Politik | Ausland 26.02.2015

Austro-Dschihadist in Libyen vermutet

Chaos in Libyen: In der Hauptstadt Tripolis haben Islamisten die Macht übernommen (o.). Auch der österreichische IS-Hassprediger… © Bild: REUTERS/ISMAIL ZITOUNY

Am Vormarsch des Islamischen Staates in Libyen dürfte der Wiener Extremist Mahmoud beteiligt sein.

Spätestens seit der Enthauptung von 21 koptischen Christen an einem Strand nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis ist klar, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" IS aus Syrien und dem Irak nun nach Nordafrika expandieren will. Wobei sich Geheimdienste noch nicht ganz einig sind, ob es tatsächlich eine Offensive des IS-Chefs Abu Bakr al-Baghdadis handelt oder um Aktionen regionaler Nachahmer.

Vor allem Italien ist alarmiert. Das Verteidigungsministerium in Rom befürchtet IS-Piraterie vor den eigenen Küsten. Auf Fischerbooten, Kreuzfahrtschiffen oder kleineren Handelsschiffen könnte es zu Geiselnahmen kommen. Flüchtlingsboote könnten als schwimmende Bomben eingesetzt werden. Aktionen, die man aber nur der "originalen" IS aus Syrien zutraut.

Verflechtungen

Jetzt werden aber personelle Verflechtungen zwischen dem Irak und Libyen offenkundig. Seit Samstag sind auf Radio Sirte Ansprachen des IS-Hasspredigers Sheikh Turki Al Binali zu hören. Er zählt zum engeren Führungskreis des IS. Vergangenen Samstag soll er vom IS -Chef in Libyen, Abu Nabil Al Anbari, zum Emir von Sirte ernannt worden sein. Beide sollen sich schon seit Herbst 2014 im Land aufhalten und dort im Auftrag von Khalif Ibrahim zum Aufbau der IS-Strukturen in Nordafrika beitragen.

Mohamed Mahmoud, Abu Usama al-Gharib, Hassprediger…
Mohamed Mahmoud, Abu Usama al-Gharib, Hassprediger, Terrormiliz, IS, Syrien, Raqqa, Provokation © Bild: /SITE
Da kommt nun der österreichische IS-Hassprediger Mohammed Mahmoud ins Spiel. Nachdem er in Österreich wegen El-Kaida-Terrorismus vier Jahre in Haft gewesen war, setzte er sich über Umwege in die syrische IS-"Hauptstadt" Rakka ab. Dort trat er seither als Ideologe und Propagandist in Erscheinung.

In Rakka entstanden in einer Moschee Bilder, die Turki Al Binali bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem 30-jährigen Wiener Mahmoud zeigen. Über Mahmoud zugerechnete Benutzerkonten in sozialen Medien wurden Montag erste Drohungen gegen Europa verbreitet. Es handelte sich dabei um einen Zusammenschnitt von älterem IS-Videomaterial mit deutschen Untertiteln mit der Kernbotschaft "Erwartet das Merkwürdige".

Es gibt aber auch neueres Material. Am Dienstag wurden im Namen des IS mehrere Propaganda- und Werbevideos im Internet publiziert. Darunter sind Bilder von einer IS-Versammlung von Libyern, die im Raum Nawfaliyah (120 Kilometer östlich von Sirte) stattgefunden haben soll.

Propagandistisches Hauptangriffsziel ist Italien. So wurde Italien neuerlich gedroht, sollte es sich am Kampf gegen den IS beteiligen. Angedeutet wurde unter anderem die Unterbrechung der Erdgasversorgung von Libyen nach Italien. Dass Mahmoud seinen jüngsten Propagandafeldzug aus dem vergleichsweise sicheren, aber weit entfernten Rakka durchführt, wird von Experten bezweifelt. Sie gehen davon aus, dass er sich mittlerweile bei Turki Al Binali in Libyen aufhält.

Erstellt am 26.02.2015