in Protesten entlud, ist Apathie gewichen. Profitieren werden bei den Wahlen am Sonntag erneut die nationalistischen und anti-europäischen Parteien in Bosnien.

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