Politik | Ausland
11.09.2017

Merkel: "Finde gut, wenn Sie wütend sind"

Merkel gibt sich in der ARD-Wahlarena "bürgernah" und legt die Latte für Herausforderer Schulz hoch.

Angela Merkel hat meist alles im Griff, wenn es aber darum geht, sich den Fragen der Bürger zu stellen, kann sie durchaus in die Klemme geraten. So geschehen 2013 in der ARD-Wahlarena. Da wurde sie von forsch fragenden Wählern mit einer unangenehmen Realität konfrontiert. Und konnte ihre Grundbotschaft – "uns geht es allen gut" – nur schwer verkaufen.

Montagabend, vier Jahre später, hat sich nicht viel geändert: Die Botschaft der Kanzlerin ist gleich, die Fragen der 150 Bürger sind nicht einfacher zu beanworten als damals. Da wäre etwa ein junger Mann, der eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger macht, und die Kanzlerin wütend mit den Zuständen in Pflegeheimen konfrontiert. Er erzählt von Menschen, die stundenlang in ihren Ausscheidungen liegen. Die Pfleger seien überlastet und für zu viele Patienten zuständig. Merkel sei immerhin seit zwölf Jahren Kanzlerin – und nichts passiere.

Ein emotionaler Beginn, den die Kanzlerin sachlich parieren will: "Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass zum Schluss alles zu bester Zufriedenheit ist, aber es wird mehr Standard da reinkommen. Ich hoffe, dass es in zwei Jahren besser ist."

Dem Auszubildenden ist das zu vage, er legt nach, hörbar verärgert: "Wie wollen Sie das schaffen? Es fehlen hunderttausende Pflegekräfte!" Merkel wirkt irritiert, versucht es aber mit Empathie: "Ich finde es gut, wenn Sie wütend sind." Und verspricht ihm, den Beruf attraktiver zu machen, dafür müssten auch die Tarifpartner in ihren Verhandlungen sorgen – notfalls müsse man auch mehr Pflegekräfte aus europäischen Ländern einstellen. Zufriedenstellen konnte sie ihn aber damit nicht.

Einem 18-jährigen Erstwähler aus Würzburg, der gerne CDU wählen würde, in Bayern aber nur CSU wählen darf, aber nichts von der Seehofer-Obergrenze hält, gibt sie ebenfalls ein Versprechen: "Meine Haltung zu der Obergrenze ist ja bekannt, dass ich sie nicht will. Ich möchte sie nicht. Garantiert. Ich halte sie auch nicht für praktikabel."

Nach ihm kommen weitere Menschen zu Wort, ein homosexuelles Paar, das Merkels Haltung zur "Ehe für alle" hinterfragt, ein Student mit Migrationshintergrund, der zuletzt immer mehr Anfeindungen ausgesetzte ist und eine Mutte von zwei Kindern, die sich über die Kita-Gebühren beschwert – Merkel stellt ihnen Fragen, gestikuliert, analysiert, macht Zugeständnisse. Zwar wirkt sie an manchen Stellen hölzern, aber "echt".