Viertel aller Ägypter lebt in Armut

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Foto: Reuters/ASMAA WAGUIH Die Hälfte der Ägypter muss mit ein bis zwei Dollar pro Tag auskommen, ein Viertel lebt in Armut.

Präsident Mursi versprach nach dem gewonnenen Referendum, sich um die Wirtschaft zu kümmern. Dafür ist es höchste Zeit.

Vor drei Wochen hat Hassan Mohamed ein Kilo Paprika für zweieinhalb ägyptische Pfund gekauft. „Als ich das nächste Mal auf dem Markt war, hat er schon fünf Pfund gekostet“, sagt der 50-Jährige dem UN-Nachrichtennetzwerk IRIN. Jedes Mal, wenn er einkaufen geht, lässt er einen Artikel auf der Liste weg, „bis nichts mehr übrig bleibt“.

Mehr als ein Viertel der 83 Millionen Ägypter lebt in Armut. Vor zwei Jahren waren es noch 21,6 Prozent. Fast die Hälfte der Einwohner muss mit ein oder zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Während ihre Zahl weiter steigt, steigen auch die Lebensmittelpreise und die Steuern.

Unsicherheit

Die instabile politische Landschaft seit dem Sturz von Hosni Mubarak im Februar 2011 hat ihren Teil zu der enormen Wirtschaftskrise beigetragen. In der Unsicherheit blieben Touristen fern, Fabriken sperrten zu, ausländische Investitionen gingen zurück. Die Arbeitslosigkeit stieg und die Devisenreserven schrumpften bis November auf 15 Milliarden. Doch diese sind nötig, um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. Ägypten importiert die meisten Lebensmittel aus dem Ausland. Die aktuellen Reserven reichen noch für drei Monate.

Bitter nötige Wirtschaftsreformen waren in den vergangenen zwei Jahren in Ägypten auf der Strecke geblieben. In seiner TV-Ansprache am Mittwoch hat Präsident Mursi jetzt – nach dem gewonnenen Verfassungsreferendum – versprochen, sich um die marode Wirtschaft des Landes zu kümmern: „Ich werde alle Anstrengungen unternehmen, um die ägyptische Wirtschaft anzukurbeln“, sagte er. Welche Maßnahmen das sein werden, um das wachsende Budgetloch von rund 27,5 Mrd. Dollar zu stopfen, konkretisierte er aber nicht. Bis zum Ende des nächsten Fiskaljahres soll das Defizit jedenfalls von 11 auf 8,5 Prozent des BIP gekürzt werden.

Am 10. Dezember erhöhte die Regierung die Steuern auf Benzin, Zigaretten, Mobilfunk und vieles mehr, nur um die Maßnahmen wenig später wieder zurückzunehmen. Höhere Steuern, etwa auf Elektrizität und Gasflaschen, werden jetzt erneut angedacht.

Doch die Regierung muss sich auch etwas einfallen lassen, um ausländische Investoren und Touristen zurückzuholen. So lange die Sicherheitslage unsicher ist, werden sich diese Probleme nicht lösen lassen. Im Vorjahr sind die Einnahmen aus dem Tourismus um mehr als 30 Prozent gesunken, 2012 stiegen sie nur leicht wieder an. Das trifft das Land schwer, denn einer von acht Ägyptern ist direkt oder indirekt im Tourismus beschäftigt.

(kurier) Erstellt am
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