Politik | Ausland
13.04.2017

"Macron ist inhaltlich ein zweiter Hollande"

Der konservative Politiker Philippe Gustin kandidiert bei den Parlamentswahlen in Mitteleuropa.

"Wenn Le Pen oder Mélenchon die Präsidentenwahl gewinnen, ist es das Ende Frankreichs in Europa", formuliert es Philippe Gustin dramatisch. Der französische Politiker kandidiert bei den Parlamentswahlen im Juni für die "Les Républicains", das ist die Nachfolgepartei der ehemaligen Gaullisten.

Gustin ist hoher Beamter und ehemaliger Diplomat – er will die Auslandsfranzosen in der Assemblée nationale vertreten. Nicht gleich alle drei Millionen Franzosen weltweit, sondern jene, die in Österreich, Deutschland, am Balkan und in Osteuropa leben. Das sind bis zu 500.000. In Österreich sind knapp 6000 Franzosen wahlberechtigt.

Der Absolvent der Elite-Hochschule ENA wagt keine Prognose über den Wahlausgang: "Alles ist möglich. In diesem Wahlkampf verschwimmt die Spaltung zwischen links und rechts. Viele Franzosen kennen sich überhaupt nicht mehr aus."

Was den ehemaligen Botschafter in Rumänien besonders stört, ist die schroffe Ablehnung der EU durch Marine Le Pen und durch den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon; er wird neuerdings als Favorit gehandelt.

Frexit ist eine Gefahr

"Bei einem Gewinn von Le Pen oder Mélenchon könnte der Frexit, der Austritt Frankreichs aus der EU, kommen", warnt Gustin. Dieses Szenario lässt ihn nicht kalt, es könnte Einfluss auf die Zukunft Europas haben. "Ich bin ständig in Österreich, Deutschland und Mitteleuropa unterwegs und merke jeden Tag, dass unsere Partner Frankreich nicht mehr verstehen. Es hat leider nicht mit Le Pen oder den Affären von Fillon angefangen, die Präsidentschaft von Hollande hat die Abwesenheit Frankreichs in Europa eingeleitet."

Für Gustin ist nicht nachvollziehbar, dass EU-Themen in den Diskussion negativ besetzt sind. "Für die meisten Kandidaten ist Europa ein Problem und auf keinen Fall eine Lösung." Als konservativer Politiker sieht er nicht nur in der extremen Linken und Rechten einen Hauptgegner, sondern auch im parteiunabhängigen Emmanuel Macron. "Er ist inhaltlich ein zweiter Hollande." Auch wenn Macron in den Umfragen vorne liegt, ist sein Sieg nicht sicher. "Umfragen haben keinen Wert mehr. Die Franzosen entscheiden sich im letzten Moment. In einer Kombination von vier Kandidaten (Le Pen, Fillon, Macron, Mélenchon) ist alles offen. Wir haben bei dieser Kampagne schon viele Überraschungen erlebt, es könnten noch einige folgen", sagt Gustin.