Politik | Ausland
20.08.2017

Terrorzelle von Barcelona: Vom Imam zu Killern gemacht

Ein Prediger aus Marokko radikalisierte die Jugendlichen in einer Kleinstadt.

Sie gingen in die Schule, spielten gemeinsam Fußball, sprachen perfekt die regionale Sprache Katalanisch und waren, wie ihre Nachbarn im Dorf jetzt kopfschüttelnd erzählen, "gute, gute Menschen". Die Spuren des Anschlags von Barcelona führen in die Kleinstadt Ripoll in den Pyrenäen, nahe der Grenze zu Frankreich. Sie führen – wie bei fast allen Terroranschlägen der letzten Jahre in Europa – zu einer Gruppe Jugendlicher, Kinder von Zuwanderern aus muslimischen Ländern, in diesem Fall Marokko. Wie so oft taucht ein Mann im Leben der pubertierenden jungen Männer auf, der sie fasziniert, radikalisiert und schließlich zu Mördern macht.

Abdelbaki Es Satty hieß der Marokkaner, den die spanischen Behörden für den geistigen Anführer der Terrorzelle hinter den Anschlägen von Barcelona halten. Der als Einzelgänger beschriebene Mittvierziger hatte eigentlich eine üble Karriere als mehrfach inhaftierter Drogendealer hinter sich. Nach Ripoll kam er 2015 als scheinbar Geläuterter, der jetzt den reinen Islam in einer der dortigen Moscheen predigte.

Spurlos verschwunden

Jetzt, zwei Jahre später, ist der rätselhafte Imam spurlos verschwunden, vermutlich nach Marokko. 14 Menschen sind in Barcelona Opfer des Terrors geworden und von den zwölf jungen Männern der Terrorzelle aus Ripoll sind vier verhaftet, fünf von der Polizei erschossen und zwei auf der Flucht, darunter der Fahrer des Lieferwagens, der auf der Touristenmeile Las Ramblas in Barcelona wahllos Menschen tötete und verletzte.

Die Terrorzelle, so melden die Sicherheitskräfte in Barcelona und Madrid übereinstimmend, sei zerschlagen. Die Ermittlungen aber machen eines deutlich: Es waren zumindest zwei weitere noch weit schrecklichere Anschläge geplant.

Messer und Bomben

Einer davon, im Ferienort Cambrils unweit von Barcelona nur Stunden nach dem ersten Anschlag, wurde von der Polizei vereitelt, die die Täter im Auto stoppte und schließlich erschoss. Dort wollten sie ähnlich wie in Barcelona mit dem Auto in die Menge von Passanten fahren. Zusätzlich aber waren alle fünf Terroristen im Auto mit mehreren Stichwaffen ausgerüstet, mit denen sie die Menschen töten wollten.

Der dritte Anschlag sollte mit Bomben ausgeführt werden. Die wurden in einem eigens gemieteten Haus in Alcanar südlich von Barcelona gebaut. Dort aber muss den Terroristen in der Endphase der Vorbereitungen ein Fehler unterlaufen sein. 120 Flaschen mit explosivem Gas hatten sie in dem Haus gebunkert, als es am Mittwoch, also einen Tag vor dem Barcelona-Attentat, zur einer Explosion. Das Haus wurde großteils zerstört, zumindest eine Person wurde getötet.

In Barcelona selbst wurde das Gedenken an die Opfer des Terroranschlags mit einer Trauerfeier in der Basilika Sagrada Familia fortgesetzt

An der Messe in dem weltberühmten Gotteshaus Antonio Gaudis nahmen auch das spanische Königspaar und Ministerpräsident Mariano Rajoy teil.

Eine Botschaft von Papst Franziskus wurde verlesen und Weihbischof Sebastià Taltavull griff noch einmal das Motto der Tausenden Trauernden in Barcelona der letzten Tage auf: "Das Volk hat keine Angst."