Der Ex-König hat Teile seiner Besitzungen zurück bekommen und lebt, heute 93-jährig, in Bukarest

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Vor 25 Jahren
12/22/2014

Begegnung mit Rumäniens letztem König

Nach der blutigen Wende vor 25 Jahren traf Georg Markus Michael I. im Schweizer Exil.

von Georg Markus

Es war in den letzten Dezember-Tagen des Jahres 1989. In Bukarest hatte ein Militärgericht den rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena zum Tod verurteilt und hingerichtet. In diesem Moment erinnerte sich die Welt daran, dass Rumänien bis 1947 von einem König regiert worden war, der mittlerweile im Schweizer Exil lebte. Ich machte mich auf den Weg nach Genf, um ihn zu treffen.

Traum vom Neubeginn

40 Jahre lang hatte sich kein Mensch um ihn gekümmert, doch nach der blutigen Revolution in Rumänien wurde Ex-König Michael wiederentdeckt. "Die Zeit ist reif für einen Neubeginn in meinem Land", sagte er, als ich ihm vor 25 Jahren im Salon seiner Genfer Villa gegenübersaß. Und er wollte bei dem Neubeginn seinen Anteil leisten.

König Michael I. hatte Rumänien zehn Jahre regiert und musste dann aus der Ferne mit ansehen, wie sein Land vom kommunistischen Regime in den Abgrund getrieben wurde. Seine oft an die Welt gerichteten Warnungen vor Ceausescu und dessen Clan verhallten ungehört.

Als er sah, wie der Geheimdienst "Securitate" 1989 auf seine Landsleute schoss, wie Häuser, Schlösser und sein ehemaliger Königspalast zerstört wurden, empfand Michael "Trauer und Verzweiflung". Seine Frau Anna betrat den Salon. Während der König im Exil Ruhe ausstrahlte, zeigte die geborene Prinzessin Bourbon-Parma – eine Nichte der letzten österreichischen Kaiserin Zita – Emotion. "Am liebsten", erklärte sie, "wäre ich nach Temeswar gefahren, hätte all die Leute auf der Straße in die Arme genommen und mit ihnen geweint".

Er wollte zurück zu seinem Volk, sagte Michael von Hohenzollern–Sigmaringen, so sein "bürgerlicher Name". Geboren wurde er 1921 auf Schoss Sinaia im Königreich Rumänien, dessen Thron seine Ahnen seit 1866 innehatten. Michael sah "eine realistische Chance" für seine Rückkehr, an die er eine einzige Bedingung knüpfte: "Dass mich das Volk haben will. Von oben ist genug diktiert worden, jetzt müssen die Rumänen sprechen. Und ich glaube, ich besitze die nötige Autorität."

Tatsächlich gab es nach der blutigen Revolution Rufe, die Monarchie mit Michael an der Spitze wieder einzuführen. Es wäre seine dritte Regentschaft gewesen: Als man seinen Vater, König Carol II., 1927 zum Verzicht auf die Krone zwang, bestieg Michael I. zum ersten Mal den Thron. "Ich war sechs Jahre alt und verstand natürlich nicht, was da um mich herum vorging."

Die zweite Abdankung

Doch drei Jahre später kehrte sein Vater aus dem Exil zurück und löste seinen minderjährigen Sohn ab. Bis Carol 1940 neuerlich zur Abdankung gezwungen wurde, um Michael zum zweiten Mal den Thron zu überlassen.

Freilich sah der "starke Mann" Rumäniens, General Antonescu, der schon König Carol gestürzt hatte, in dem jetzt 19-jährigen König Michael immer noch den "kleinen Buben" aus seiner ersten Regentschaft. "Ich erbte ein schwieriges Amt", erzählte Michael, "mir waren die Hände gebunden, und so musste ich aus dem Radio erfahren, dass Rumänien der Sowjetunion den Krieg erklärt hatte. Und das, obwohl ich wusste, dass das Volk genauso gegen den Krieg war wie ich selbst."

Daraufhin setzte Michael einen Schritt, der Geschichte schrieb. Er ließ den mit den Nazis paktierenden General Antonescu 1944 verhaften und schloss einen Separatfrieden mit der Sowjetunion. Die Alliierten haben es ihm nicht gedankt. "Später erfuhr ich, dass längst vereinbart war, dass Rumänien dem sowjetischen Einflussbereich angehören würde".

Zwei Jahre war Michael dann – ein weltweit einzigartiges Kuriosum – der König eines kommunistisch regierten Landes. Bis er 1947 mit vorgehaltener Pistole zur Abdankung gezwungen und aus dem Land vertrieben wurde.

Ein glückliches Land

Michael hatte Rumänien "als glückliches Land in Erinnerung", dessen soziale Sicherheit vor dem Krieg an vierter Stelle in Europa lag. "Jetzt müssen wir den Menschen das Land zurückgeben, das ihnen Ceausescu geraubt hat."

In der Villa des Ex-Königs herrschte Hektik, der so lang vergessene Monarch stand mit aller Welt in Verbindung, Anrufe von Präsident Mitterrand bis zu seinem Cousin, Prinz Charles, langten ein.

Als ich Michael fragte, wie er die Exekution Ceausescus und seiner Frau beurteilte, sagte er: "Ich bin gegen jede Form der Gewalt, ein regulärer Prozess wäre der einzig richtige Weg gewesen."

Nach seinem Sturz im Dezember 1947 ging der Monarch ins Schweizer Exil, arbeitete als Gärtner, Pilot, Landwirt, Bankbeamter, Börsenmakler. Denn während sein Vater, König Carol, sein Vermögen in die Emigration retten konnte, war dies Michael nicht möglich. Dafür gab es nach dem Tod des Vaters ein böses Erwachen: König Carol hatte seine Besitzungen seiner langjährigen Geliebten Madame Lupescu vermacht, worauf Michael mit Frau und fünf Töchtern in ein bürgerliches Leben finden musste.

Ich bin für mein Volk da

Damals aber, im Dezember 1989, war das Ehepaar auf dem Sprung in die alte Heimat. "Ich betrachte meine Rückkehr als Verpflichtung", sagte er, "es ist klar, dass ich für mein Volk da bin, wenn es mich braucht, wenn ich ihm helfen kann." Noch deutlicher wurde seine Frau: "Mein Mann hat 40 Jahre darauf gewartet, dass Rumänien frei ist und er heimkehren kann. Unser Herz ist bei den Menschen dort."

Tatsächlich flog das Ehepaar einige Jahre später nach Rumänien, wo es Teile seines von den Kommunisten beschlagnahmten Besitzes zurückbekam. Heute verbringen der mittlerweile 93-jährige Ex-König und seine Frau den Großteil des Jahres zurückgezogen in ihrer Residenz in Bukarest.

Doch die Staatsform der Monarchie hat in Rumänien kaum noch Anhänger.

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