Politik | Ausland
05.12.2011

Attersee-Treffen: Faymann "fassunglos"

Beim Jungsozialisten-Treffen am Attersee nahm auch Österreichs Kanzler Werner Faymann teil. Die Anschläge in Oslo sind das Thema dieser Woche.

Immer wieder halten Reisebusse und entlassen Gruppen von jungen Menschen mit Rucksäcken. Die Szenerie erinnert ein wenig an ein Musikfestival. Doch ausgelassene Stimmung und die Freude über das Wiedersehen alter Bekannter mag nicht so wirklich aufkommen - bei den fast 3000 Jugendlichen aus 120 Ländern. Sie sind zum Treffen der IUSY, der internationale Union der sozialistischen Jugend angereist. Das Weltfestival findet nach 1929 und 1981 zum dritten Mal in Österreich statt, diesmal in Weißenbach am Attersee.

Und es begann nach der Tragödie von Oslo mit einer Gedenkveranstaltung, an der am Montag auch Österreichs Kanzler Werner Faymann teilnahm. Er, der am Dienstag eine Rede halten will, bezeichnete die Tat als "grauenhaft", er sei "fassungslos". Man dürfe nicht wegschauen, auch nur ein paar Rechtsextreme seien zu viel. Faymanns Appell: "Wehret den Anfängen."

Beim Eingang zum Gelände steht Polizei, jeder Teilnehmer und Besucher muss sich registrieren. Das Massaker auf der norwegischen Insel Utøya hat Spuren hinterlassen, auch hier. Auf einer Wiese wurden Hunderte kleine Zelte aufgebaut, für viele das Quartier für diese Woche. Polizei soll es für die Dauer des Festivals am Gelände nicht geben, dafür drehen Mitarbeiter einer Security-Firma ihre Runden.

Thema der Woche

Fast alles, was hier momentan passiert und über das geredet wird, steht im Zeichen der Anschläge in Norwegen. "Das ist das Thema dieser Woche, das muss auch das Thema dieser Woche sein", meint etwa die Bulgarin Galina Stravkova. "Es herrscht Betroffenheit. Nicht nur wegen der Dimension des Attentats, auch weil die meisten Opfer Mitglieder unserer politischen Familie waren", sagt Aldo Perez aus Mexiko. "Ich bin überzeugt, dass das politische Klima diese Einzeltat begünstigt hat." Auch Zita Schellekens aus Holland ist sich sicher: "Das ständige Verbreiten von Hass und Fremdenfeindlichkeit fördert solche Taten."

Viele der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen aus Ländern mit star-ken oder jüngst erstarkten rechten Parteien. Aus Finnland etwa, Schweden, Ungarn und Bulgarien. Und alle berichten von einer Radikalisierung in der Heimat: "Bei uns haben Rechtsextremisten kürzlich während des Gebets in einer Moschee am Vorplatz eine Veranstaltung abgehalten, nur um zu provozieren", berichtet Borislav Georgiew aus Sofia. Doch so weit muss man nicht blicken: "Es gibt auch hierzulande rechtsextreme Umtriebe" ergänzt die Wiener SJ-Sekretärin Sandra Breiteneder. "In so einer Situation muss man mit mehr Demokratie antworten", zitiert Penny Kaisa aus Finnland Norwegens Premier Stoltenberg. "Die Antwort auf die Anschläge darf nicht in der Forderung nach mehr Sicherheit und Überwachung liegen. Ich kenne auch keine einfachen Antworten auf die vielen Probleme unserer Gesellschaften. Aber wir müssen darüber diskutieren."

Einige Teilnehmer sehen in der Tat gar eine Chance: "Das Attentat macht uns stärker", meint der Bulgare Enio Zyapkov. "So schlimm es klingt: Die Toten bieten eine Chance, sich mit dem Rechtsextremismus zu beschäftigen."

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