Musician and campaigner Bob Geldof (C) joins a counter demonstration as a flotilla of fishing vessels campaigning to leave the European Union sails up the river Thames in London, Britain June 15, 2016. REUTERS/Stefan Wermuth TPX IMAGES OF THE DAY

© REUTERS/STEFAN WERMUTH

London
06/15/2016

Geldof vs. Farage: Skurrile Bootsschlacht auf der Themse

Im Streit um den Brexit kam es nun zu einer lautstarken Kontroverse auf See.

Die Zeiten, in denen Großbritannien zu den größten Seemächten gehörte, ist zwar vorbei. Dennoch kommt es offenbar noch vor, dass Schiffsschlachten geschlagen werden - zumindest in kleinerer Dimension. So geschehen am Mittwoch auf der Themse. Die Kontrahenten: Musiker und Aktivist Bob Geldof und Europaskeptiker und Parteichef Nigel Farage. Die beiden gerieten mitsamt ihrer rivalisierenden Boote mitten auf dem Fluss aneinander. Die Waffen waren nur akustischer Natur, es floss kein Blut. Stattdessen versuchten sich die beiden, sich gegenseitig zu übertönen mit Argumenten für und wider den Brexit. Auch Beschimpfungen kamen nicht zu kurz.

Geldof, der bald amDonauinselfest gastiert, machte Farages Kampagnenauftritt gegen die EU einen Strich durch die Rechnung. Der Rockstar zog an Bord einer Yacht Richtung der Flotille, auf der der UKIP-Chef gerade mit einer Gruppe von Fischern für den Austritt Großbritanniens kampagnisierte. Via Lautsprecher auf maximaler Höhe schwang Geldof Tiraden gegen Farage. Nachdem 60er-Jahre-Klassiker "I’m in With the In Crowd" ertönt war, kam Geldof ans Mikrophon und erklärte: "Nigel, du bist ein Betrüger!" Die Brexit-Fans rund um Farage hatten Mühe, der phonetischen Übermacht etwas entgegenzusetzen. "Schämt Euch", konnte man vernehmen.

Farage sei kein Freund der Fischer, wetterte der Musiker, während sein Kontrahent vis-à-vis am anderen Boot versuchte, Interviews zu geben. "Hier habt ihr Fakten über die Fischerei: Großbritannien verdient mehr Geld mit der Fischerei als jedes andere Land in Europa. Zweitens hat Großbritannien nach Dänemark die höchsten Fangquoten. Drittens, Großbritannien hat den drittgrößten Absatz. Viertens, du bist kein Freund der Fischer." Farage habe im EU-Fischereikomitee nur eine einzige von 43 Sitzungen besucht. "Ihm ist die Fischerei egal, ihm sind Bestände egal, und ihm sind ganz sicher die Fischer egal. Er benutzt sie, so wie er jeden anderen benutzt. Das ist typisch für Farage, er hat keine Ahnung, was er tut, ich würde nicht auf ihn hören. Es sind alles Lügen, er ist ein Opportunist der schlimmsten Sorte."

Farages Flotte von Fischerbooten machte sich schließlich stromaufwärts Richtung Westminster auf. Die überraschende Verbalattacke auf See nannte er "beleidigend": "Einige dieser Burschen sind aus dem Norden Schottlands angereist. Es sind Gemeinden, denen noch nie einer zugehört hat, wo man zehntausende Jobs hat verschwinden sehen, und ihre Art zu Leben zerstört wurde. Und die kommen hierher, um zu protestieren und sich Gehör zu verschaffen. Was sie bekommen, ist ein Multimillionär, der sich über sie lustig macht. Grauenvoll, ekelhaft."
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.