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Berlusconis Tochter soll Nachfolge antreten
Berlusconis Kinder springen für den verurteilten Vater in die Bresche. Sein Rücktritt steht aber nicht einmal bei der Opposition zur Debatte.
Nennen wir es nicht Gerichtsurteil, nennen wir es nicht Prozess und vor allem nennen wir es nicht Recht. Das war ein absurdes Spektakel und hatte mit Justiz nichts zu tun“, machte Silvio Berlusconis älteste Tochter Marina ihrem Ärger Luft. Für die 46-jährige Präsidentin der familieneigenen Finanzholding Finivest stand der Gerichtsbeschluss von Beginn an fest. Der 76-jährige Ex-Premier wurde am Montag wegen Amtsmissbrauchs und Verführung Minderjähriger zur Prostitution in erster Instanz zu sieben Jahren Haft und Ausschluss aus allen öffentlichen Ämtern verurteilt.
Laut Spekulationen könnte die Unternehmerin bald in die Fußstapfen ihres Vaters treten und in die Politik einsteigen. Sohn Piersilvio, 44, der sich sonst von Politik fernhält und eher als Frauenheld auf Society-Seiten auftaucht, meldete sich ebenfalls zu Wort: „Ich habe mich in all den Jahren nie zu dem Unrecht, das mein Vater erleidet, geäußert. Aber bei dieser absurden Verurteilung kann ich nicht mehr schweigen.“

Schwerer aber wiegt der Amtsmissbrauch, den sich der damalige Regierungschef durch seine persönliche Intervention beim Polizeipräsidenten zu Schulden kommen ließ. Er erwirkte die Freilassung Rubys, die nach einem Diebstahlverdacht festgenommen worden war.
Zu alt für Haft

Armee für Berlusconi
Premier Enrico Letta versuchte sich vom Ausgang des Ruby-Prozesses nicht beeindrucken zu lassen: „Die Regierung ist stabil, Berlusconis Prozesse haben keinen Einfluss darauf.“ Letta war immer schon der Ansicht, dass er so arbeiten müsse, als gäbe es diese Themen gar nicht: „Die Regierung respektiert die Unabhängigkeit der Justiz.“ Kurios, dass der neue Film des römischen Regisseurs Nanni Moretti „Der Italiener“ die Realität trifft. Auch da wird der Angeklagte zu sieben Jahren Haft und zum Ausschluss von öffentlichen Ämtern verurteilt.