"Atomkraft ist nur im Märchen sicher"

Der Schrecken wiederholt sich, sagt Kazuo<br />
Soda. Der 81-jährige Japaner  überlebte die Atombombe in Nagasaki und fürchtet nun die Folgen der<br />
Katastrophe von Fukushima
Foto: KURIER /gruber franz

Der Nagasaki-Überlebende Kazuo Soda machte in Wien Station, um bei den Gedenkfeierlichkeiten für die Opfer der Atombomben teilzunehmen.

Vor 66 Jahren detonierte die US-Atombombe "Fat Man" im japanischen Nagasaki und tötete mehr als 70.000 Menschen. All jene, die der radioaktiven Strahlung ausgesetzt wurden, hatten zeitlebens mit den Folgen zu kämpfen. Kazuo Soda, heute 81 Jahre alt, ist einer von ihnen. Nur 2,5 Kilometer vom Zentrum der Explosion entfernt, konnte er mit Glück überleben und führt seither eine internationale Kampagne für eine Welt ohne Atomwaffen. Soda, Träger des Aachener Friedenspreises 2001, machte Dienstag auch in Wien Station, um bei den alljährlichen Gedenkfeierlichkeiten für die Opfer von Hiroshima und Nagasaki teilzunehmen. Trotz seines Alters und einer kürzlichen Krebserkrankung wirkt der Friedensaktivist immer noch sehr entschlossen, wenn auch schon etwas müde. Mit dem KURIER sprach er über ...

... den Reaktorunfall in Fukushima
Fukushima und das Leid der Menschen dort tun mir sehr weh. Es ist bedauerlich, dass wir Japaner nicht aus der Vergangenheit gelernt haben. Unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung wurde die Atomenergie in Japan nie hinterfragt. Erst durch Fukushima wird die Gefahr ernst genommen; man beginnt umzudenken.

... den Atomangriff in Nagasaki
Als die Atombombe über Nagasaki niederging, dachte jeder, es sei eine gewöhnliche Bombe. Aber die wahnsinnige Stärke, die Hitze, das grelle Licht; das konnte nur etwas anderes sein. Ich hatte Glück, ich war drinnen im Haus meiner Familie und überlebte dadurch. Danach herrschte große Verunsicherung und Unwissen: Trotz der Radioaktivität hat man einfach in den Städten weitergelebt.

... sein Engagement gegen Atomwaffen
Nachdem ich die Bombe überlebte und meine Freunde und Familie tot waren, sah ich es als meine Pflicht, der nächsten Generation die Gefahr von Atomwaffen näherzubringen.

... den Umgang mit Strahlenopfern
Die Opfer der Bombenangriffe wurden lange von der Gesellschaft isoliert. Jetzt mit Fukushima wiederholt sich die Geschichte. Manche Menschen haben Angst, selbst verstrahlt zu werden und meiden alles aus der Region.

... die Nutzung von Kernenergie
Die Atomenergie gilt als die sauberste, sicherste und billigste Energiegewinnung. Aber die Atomkraft ist nur im Märchen sicher. Radioaktivität ist ein Feind, den man nicht sehen und nicht riechen kann. Das zu verbreiten ist meine Aufgabe.

(kurier) Erstellt am
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