Politik | Ausland
07.07.2017

Bereits einer von 103 Jemeniten mit Cholera infiziert

In eineinhalb Monaten stieg die Zahl auf 263.000 Verdachtsfälle und 1.587 Tote.

Im Bürgerkriegsland Jemen breitet sich die Cholera-Epidemie mit nie da gewesener Geschwindigkeit aus. "Einer von 103 Jemeniten ist bereits mit Cholera infiziert, jeden Tag kommen 7.500 neue Verdachtsfälle hinzu", sagte Andrea Reisinger, Leiterin der Abteilung für internationales Katastrophenmanagement des Roten Kreuzes, im APA-Interview. Humanitäre Hilfe ins Land zu bringen, sei schwierig.

Bereits Mitte Mai hatte das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Sanaa den Notstand ausgerufen - bei 14.000 Cholera-Verdachtsfällen und 186 Toten. In eineinhalb Monaten stieg die Zahl auf 263.000 Verdachtsfälle und 1.587 Tote, berichtete das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag. Weil mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen zerstört und das Abwassersystem zusammengebrochen ist, sei die Brech-Durchfallkrankheit seit einem dreiviertel Jahr nicht in den Griff zu bekommen.

Dazu kommt, dass 17 Millionen Menschen von Hunger bedroht sind. "Wer mangelernährt ist, hat weniger Selbstheilungskräfte und ist noch anfälliger für Krankheiten", erläuterte Reisinger.

Medizin-Lieferung nur beschränkt möglich

Das Land im Süden der arabischen Halbinsel ist auf Nahrungsmittelimporte angewiesen, die früher über den Hafen Hodeida am Roten Meer gebracht wurden. Seit April ist er größtenteils zerstört. "Wir fragen uns, wie wir die Hilfsgüter in den Jemen bekommen sollen", sagte Reisinger. Trotz gecharterter Flugzeuge und anderer Häfen treffen weniger als 30 Prozent der benötigten Medizin im Land ein.

Der österreichische Katastrophenfonds und der Lebensmittelfonds halfen mit insgesamt 1,5 Millionen Euro, die an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz ( IKRK) weitergeleitet wurden. Damit werden Krankenhäuser mit Medikamenten beliefert, Ärzte und Krankenschwestern trainiert und Chlor-Tabletten zur Wasserreinigung verteilt.

Drei Jahren Bürgerkrieg

"Die Mitarbeiter des jemenitischen Roten Halbmondes bringen den Menschen richtiges Händewaschen bei und kontrollieren das Abwassersystem in Gefängnissen, wo Menschen auf engstem Raum zusammen leben", berichtete Reisinger. Das Rote Kreuz könne humanitäre Hilfe anbieten, doch letztlich seien politische Lösungen für den Konflikt gefragt, denn "wenn die Regeln des humanitären Völkerrechts missachtet und Krankenhäuser bombardiert werden, können Cholera und Hungersnöte leichter ausbrechen".

Im Jemen tobt seit drei Jahren ein heftiger Bürgerkrieg zwischen Aufständischen und der international anerkannten Regierung des Landes. Eine sunnitische Allianz unter Führung Saudi-Arabiens fliegt Luftangriffe gegen die Rebellen. Die Bombardements trafen oft die Infrastruktur des Landes, darunter Gesundheitseinrichtungen. Viele Menschen haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen.