Hier plaudern die Mächtigen: Innenleben des Interalpen-Hotels.

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Politik | Ausland
06/11/2015

Bilderberg: Geheimbund oder Plauderrunde

Wüste Verschwörungstheorien rund um das Treffen sind für österreichische Teilnehmer lächerlich.

Den Irakkrieg sollen sie geplant haben, die Ölkrise und die Globalisierung noch dazu: Die Bilderberger sind seit ihrem ersten Treffen im Jahre 1954 Lieblingsobjekt für Verschwörungstheorien aller Art. Teilnehmer an dem jährlichen Treffen von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur wollen davon allerdings nie etwas gehört haben. Für sie handle es sich lediglich um einen offenen und intensiven Gedankenaustausch unter Entscheidungsträgern, wie etwa Rudolf Scholten, seit Jahren Mitorganisator des Treffens, betont: "Und von denen gibt es eher zu wenige. Wo sonst werden Entscheidungsträger angehalten, sich so konzentriert und diszipliniert mit wichtigen Fragen und anderen Sichtweisen zu beschäftigen."

Offenheit demonstriert

Um den Gerüchten gegen die undemokratische Geheimbündlerei entgegenzuwirken, bemühen sich die Organisatoren in jüngster Zeit um mehr Transparenz. So wird nicht nur die Liste aller zu besprechenden Themen, sondern auch die sämtlicher Teilnehmer veröffentlicht. Vielleicht könne man mit der neuen Offenheit ein paar noch Unentschiedene von der Harmlosigkeit des Treffens überzeugen, gibt sich Scholten bescheiden optimistisch: "Die überzeugten Bilderberg-Gegner aber wollen gar nicht hören, dass die Verschwörungen lächerliche Behauptungen sind."

Keine Bedenken

Dem Tagungsort entsprechend sind heuer viele Österreicher dabei. Bundespräsident Heinz Fischer etwa, der, wie man in der Hofburg betont, auf private Kosten zu dem Treffen fährt. Von angeblichen Verschwörungen will auch auf direkte Nachfrage keiner der heimischen Teilnehmer etwas wissen.

"Ich freue mich auf spannende Diskussionen über interessante Themen", meint etwa Wolfgang Hesoun, Chef von Siemens Österreich. Bei einer so prominenten Teilnehmer-Liste könne es wohl nicht ehrenrührig sein, an dem Treffen teilzunehmen. Verschwörungstheorien jedenfalls kann er nichts abgewinnen:"Ich frage mich, was an dem Treffen geheim und verschwörerisch ist?"

Weiterführende Links

Ein Mini-G-7 in den Tiroler Bergen

Der Eingang zum Hotel Interalpen-Tyrol auf dem Seefelder Plateau ist ein Garagentor. Durch das können Gäste der 5-Sterne-Superior-Herberge direkt mit ihrem Auto an die Rezeption fahren. Das ist bequem und schützt vor neugierigen Blicken. Und die sind dieser Tage noch weniger gefragt als sonst. Denn von heute, Donnerstag, bis kommenden Sonntag ist die alpine Residenz auf 1300 Metern Tagungsort der Bilderberg-Konferenz. Die findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und ist mit Hochkarätern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien besetzt.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Für Österreichs Polizei ist der bereits vor zwei Wochen angelaufene Assistenzeinsatz für das am Montag in Bayern zu Ende gegangene G-7-Treffen nahtlos in den Bilderberg-Einsatz übergegangen. Bis zu 2100 Beamte werden im Dienst sein. Die Exekutive hegte im Vorfeld die Befürchtungen, dass gewalttätige G-7-Gegner auch in Tirol Randale machen könnten. In Wahrheit hat es bei dem Gipfeltreffen nur ein Scharmützel zwischen Demonstranten und Polizei gegeben. Keine Spur von Gewaltexzessen.

Mehr Privatjets

Schutz für den Gipfel„Das ist sicher sehr positiv. Aber wir wissen nicht, was uns erwartet und sind vorbereitet. Wir beobachten die Lage sehr genau und werten die Informationen aus, um unseren Einsatz zu dimensionieren“, sagt Christoph Hundertpfund vom Landeskriminalamt Tirol. Die Sicherheitsvorkehrungen erinnern durchaus, wenn auch in kleinerem Rahmen, an das G-7-Treffen: Wie Schloss Elmau in Bayern liegt auch das Interalpen-Hotel Tyrol abgeschieden am Berg. Die Zufahrtsstraße wird auch in diesem Fall gesperrt. Rund um das Hotel gilt ein Platzverbot, zudem wurde in einem Radius von 50 Kilometern eine Flugverbotszone eingerichtet, die vom Bundesheer überwacht wird.

Der reguläre Flugverkehr zum Innsbrucker Airport wird dadurch nicht beeinträchtigt. An dem wird in den kommenden Tagen sogar noch mehr Betrieb herrschen, wie Sprecher Patrick Dierich bestätigt: „Wir haben ein erhöhtes Aufkommen von Privatjets.“

Demo in Telfs

Ein Großteil der rund 140 Konferenzteilnehmer aus 22 Ländern dürfte mit Privat- und Linienmaschinen landen. Polizeieskorten lotsen die Gäste dann über die Inntalautobahn zum Hotel, das oberhalb von Telfs in den Wäldern liegt. Dort gibt es auch private Security.

Und wie der G-7-Gipfel hat auch das Bilderberg-Treffen seine Gegner. Sie kommen ebenfalls aus dem Globalisierungs- und Kapitalismus-kritischen Lager. Das überparteiliche Bündnis „Bilderbergprotest 2015“ macht mobil gegen die Veranstaltung und organisiert u. a. am Samstag eine Demo in Telfs.

Gewalt unerwünscht

Von Verschwörungstheorien, die sich um das Treffen ranken, grenzt sich das Bündnis aber ebenso ab, wie von Gewalt. „Wir verzichten bei der Demonstration bewusst auf die Nähe zum Hotel“, erklärt Mesut Onay von den Grünen, einer der Organisatoren des Protests. Der richtet sich einerseits gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Tagung, aber auch dagegen, dass die öffentliche Hand die Kosten für den Polizeieinsatz trägt. Die sollen sich auf rund drei Millionen Euro belaufen.