Im Februar erkundeten Leitl und Kurz Indien (Bild), nun ist Süd- und Ostafrika dran

© AUSSENMINISTERIUM/DRAGAN TATIC

Südafrika/Kenia-Visite
10/22/2016

Auf den Spuren des Afrika-Booms

Christoph Leitl und Sebastian Kurz loten die politische Lage und wirtschaftliche Chancen aus.

von Josef Votzi

Das Wirtschaftswachstum liegt seit zehn Jahren bei gut fünf Prozent. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung pendelt um die 19 Jahre (in der EU um die 42). 1,2 Milliarden Menschen leben bereits jetzt auf dem Kontinent, bald die Hälfte in Städten. 2050 werden es bereits 2 Milliarden Menschen sein. Afrika, das mehrheitlich noch immer für Armut, Hunger und AIDS steht, boomt zunehmend wirtschaftlich - nicht zuletzt aufgrund des massiven Engagements Chinas. Unzählige Autobahnen, Flughäfen, Stadien, Krankenhäuser und Staudämme gehen auf das Konto Pekings.

China hängt USA & EU ab

Das Reich der Mitte hat in den letzten 15 Jahren mehr Spuren hinterlassen als ein halbes Jahrhundert westliche Entwicklungshilfe. China hat auf dem afrikanischen Kontinent so längst die letzte Supermacht USA und die ehemaligen europäischen Kolonialstaaten als Handelspartner überholt.

2014 setzt die EU erstmals ein Zeichen, dem auf Dauer nicht tatenlos zuzusehen und lud 50 afrikanische Staatschefs und Premierminister nach Brüssel ein. Washington zog mit einer Einladung nach. Nun signalisiert auch die österreichische Regierung steigendes Interesse am afrikanischen Boom: Am Wochenende bricht eine Wirtschaftsdelegation, angeführt von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Außenminister Sebastian Kurz zu einer fünftägigen Reise nach Südafrika und Kenia auf. Zwei Dutzend österreichische Unternehmen nutzen den offiziellen Besuch als Türöffner, um sich lokalen Partner zu präsentieren, darunter bekannte heimische Großfirmen wie Andritz, Christof Industries, Frequentis, M-U-T, Salzburger Aluminium AG, Vamed, Voest und Waagner-Biro.

Südafrika ist nicht nur die größte Volkswirtschaft Afrikas, sondern auch die mit der höchsten Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung von zuletzt knapp über 5000 Euro. Mit einer überdurchschnittlichen Wachstumsrate von 6 Prozent gilt derzeit zudem Kenia als einer der wirtschaftlich vielversprechendsten afrikanischen Staaten. Die Wirtschaftskammer richtet daher nun auch in Nairobi ein Aussenwirtschaftscenter ein, das von Kammerchef Leitl am kommenden Donnerstag offiziell eröffnet wird.

"Nächste Wachstumsstory"

Der Wirtschaftskammerchef will bei seinem viertägigen Trip vor Ort "erkunden, ob Afrika tatsächlich die nächste Wachstumsstory schreiben wird, so wie dies vielfach schon angekündigt wird", sagt Christoph Leitl vor der Abreise nach Johannesburg; "Knapp ein Drittel aller österreichischen Exporte nach Afrika gehen nach Südafrika und ein Fünftel aller Importe aus Afrika kommen aus dem Land am Kap."

Auf dem Kalender von Sebastian Kurz stehen zudem Treffen mit Ministerkollegen beider Länder. Für Österreichs Außenminister geht es einmal mehr darum, angesichts des "massiv steigenden Migrationsdrucks in Richtung EU, rechtzeitig gegenzusteuern, indem wir wirtschaftliche Perspektiven schaffen und Hilfe vor Ort leisten. "

Weltgrößtes Flüchtlingslager

Das Flüchtlingsproblem wird die österreichische Delegation auch vor Ort begleiten. In Südafrika hielten sich laut UNHCR Ende 2015 über 1,2 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende auf. Schätzungen zufolge sind in den vergangenen Jahren rund drei Millionen Simbabwer aus ihrer verarmten Heimat nach Südafrika geflohen. Das führte bereits wiederholt zu fremdenfeindlichen Übergriffen in Südafrika führte. Bei den schlimmsten Unruhen waren 2008 in den Armenvierteln von Johannesburg 62 Menschen getötet worden.

In Dadaab im Osten Kenias leben mehr als 340.000 Menschen im größten Flüchtlingslager der Welt. Insgesamt gibt es laut UNO über 600.000 Flüchtlinge in Kenia. Über 90 Prozent der Flüchtlinge in Dadaab stammen aus dem benachbarten Krisenstaat Somalia.

Im April hatte die kenianische Regierung angekündigt, Dadaab bis Ende November trotz Protesten des UN-Flüchtlingswerks UNHCR aus Sicherheitsgründen zu schließen.

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