Maskierter IS-Kämpfer: Viele kehren nach Europa zurück.

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Aus Syrien und Irak
09/11/2016

BKA befürchtet Welle von rückkehrenden Kämpfern aus Syrien und Irak

Verstärkter Datenaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden gefordert

Angesichts der Rückschläge für die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak warnen Sicherheitsbehörden vor der Rückkehr von immer mehr Kämpfern nach Europa.

Rund 6.000 Dschihadisten aus Europa sollen sich zeitweise in der Kriegsregion aufgehalten haben - bis zu einem Drittel soll inzwischen wieder in die Heimatländer zurückgekehrt sein, wie die Welt am Sonntag aus Sicherheitskreisen erfuhr.

"Vielfach extrem radikalisiert, militärisch geschult"

Holger Münch, Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA), bezeichnete die Rückkehrer als Sicherheitsrisiko. Sie seien "vielfach extrem radikalisiert, militärisch geschult und durch Kriegs- und Kampferfahrungen verroht", sagte Münch der Zeitung.

Münch warnte zugleich vor der Vernetzung der Rückkehrer: Die in den Kriegsgebieten geknüpften islamistischen Netzwerke gingen über Grenzen hinweg und hätten "längst Europa erreicht". Ein Beleg dafür seien die Reisebewegungen und Kontakte der Attentäter von Paris und Brüssel.

Reisepässe

Um eine unbemerkte Rückkehr von Dschihadisten zu verhindern, wurden nach Informationen der "Welt am Sonntag" auch die europäischen Fahndungssysteme weiter ergänzt. Demnach wurden aus Syrien und dem Irak vor kurzem weitere Nummern von Blanko-Reisepässen an Interpol gemeldet, die mutmaßlich den Terroristen in die Hände gefallen sind. Insgesamt sollen sich aktuell 5.000 syrische Pässe und 250.000 irakische Pässe im Fahndungssystem befindet. Mindestens zwei Attentäter der Paris-Anschläge vom November 2015 hatten solche Pässe verwendet, um als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu reisen.

Münch fordert besseren Datenaustausch

BKA-Präsident Münch forderte angesichts der anhaltenden Terrorgefahr einen verstärkten Datenaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden. "Nationale Dateninseln darf es nicht mehr geben", sagte Münch. "Nur durch einen schnellen und umfassenden Informationsaustausch, national wie international, können wir Strukturen erkennen und gemeinsam dagegen vorgehen."